Wertstoff-Center Ossendorf: zurück in den Kreislauf

02.03.2020 | Leben | Ein Kommentar

Daniel Urban und seine Kollegen werden zuverlässig  mit dem Schrott ihrer Kölner Mitbürger fertig. Aber manchmal verzweifeln auch sie an der Tatsache, dass unsere Konsumgesellschaft Jahr für Jahr immer noch mehr Müll produziert. Ein Besuch in Köln-Ossendorf.

1977 war’s, als „Die Sechs von der Müllabfuhr“ in der „Sendung mit der Maus“ über ihren Job sangen und damit einen echten TV-Klassiker schufen. 43 Jahre später hat sich vordergründig nicht viel geändert am Beruf des Müllmanns: Noch immer touren die großen orangen LKWs wochentags durch die Stadt und holen ab, was die Kölner nicht mehr haben wollen.

Bei genauerer Betrachtung ist jedoch viel passiert. Die Deutschen sind zwischenzeitlich mehrfach Weltmeister geworden, und zwar nicht nur im Fußball, sondern auch im Mülltrennen. Es gibt nicht mehr nur schwarze Tonnen, sondern auch gelbe, blaue, braune und graue Tonnen. Außerdem lässt sich der Müll heutzutage nicht mehr nur abholen, seit Anfang der 1990er Jahre lässt er sich auch bringen, und zwar in eins der Wertstoff-Center in Gremberghoven oder Ossendorf.

Wie das alles zu funktionieren hat, regelt das „Gesetz zur Förderung der Kreislaufwirtschaft und Sicherung der umweltverträglichen Bewirtschaftung von Abfällen“ der Bundesrepublik Deutschland. Daniel Urban, der Anlagenleiter in Ossendorf, sagt dazu der Einfachheit halber „Kreislaufabfallwirtschaftsgesetz“ – immer noch ein ziemlich langes Wort. Rund 1.500 Leute liefern täglich werktags zwischen 8 und 20 Uhr und samstags  zwischen 8 und 16 Uhr tonnenweise Unrat, Schrott und Gerümpel bei ihm ab.

 

Daniel Urban vom Wertstoff-Center der Abfallwirtschaftsbertriebe der AWB in Köln-Ossendorf
Daniel Urban ist Anlagenleiter in Ossendorf.

Urban und seine 16 Mitarbeiter haben das mitunter zweifelhafte Vergnügen, Ordnung ins Chaos bringen. Sie sortieren die Abfälle nach insgesamt 23 sogenannten Fraktionen und reichen sie so an die jeweils zertifizierten Entsorger weiter. „Hundertprozentig Sorten-rein kriegt das keiner hin“, sagt Urban. „Aber ich denke, wir machen einen guten Job.“ Bei gut 62 Prozent lag die Verwertungsquote 2018. Der überwiegende Rest geht in den Ofen.

Ossendorf 2018: ein Jahr zum Wegschmeißen

Zu letzteren gehören die hauchdünnen Einweg-Plastiktüten, die noch immer vielerorts kostenlos ausgegeben werden. Urban: „Das ist für mich der schlimmste Müll.“ Vom Plastiktüten-Verbot, das die Bundesregierung im November 2019 beschlossen hat, sind ausgerechnet diese meist für Obst und Gemüse verwendeten Pseudo-Verpackungen ausgenommen.

Trends für die Tonne

Auch im Abfallgewerbe gibt es Trends. Einer davon: „Insgesamt wird der Müll immer mehr.“ In den Supermärkten beispielsweise seien Waren zunehmend doppelt und dreifach verpackt, hat Urban beobachtet.

Seit 2006 nimmt das Ossendorfer Wertstoff-Center auch Elektroschrott an. Ausrangierte Fernseher, Kühlschränke, Laptops – alles findet hier in den passenden Container, um möglichst sinnvoll weiter- und wiederverwertet zu werden. „Genau dafür machen wir unsere Arbeit“, sagt Urban. „Dass zum Beispiel ein altes Handy nicht einfach im Müll landet, sondern seine wiederverwertbaren Bestandteile zurück in den Kreislauf kommen.“

Für Menschen, die ihren Müll einfach auf die Straße werfen, hat Urban kein Verständnis. Immerhin sind sie, das weiß er aus Erfahrung, die Ausnahme unter den knapp 400.000 Kunden jährlich. „Die allermeisten wollen ihren Müll trennen, und zwar korrekt.“ Was die Wertstoff-Center annehmen und was nicht, verraten die AWB auf ihrer Website.

Fotos: Patrick Essex
Text: Sebastian Züger

 

Einen Kommentar für “Wertstoff-Center Ossendorf: zurück in den Kreislauf”

  1. E. Engels sagt:

    Wie gut dass die Müllmänner ihrem Beruf treu geblieben sind und nun den fraktionierten Müll entsorgen!
    Ein nettes Video, sollten sich viele Leute ansehen und den Entsorgungsmitarbeiter mehr Freundlichkeit entgegen bringen . Wünsche allen weiterhin viel Freude bei ihrer Arbeit!

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