„Kunst ist mein Zuhause“

16.09.2019 | #zohus bei

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Guillermo Malfitani

„Ding Dong!“ Der Türöffner summt – nicht. Stattdessen ruft hinter uns jemand: „Hallo! Hier bin ich!“ Es ist Guillermo Malfitani, aus Argentinien stammender Künstler, der seit 1977 in Köln lebt. Wir sind verabredet.  „Ich komme gerade aus meinem Atelier. Moment, ich mache auf.“ Wir begrüßen ihn vor dem Haus an der Vorgebirgsstraße in Sichtweite des Volksgartens und folgen ihm in den 2. Stock des wunderschönen Altbaus.

Schon an der Wohnungstür, als wir den Flur betreten, wird klar: Hier wohnt ein Kunstbesessener.  Überall Kunst, wohin wir auch schauen. Jede Wand wird zur Ausstellungsfläche der eigenen Bilder und Objekte, aber auch Werke von Kollegen finden hier Platz.

Nach rechts öffnet sich ein großes Wohnzimmer. In der Mitte steht ein riesiger Esstisch für viele Gäste. „Ja, meine Frau und ich kochen gern. Auch für andere. Neulich gab es Gnocchi“, erzählt Guillermo.

„Die Lampe passt immer“

Über dem Tisch hängt eine kunstvoll geschmiedete Lampe. „Die haben wir auf einem Flohmarkt in Italien entdeckt“, sagt Guillermo. Dem Paar war damals sofort klar, dass es genau diese Lampe sein muss. Lange hatten sie nach dem passenden Exemplar Ausschau gehalten. Zwei bis drei Jahre hatte nur eine Glühlampe für Licht gesorgt. „In diese Lampe waren sie sofort verliebt. Der Händler war damals sehr verwundert, weil wir noch nicht mal gehandelt haben. Wir wollten keinen Rabatt, sondern die Lampe sofort mitnehmen.“

Er steigt auf einen Stuhl, um uns einen besonderen Vorzug des vierarmigen Leuchters zu zeigen: Je nach Geschmack und Laune lassen sich die geschmiedeten Arme nach oben oder unten drehen. „Wenn mein Freund Till zu Besuch kommt, drehe ich die Arme nach oben. Till ist fast zwei Meter groß“, erklärt Guillermo und lacht.

Unser Blick fällt auf das der Essecke gegenüberliegende Regal. „Das habe ich selbst gemacht„, sagt Guillermo. Eine super Idee zum Nachmachen: Eichenbretter, etwas abgeschmirgelt, Ziegelsteine dazwischen, Bücher rein –  fertig.

In dieser Altbauwohnung wird viel gelesen. Deshalb gibt es haufenweise Bücher. Regelmäßig werden sie ausgemistet und an Freunde und Bekannte verschenkt. „Literatur, Reisen und Musik inspirieren mich zu meiner Kunst“, sagt der Maler.

„Hier entlang“, sagt er freundlich und führt uns durch einen weiteren Flur, von dem Küche und Bad abgehen. Wir gelangen in einen schönen, hellen Raum. Vor dem Erker-Fenster steht ein gemütlicher Ohrensessel. Daneben ein seltsames altmodisches Gestell aus Metall. Bei näherer Betrachtung erkennen wir: Es handelt sich um einen in die Jahre gekommenen Zeitungsständer. „Der stand beim Sperrmüll an der Straße. Ich musste ihn haben!“

Der Lesesessel daneben ist Guillermos Lieblingsplatz in der Wohnung. Morgens geht er hier die Zeitungen durch, nachmittags überlässt er das Möbel seiner Frau, wenn sie von der Arbeit kommt und schmökern will.

„Ist das Kunst oder kann das weg?“

Guillermo verzieht sich dann meistens in seine Arbeitsecke. Hier wimmelt es von Pinseln, Farben, Tuben. Zwar hat er in der Südstadt noch sein Atelier, doch manchmal bleibt er einfach lieber zuhause und arbeitet hier. „Unterm Arbeitstisch befindet sich mein Kruscht-Eck“, gibt Guillermo zu, aber er hat überhaupt kein schlechtes Gewissen deshalb. „Ab und zu bekommt meine Frau die Krise und will hier aufräumen. Dann heißt es: Ist das Kunst oder kann das weg?“

In dem alten Radio läuft fast immer Klassik; übrigens auch in seinem Atelier, das Malfitani uns später zeigen wird. „Musik entspannt mich einfach.“

„Wir sehen grün und Sterne am Himmel“

An den deutschen Winter hat sich Guillermo bis heute nicht wirklich gewöhnt. „Ich habe manchmal gar keine Lust raus zu gehen. Aber davon abgesehen fühle ich mich sehr wohl in Köln.“

Um einen Blick vom Balkon ins Grüne zu werfen, müssen wir einmal zurück durch den Flur ins Wohnzimmer. „Hier haben wir meistens unsere Ruhe, wenn nicht gerade die Kölner Papageien gegen die Krähen kämpfen“, sagt Guillermo.

Ruhe finden die Malfitanis im Schlafzimmer. Vom Bett aus kann man wunderbar den Sternehimmel sehen.

„In meinem Atelier bin ich auch zuhause“

Schlafenszeit ist allerdings noch lange nicht. Wir brechen auf zu Guillermo Malfitanis Atelier ein paar Straßen weiter. Im Oktober 2012 musste der Künstler einen schweren Schlag verkraften, erfahren wir auf dem Weg zum Sionstal im Severinsviertel. Damals hatte er noch ein anderes Atelier, aus dem er ein paar Tage später ausziehen wollte. Alles war schon gepackt und transportbereit, da brach im Nachbaratelier eines Bildhauers durch Unachtsamkeit ein Feuer aus. Auch Guillermos Atelier brannte völlig aus. „Alle meine Werke fielen dem Feuer zum Opfer – 30 Jahre Arbeit lösten sich in Rauch auf!“

Da er mitten im Umzug war, hatte er die Versicherung für den Raum schon gekündigt. „Das war ein großer Schock und finanziell ein Desaster!“

Aber der Künstler hat weitergemacht. Kunst ist sein Leben, und das Leben ist eine Kunst. Die Jahre nach dem Brand produzierte Guillermo zahlreiche weitere Werke. Der vordere Raum und das Schaufenster sind voll mit wundervollen bunten Bildern: auf fast jedem Quadratzentimeter gibt es etwas zu sehen.

Hinten durch ist das Arbeitszimmer. „Hier fühle ich mich auch sehr Zuhause“, sagt Guillermo. Dann wollen wir ihn man nicht weiter bei der Arbeit stören und bedanken uns für den wunderbaren Kunstspaziergang.

Guillermo Malfitanis Atelier ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Die nächste Gelegenheit sind die „Offenen Ateliers 2019“ am 27., 28. und 29. September und natürlich jederzeit nach Vereinbarung. Mehr Infos finden Sie hier.

Fotos: Costa Belibasakis
Text: Jana Mareen Züger

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