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„Es war eine schöne Zeit im Waschhaus“

29.08.2018 | Menschen

Name:
Roswitha Düker

Geboren:
1950

In Köln seit:
immer schon

Beruf:
Ehemalige Waschhaus-Aufsicht

Lieblingsort:
Mein Schrebergarten

Früher war es eine Institution in vielen Siedlungen: das Waschhaus. Hier traf man sich, wusch und klönte. Roswitha Düker war über 30 Jahre lang für das Waschhaus in der Wolffsohnstraße zuständig.

Ich lebte schon in der Wolffsohnstraße, als ich 13 Jahre alt war. Vorher wohnten wir in einem Übergangshaus in Müngersdorf. Da musste man über einen Gang zu den Toiletten gehen, und oben auf den Kabinen standen die Badewannen, die man samstags in die Küche trug. Wir waren froh, als wir hier eine Wohnung bekamen.

Später habe im Waschhaus gearbeitet – 32 Jahre lang. Als ich im Wochenspiegel las, dass die GAG dort eine neue Kraft sucht, war mein Zweiter gerade in die Schule gekommen. Also bewarb ich mich. Und mit mir die halbe Wolffsohnstraße. Das Waschhaus kannten wir alle, und wir wussten, dass das eine angenehme Arbeit war.

Schließlich konnte man sich nicht entscheiden zwischen mir und einer anderen Bewerberin. Also machte man ein Angebot an uns beide: Statt eine für 30 Stunden in der Woche könnten beide für je 15 Stunden arbeiten. Und so haben wir es dann gemacht.

Im Waschhaus bekam man viel mit

Im Waschhaus wurde viel gelacht und gequatscht. Da bekam man viel mit. Manchmal mehr als einem lieb war. Irgendwann hatten wir auch raus, wer besser nicht zusammen in der Waschküche sein sollte.

Das Waschen lief so ab: Mitte des Monats erstellten wir den Waschplan. Es gab zwei Maschinen, die jeweils zehn Kilo fassten. Die liefen dann etwa eine Stunde. Danach hängten die Frauen ihre Wäsche auf – hinter dem Haus, in einer von acht abschließbaren Kabinen. Heute stehen dort die Fahrräder der Bewohner.

Einmal hat eine Frau mir ihre Wäsche hingestellt und gesagt: Bitteschön! Die dachte, ich würde für sie waschen! Das durfte sie aber schön selber machen. Wir waren nur die Aufsicht.

Während die Frauen auf ihre Wäsche warteten, haben sie viel erzählt. Wer fremd gegangen war, wer Streit hatte, wer seine Kinder geschlagen hat. Oft brachten sie Frühstück mit, Kaffee lief bei uns sowieso immer durch.

Mit der Hälfte der Leute war ich per Du

Es wurde aber nicht nur getratscht. Viele erzählten auch von sich oder ob ihre Kinder in der Schule zurecht kamen. Mit der Hälfte der Leute war ich per Du, ich war ja von hier. Wo möglich, habe ich zu helfen versucht, zum Beispiel mit einem Kind Mathe geübt. Rechnen kann ich. Ich hatte bei Kaiser’s Kaffee eine Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau gemacht und später, bevor die Kinder kamen, bei der Herstatt-Bank gearbeitet.

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Es war eine schöne Zeit im Waschhaus. Aber mit den Jahren wurde es immer weniger gebraucht. Die Leute hatte ihre eigenen Maschinen zuhause. Viele nutzten unsere großen dann nur noch, um vor Weihnachten Gardinen oder Kissen zu waschen.

Es hat sich ja so vieles verändert! Als ich in die Wolffsohnstraße zog, standen hier insgesamt vier Autos. Heute hat fast jede Familie zwei.

Irgendwann beschwerten sich einige neue Mieter, dass sie wegen des Waschhauses Fixkosten hatten, obwohl sie es nicht nutzten. Also wurde es schließlich geschlossen. Heute haben allenfalls noch Studenten keine Waschmaschine, und die gehen in den Waschsalon. Ein Waschhaus passt einfach nicht mehr in die Zeit.“

Fotos: Patrick Essex
Text: Johanna Tüntsch

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