„Wir sollten uns die Neugier auf den Weltraum erhalten“

20.05.2020 | Menschen

Name:
Tim Ruster

Geboren:
1991

In Köln seit:
Immer schon

Beruf:
Rechtsanwalt, YouTuber, Comic-Zeichner

Lieblingsort:
Das Planetarium in Nippes

Tim Ruster will weiter in den Weltraum vordringen

„Es macht schon einen Unterschied, von wo aus man in den Himmel guckt. Von der Schildergasse aus sieht man keinen einzigen Stern, da ist es viel zu hell. Vom Leipziger Platz aus – einem der dunkelsten Orte in Nippes, an dem ja auch unser Planetarium steht – einige 100. Das ist für Kölner Verhältnisse recht viel. Eigentlich müsste man rund 4500 Sterne sehen können. Aber dafür ist die Lichtverschmutzung nachts in unseren modernen Städten viel zu groß.

„Die Begeisterung für den Weltraum ist eingeschlafen.“

Viele Leute schauen gar nicht mehr hoch zu den Sternen. Die Begeisterung dafür ist ziemlich eingeschlafen seit der ersten bemannten Mondfahrt 1969. Ich finde es wichtig, dass wir Menschen uns die Neugier erhalten, weiter in den Weltraum vorzudringen. Schließlich ist das eine der wenigen Möglichkeiten, die wir noch haben, um unseren Horizont maßgeblich zu erweitern.

 

Klar, das kostet alles unfassbar viel Geld. Die internationale Raumstation ISS, die seit 2000 um die Erde kreist, ist sogar das teuerste Bauwerk, das die Menschheit je errichtet hat. Aber das war bei Columbus damals auch nicht anders. Dem haben wahrscheinlich auch alle möglichen Leute gesagt, dass seine Seglerei doch viel zu teuer sei. Und dann hat er Amerika entdeckt!

Der Mars ist für ihn ein zweites #zohus

Gerade jetzt beginnt eine spannende neue Zeit in der Raumfahrt. Für 2024 plant die NASA im Rahmen ihres Artemis-Programms wieder einen Flug mit Besatzung zum Mond. Ziel ist es, dass Menschen dort dauerhaft bleiben. Und Elon Musk, der Gründer von Tesla und SpaceX, will in absehbarer Zeit sogar zum Mars!

„Auf dem Mars wird es nie so viele Menschen wie auf der Erde geben.“

Solche Aktivitäten sind alles andere als sinnlos. Musk erhofft sich von seinen Weltraumprojekten einen starken Technologie-Schub, von dem wir alle profitieren. Satellitentechnik zum Beispiel zeigt Bauern schon jetzt, wie sie ihre Felder so bewässern können, dass sie bis zu 90 Prozent weniger Wasser benötigen. Da hilft uns dieser Forschungszweig also sogar langfristig, sparsamer mit unseren Ressourcen umzugehen.

Und abgesehen davon kann es auf die Dauer vielleicht nicht schaden, wenn wir Menschen zwei Planeten haben, die wir bewohnen können. Der Mars wird zwar nie so eine Population beherbergen können wie die Erde, aber er verfügt über große Eis-Vorkommen. Für ein paar Millionen würde das reichen als Wasservorrat.

Er glaubt: Aliens existieren

Bei meinen Führungen durchs Planetarium Nippes kommt oft die Frage auf: Gibt’s Aliens da draußen? Die Erwachsenen sagen dann meisten: Nee! Die Kinder: Ja! Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Kinder Recht haben. Die Erwachsenen denken immer nur an diese Gerüchte von den Grünen Männchen, die angeblich in der Area 51 gefangen gehalten werden. Aber wenn man mal überlegt, dass es allein in unserer Milchstraße 200 Milliarden Sterne gibt, die wie unsere Sonne von Planeten umkreist werden, dann ist es schlicht und einfach ziemlich unwahrscheinlich, dass die Erde der einzige Planet mit Leben sein soll.

„Philosophieren geht gerade nur im Livestream.“

Über solche Fragen zu philosophieren, das fehlt mir zurzeit am meisten. Das Planetarium musste natürlich auch wegen Corona schließen. Wir behelfen uns jetzt mit Führungen im Livestream  über meinen YouTube-Channel Astro TV. Damit erreichen wir mehr als 2.000 Besucher. Das behalten wir garantiert bei.

Unser Planetarium befindet sich im Leonardo-da-Vinci-Gymnasium in Nippes. Hier bin ich selbst zur Schule gegangen. Irgendwann, so 2009 muss das gewesen sein, kam Herrmann Gundermann auf der Suche nach interessierten Schülern zu uns in den Unterricht. Er hat das Planetarium Ende der 1960er Jahre mitgegründet und mir alles beigebracht. Ein großartiger Lehrer. Seitdem verbringe ich dort einen Großteil meiner freien Zeit.

Er fand die Liebe unter den Sternen

Ich hab‘ immer davon geträumt, dass eines Tages vielleicht auch meine große Liebe hier auftaucht. Und tatsächlich: Unter den Stammgästen – normalerweise ältere Herren – fiel mir irgendwann eine junge Frau auf. Sie hieß Jana. Vielleicht, hab‘ ich mich gefragt, kommt sie ja auch ein bisschen wegen mir? Ich hab‘ all meinen Mut zusammengenommen und sie angesprochen, ob sie nicht bei uns mitmachen will. Daraus wurde dann eine Liebe unter den Sternen. Inzwischen sind wir verheiratet.

Tim Ruster Planetarium Nippes Köln Koeln-beste

Jetzt schreibt er einen Science-Fiction-Roman

Mal schauen – möglicherweise ist das ja irgendwann einmal ein Thema für eine Geschichte? Ich habe gerade angefangen, meinen ersten Science-Fiction-Roman zu schreiben. 2021 möchte ich damit fertig sein. Bei meinen Astro-Comics für Kinder bin ich inzwischen bei drei Bänden angekommen, in denen ich unser Sonnensystem, die Milchstraße und den Kosmos erkläre. Alle anderen Astro-Projekte sind daraus entstanden. Inzwischen stehe ich meistens selbst vor der Kamera. Am liebsten würde ich für die Sendung mit der Maus arbeiten.

Tim Ruster Planetarium Nippes Köln Koeln-beste

#zohus-Moment von Tim Ruster

Ich bin hier geboren und hier zu Hause. Ich wollte auch nie weg aus Nippes – wegen dem Planetarium. In Nippes kenne ich jede Ecke und viele Menschen, denen ich auf der Straße begegne. Dabei würde ich gar nicht behaupten, ein Lokalpatriot zu sein. Ich bin zum Beispiel kein Effzeh-Fan. Ich finde es seltsam, sich für einen Verein zu begeistern, nur weil man da geboren wurde. Es muss doch einen richtigen Grund geben, warum man etwas toll findet!

Die Kölner sind so ein bisschen schlunzig. Kommste heut‘ nicht, kommste morgen, heißt ein Sprichtwort. Das kann man liebenswürdig finden, das kann aber auch tierisch nerven. Vielerorts in der Stadt wird nur geredet, es geht nix voran.

Trotzdem: Ich bleibe hier. Das einzige, was mich vielleicht mal wegtreibt, ist meine Sehnsucht nach mehr Natur. So ein Häuschen in der Schweiz wär‘ schon toll. Und dann dort ein neues Planetarium aufbauen …“

Text: Sebastian Züger
Fotos: Costa Belibasakis

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