„… dann wollten wir’s auch gewinnen!“

26.11.2019 | Euer Song für Köln Leben | Ein Kommentar

Wie man als Außenseiter die Favoriten schlägt, das weiß nicht nur der 1. FC Saarbrücken, das weiß spätestens seit dem Gewinn des Kölner Musiker-Nachwuchswettbewerbs Euer Song für Köln auch Wat Ess!?, die erdige Kölschrock-Combo aus Humboldt-Gremberg mit ihrem Song „Wenn et Kölle nit jöv“. Wir haben uns mit den Überraschungssiegern an der Bar ihres Scheckheft-gepflegten Proberaums verabredet und nachgehakt: Jungs, wie habt Ihr das bloß hingekriegt?

Na? Wie geht’s Euch jetzt, ein paar Wochen nach Eurem großen Triumph?

Ralf Kautz (Gesang, Gitarre): Noch immer jot! (Lacht.)

Gibt es so etwas wie ein Erfolgsgeheimnis?

Ralf: Ich glaube, das Gesamtpaket hat einfach funktioniert. Wir haben, nachdem wir’s durch die Vorauswahl ins Finale geschafft hatten, viel auf Facebook gemacht, Tickets verlost und unsere Leute persönlich angesprochen, im Online-Voting jeden Tag ihre Stimme für uns abzugeben. So ist aus unserer Teilnahme am Wettbewerb ein gemeinsames Projekt von Band und Fans geworden. Aus diesem Grund hatten wir am Finalabend auch eine nicht unerhebliche Fanbase am Start, die uns fantastisch unterstützt hat.

Stefan Flach (Bass): Wir waren ziemlich erstaunt, dass die meisten anderen Bands anscheinend kaum Wert auf Online und Social Media gelegt haben. Wir haben überall den #zohus-Hashtag eingebaut und uns für jeden Tag überlegt, was wir posten können, und jeder Post endete mit: … erstmal voten!

Martin Steffens (Schlagzeug): Und tatsächlich haben die Leute angefangen, jeden Tag bei uns auf Facebook reinzuschauen, wie in einen Adventskalender. Sie wollten wissen, was es Neues gibt.

Ihr habt also – im Gegensatz zu den anderen Teilnehmern – eine richtige Kampagne gestartet.

Stefan: Anfangs war es für uns schon irre, dass wir überhaupt unter den Top Ten waren. Aber dann kam der sportliche Ehrgeiz dazu, dann wollten wir’s auch gewinnen. Das hat sich aber nie gegen unsere Mitbewerber gerichtet. Wir haben schon im Vorfeld alle angesprochen und den Wettbewerb immer als großes Ganzes verstanden.

Ralf: Man hat sich ja die Konkurrenz angeschaut. Und ich war erstaunt, wie gut die Songs, die Sounds und auch die Videos waren.

Martin: Alle haben einen Super-Studiosound!

Stefan: Und wir haben ein Bandfoto und ein MP3 von Wenn et Kölle nit jöv, das unser Soundmann Matthias Huppertz hier im Proberaum mit uns aufgenommen hat. Mehr hamwa nich.

Ralf: Es war also klar: Wir brauchen ein Video.

Stefan: Das gehört zu einer ordentlichen Kampagne einfach dazu. Wir wollten aber was anderes machen, nicht so mit Dom, Rhing und Sunnesching.

Ralf: Also haben wir hier in unserer Wat-Ess!?-Lounge ein Video produziert. Was ganz Persönliches, schön in Schwarzweiß.

Stefan: Ich hätte ja am liebsten nur Ralf beim Singen gezeigt. Das war am intensivsten.

Wie intensiv war denn der Wettbewerb selbst für Euch?

Ralf: Ich hab‘ mich zwei Wochen vorher total ausgeklinkt. Die haben mich alle bekloppt gemacht. Ich habe mir nichts mehr im Netz angeguckt und auch nicht mehr gevotet. Ich wollte mich einfach nur in Ruhe auf den Auftritt konzentrieren. Wenn ich vor Ort bin und sehe, wie alles funktioniert, wie das Publikum drauf ist, dass unser Soundmann Matthias alles schön im Griff hat, dann ist das wie eine Valium für mich.

Stefan: Es war sehr schön im Backstage. Alle waren offen und interessiert, aber alle waren auch sehr auf ihr Ding konzentriert. Es war schon eine extreme Anspannung zu spüren. Du hast nur ein Lied, nur eine Chance, und die musst du nutzen.

Ralf: Genau. Ich war vor dem Auftritt schon echt nervös. Auf der Bühne bist du dann wie in einem Tunnel. Die Nervosität schwindet, man ist konzentriert, und es war gefühlt sehr schnell vorbei. Der letzte Akkord war Freude und Erleichterung zugleich. Wir haben uns nach dem Song nicht einmal beim Publikum bedankt, weil wir dachten, wir müssen so schnell wie möglich Platz machen für die nächsten Teilnehmer.

„Es ist ja kein Zufall, dass die Tickets ruckzuck ausverkauft waren.“

Mal abgesehen davon, dass Ihr gewonnen habt: Würdet Ihr nochmal mitmachen?

Ralf: Auf jeden Fall. Die Volksbühne, die Moderation, das Voting, die Jury und natürlich die Zuschauer – das hatte alles Stil und Klasse und war sehr professionell. Einzig beim Sound kann man was Kritikwürdiges finden. Die Volksbühne hat eine schwierige Akustik. Ich hätte mir für jeden Finalisten vor der Show mehr Zeit gewünscht, um den Sound abzustimmen. Das hätte allen mehr Sicherheit gegeben. Wir hatten Glück, für uns hat’s auch so gepasst.

Stefan: Wenn man diese Details noch besser hin bekommt, dann wird sich Euer Song für Köln noch weiter etablieren. Es ist ja kein Zufall, dass die Tickets ruckzuck ausverkauft waren. Die GAG sorgt mit diesem Wettbewerb dafür, dass auch mal andere Bands als die ewigen Etablierten zeigen wollen, was sie können.

Wie geht es denn jetzt für Euch weiter?

Martin: Die ersten Anfragen sind schon da. Aber alle aus dem Karneval.

Ralf: Wir feiern gern Karneval, aber auch Karnevalsveranstaltungen spielen ist nicht so unser Ding.

Stefan: Wir sind auf einer Karnevals-Hitliste gelandet. Da wundern wir und schon. Was hat unser Song mit Karneval zu tun?

„Das normale Leben außerhalb des Karnevals ist viel interessanter.“

Es geht um Köln, das reicht doch!

Stefan: Anscheinend. Eigentlich müssten wir unsere Kampagne jetzt weiterdrehen. Aber dann müssten wir im Karneval die ganze Session hindurch fast jeden Tag spielen. Wir haben Familien, Jobs und waren die zweitältesten Teilnehmer im Wettbewerb. Für so eine Aussicht alles umschmeißen? Nein! Das normale Leben außerhalb des Karnevals ist viel interessanter.

Was habt Ihr also stattdessen vor, statt Karneval?

Stefan: Wir wollen uns trauen, mehr eigene Songs ins Programm zu schmuggeln. Unsere Sachen passen gut in ein Set zwischen Coversongs von BAP und Wolf Maahn.

Martin: Wir haben auch schon Mr. Tottler und Chanterella im Proberaum gecovert!

Stefan: Das wollten wir auch beim Soundcheck in der Volksbühne machen. Aber dann hatten wir gar keinen. Den hätten wir schon gern gehabt.

Ralf: Hat ja trotzdem geklappt. Wir wollen den Schwung einfach nutzen, um schon Veranstaltungen aufzutun, zu denen wir passen und bei denen was los ist. Wir haben da schon ein paar Events in und um Köln im Auge. Anfang nächsten Jahres wollen wir ein paar neue eigene Songs einspielen. Außerdem ist für 2020 eine kleine Club-Tour geplant. Behaltet uns einfach im Blick!

Euer Song für Köln koelnbeste GAG

Interview: Sebastian Züger
Fotos: Thilo Schmülgen

Zur Website von Wat Ess!?

Einen Kommentar für “„… dann wollten wir’s auch gewinnen!“”

  1. Joerg Witzel sagt:

    War ein toller Abend.

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