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Veedelshonig von den Müngerbees

22.08.2018 | Leben

Honig selber machen? Das ist möglich! Mit eigenen Bienenhäusern in der Siedlung und dem Know-how der HonigConnection. Die Kölner Müngersbees machen es vor.

In der Mitte des Raumes steht ein großer Bottich. Vier erwachsene Menschen müssen ihn festhalten, weil er so heftig ruckelt. Was das wohl sein mag? Eine altertümliche Waschmaschine?

Nein: Es handelt sich um eine Honigschleuder. Im Inneren des rund einen Meter hohen Edelstahlzylinders stehen in einer Halterung senkrecht etwa zwanzig Holzrahmen mit Honigwaben. Die Rotation schleudert den dickflüssigen goldgelben Saft aus den Waben, der aus der Honigschleuder in einen Eimer tropft.

Iris Reichenbach und ihr sechsjähriger Sohn Kai schaben von weiteren Wabenrahmen vorsichtig die wächsernen Deckel ab und bereiten sie damit aufs Schleudern vor. Überall riecht es köstlich nach Honig. Die Atmosphäre knistert vor Spannung – gleich gibt es frischen Honig aus der eigenen Imkerei!

Wir sind zu Besuch bei den „Müngersbees“, einer Gruppe von Bienenfreunden rund um den Manstedter Weg. Seit März 2018 treffen sie sich einmal in der Woche, um unter der Anleitung von Imkerin Kerstin Kopp vier Bienenvölker zu versorgen, die hinter dem letzten Haus der Siedlung ihr Zuhause gefunden haben.

„Wir öffnen die Bienenstöcke und schauen, was zu tun ist“, erklärt Kopp. Muss gefüttert werden? Oder ist eine Varroa-Behandlung notwendig? Varroa ist der Name einer Milbe, die als gefährlichster Bienenschädling gilt und den Imkern hierzulande seit einigen Jahren schwer zu schaffen macht. Als Gegenmittel nutzen Imker unter anderem Ameisensäure.

Je nach Jahreszeit oder Witterung kann es nötig sein, die Bienen zu füttern – wenn sie beispielsweise nicht ausreichend Blüten finden, mit deren Nektar und Pollen sie sich und ihre Brut versorgen können. Dann gibt’s ersatzweise Zuckersirup.

Bienenpartner GAG

Die Müngersbees entstanden auf Anregung der HonigConnection, eine Initiative der Kölner Imkerinnen Stephanie Breil und Iris Pinkepank. Ihr Ziel ist es, durch Aufklärung und Information Menschen für den Schutz von Insekten, insbesondere der vielen Arten von Wildbienen zu gewinnen. Dafür haben sie sich verschiedene Angebote ausgedacht. Einer davon ist das Imkern in der Nachbarschaft, für das Pinkepank und Breil einen Partner suchten und in der GAG Immobilien AG gefunden haben. „Die GAG bietet einen Kontext, das passt“, sagt Pinkepank.

Wir wollen mit dem Projekt einen Beitrag gegen das Insektensterben leisten.
Patricia Hoepp

Patricia Hoepp, im Sozialmanagement der GAG zuständig für Natur- und Umweltbildung, sieht das genauso. „Wir wollen mit dem Imkerprojekt einen Beitrag gegen das Insektensterben leisten“, sagt sie.

Genau genommen sind vor allem Wildbienen und anderen Insekten bedroht, keine Zucht-Honigbienen. Die HonigConnection möchte einfach grundsätzlich für die Wichtigkeit von Bestäuberinsekten sensibilisieren.

Der Imker-Club am Manstedter Weg eröffnete mit einem Fest, zu dem die 500 Anwohner-Haushalte eingeladen waren. „Von Anfang an war die Zustimmung sehr groß“, berichtet Hoepp. Einer, der seit den ersten Treffen begeistert dabei ist, ist Anwohner Armin Dembowski. „Imkern hat mich immer schon interessiert. In meiner hessischen Heimat machten das nur die alten Herren. Wir Jüngere kamen da gar nicht dran“, erinnert er sich.

Am meisten Spaß macht das Honigschlecken!
Kai (6)

Das ist in Müngersdorf anders: Hier dürfen sogar Kinder die Imkerkleidung überziehen und mitmachen. „Wir untersuchen die Waben nach der Königin. Die ist länger als die anderen Bienen, aber genauso hoch“, erklärt Kai Reichbach (6) fachmännisch. Davon, dass ihm der große Imkerhut gelegentlich tief ins Sichtfeld rutscht, lässt sich der Schulanfänger nicht stören. „Am meisten Spaß macht das Honigschlecken!“

Kais Mutter Iris findet es toll, dass ihre Söhne hier die Möglichkeit haben, den Bienen so nahe zu kommen. „Ich bin sehr naturverbunden. Wenn man das hier sieht – wie könnte man davon nicht begeistert sein?“ Armin Dembowski macht das Imkern noch aus einem anderen Grund Freude: „Das Summen der Bienen hat etwas sehr Meditatives.“

Keine Biene ist wie die andere

Es gibt viele verschiedene Bienenarten. Beim Imkern geht es nicht nur um die Honiggewinnung, sondern auch um ein besseres Verständnis der unterschiedlichen Lebensweisen der fleißigen Insekten. Der Fokus liegt dabei auf den Honigbienen, die im Verbund eines Volkes im Bienenstock leben. Daneben geht es aber auch um die Wildbienen, die zwar keinen vom Menschen nutzbaren Honig produzieren, aber als Bestäuber wichtig sind. Dembrowski: „Ich habe hier gelernt, dass wir die Vielfalt der Pflanzen wirklich brauchen, denn nicht jedes Tier geht auf jede Pflanze.“

„Wenn man anfängt, sich damit zu beschäftigen, geht man anders durch die Welt“, sagt Iris Pinkepank. Man nehme Pflanzen anders wahr und nähere sich so den Wildbienen an, deren Lebensgrundlage durch Insektizide und Pestizide immer stärker schrumpft.

Hilfe für Wildbienen

Jeder, der sich für die Wildbienen einsetzen möchte, kann etwas tun, um ihnen Futter und einen Unterschlupf zu bieten. Zum Beispiel:

Kräuter und regionale Gewächse anpflanzen.
Bienen brauchen das ganze Jahr über Nahrung: Deswegen sind auch ganzjährig blühende Pflanzen wichtig, oder solche, die im Winter blühen – etwa der Krokus.
Im Garten auch mal altes Holz liegen lassen! Was für Menschen schön aufgeräumt erscheint, ist für Wildbienen ein lebensfeindlicher Ort.

Mehr Informationen gibt es auf der Website der HonigConnection. Außerdem kann man den Müngersbees auf Facebook folgen.

Fotos: Klaudius Dziuk
Text: Johanna Tüntsch

 

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