Das Thiebolds-Eck: „Hier ist das Kölsch zwei Grad kühler“

01.11.2018 | Kneipen | 6 Kommentare

In dieser Rubrik stellen wir einmal im Monat eine Kölner Kneipe vor. Mit dem „Thiebolds-Eck“ in der Innenstadt geht’s los. Prost!

 

Adresse:
Lungengasse 31, 50676 Köln
Tel.: 0221/29497631

Öffnungszeiten:
Montag bis Samstag 10:30 bis 23 Uhr

Kölsch:
Reissdorf vom Fass, 1,50 EUR

Besonderheit:
Immer gut besucht

Thiebolds-Eck Köln Kölnbeste GAG
Das „Thiebolds-Eck“ in der Kölner Innenstadt.

Agnes und Heribert Müller leben auf der Nordseeinsel Baltrum. Ein-, zweimal im Jahr besuchen sie ihre alte Heimat Köln, und dann, ja dann: „Reservieren wir uns immer einen Tisch im Thiebolds-Eck und sitzen mit unseren Freunden zusammen.“

So eine gut abgehangene Kölschkneipe gibt’s am Nordseestrand eben nicht, sowas gibt’s nur in Köln. Heribert, der uns von seiner Karriere als Amateurboxer in den 1950er und 60er Jahren erzählt, feiert hier seinen 85. Geburtstag. Zu den Gratulanten des Olympiateilnehmers von 1960 gehört die ehemalige Standesbeamtin Christine Hauser, die Agnes und Heribert 2012 verheiratet und seitdem mit dem Paar dicke befreundet ist. Zum engen Kreis zählt auch Hans Süper, kölsche Karnevals-Legende in Ruhestand.

Er ist einer von rund 100 Stammgästen im Thiebolds-Eck. Auf diese Schätzung jedenfalls kommt Wirtin Kata Kayzer, die die Kneipe seit 1999 gemeinsam mit ihrem Mann Stephan und einem fast ausschließlich weiblichen Küchen- und Thekenteam führt. „Mit unserem Personal haben wir immer Glück gehabt“, sagt sie.

Offensichtlich macht die gebürtige Kroatin, die seit 1968 in Köln heimisch ist, mit ihrer warmherzig-burschikosen Art eine Menge richtig. Selbst an diesem ganz und gar unspektakulären Montagmittag ist die Hütte gut gefüllt, die Außentische auf dem kleinen Platz vor der Kneipe sind voll besetzt. Die Gäste fühlen sich augenscheinlich sauwohl unter der Obhut Katas und ihrer aufmerksamen Service-Mädels.

 

Kata Kaayzer Wirtin Thiebolds-Eck Köln Kölnbeste GAG
Wirtin Kata Kayzer führt das Thiebolds-Eck seit 1999.

Für die heimelige Atmosphäre sorgen neben dem eindrucksvollen Deckenschmuck mit bunten Sonnenstrahlen und dem branchenüblichen Holzmobiliar vor allem die zahllosen Devotionalien, die vorwiegend den Ersten Fußballclub Köln feiern, Fotografien voll lachender Gesichter, die Gäste und Personal in familiärem Einklang zeigen, und eine respektable Sammlung an Karnevalsorden. Überhaupt: der Fastelovend. „Wenn ich die Lieder höre, geht mir das Herz auf“, sagt Kata. „Ich bin schon ein paar Mal im Rosenmontagzug mitgelaufen. Im Karneval fühl ich mich zuhause.“

„Was soll ich bloß ohne meine Leute?“

Kata, die als junge Frau eine kaufmännische Ausbildung absolviert hat, kann nicht ohne ihre Besucher: „Manchmal, wenn nach einem anstrengenden Tag alles weh tut, frag ich mich schon, wozu ich mir das alles antue. Aber dann kommt schnell der Gedanke: Was soll ich bloß ohne meine Leute?“

Eben darin dürfte das Erfolgsgeheimnis des Thiebolds-Eck liegen: Hier darf sich jeder willkommen fühlen. Dafür braucht es zusätzlich zu den üblichen Effzeh- und Fußball-Übertragungen sowie der Musikmischung von Schlager- bis Rockmusik mit hohem Kölsch-Anteil weder ein spezielles Kulturprogramm, noch außergewöhnliche kulinarische Angebote. Die Küche bietet kölsch-kroatische, durchweg handfeste Speisen in üppigen Portionen zu fairen Preisen (Rievkooche mit Apfelmus und Schwarzbrot 6,50 Euro, 500-Gramm-Kotelett mit Bratkartoffeln und Salat 12,50 Euro). Die außen knusprige, innen fluffige Frikadelle (2 Euro) erfüllt absolut ihren Zweck als Kölsches Tapas für Zwischendurch. Das Reissdorf-Kölsch strömt für 1,50 Euro (0,2 Liter) aus dem Fässchen, das zuvor im Keller auf Betriebstemperatur gekühlt und unter tätiger Mithilfe der männlichen Gäste über eine Bodenklappe auf die Theke gehievt wird.

 

Thiebolds-Eck Köln Kölnbeste GAG
Gottfried Böllsterling mit Maike Creuzberg (l.) und Lena Riske beim „Wies’n-Ausklang“.

Mit solch klassischen Kneipen-Ingredienzen erreicht Kata ein breites Publikum. Ein Großteil der Gäste an diesem Montagmittag dürfte das Rentenalter überschritten haben, aber ein paar jüngere Besucher finden sich doch im Getümmel. „Aus den Läden in der Zülpicher Straße gehste rückwärts wieder raus“, sagen Amber und Tiffany, beide 31 Jahre alt, die eigentlich Maike Creuzberg und Lena Riske heißen. Sie haben sich hier mit Kumpel Gottfried Böllsterling  zum Wies’n-Ausklang verabredet – das Trio Infernale war am Wochenende gemeinsam in München unterwegs. „Wir haben das Thiebolds-Eck vor vier Jahren im Karneval für uns entdeckt“, erzählt Maike. Warum kommen sie immer wieder? „Das ist wie eine Familie hier“, sagt Maike, und überrascht mit einer echten Insider-Info: „Das Kölsch hier ist 2 Grad kühler als anderswo.“

Fotos: Patrick Essex
Text: Sebastian Züger

6 Kommentare

  1. Karl-Heinz sagt:

    Das TEck ist wirklich ein echt Kölsches Erlebnis. Montags bin ich wenn ich frei habe gerne als Gast. Die Bewirtung durch Sabine und Gaby ist immer hervorragend. Bei immer schönen Frühschoppen werden hier und da ein paar alte Liedchen gesungen ( so schön schön war die Zeit)Ist der Hit.

  2. Hallo Karl-Heinz!

    Vielen Dank für den Tipp! Wir freuen uns natürlich sehr über Vorschläge.

    Ich hab mal gegoogelt, aber nichts unter dem Namen gefunden. Hast Du vielleicht einen Link für uns?

    Schöne Grüße, Sebastian von Kölnbeste

  3. Otmar Lorson sagt:

    Seit 2015 halte ich mich mit der Familie oder mit Freunden mindestens 1 mal im Jahr in Köln zu verschiedenen Event‘ s auf. Dann ist ein Besuch im Thiebold-Eck Pflicht. Am Samstag sind wir mit 5 Leuten wieder in Köln. Die Vorfreude ist groß und ich bin mir sicher, dass wir zum Feierabend die gemütliche Kneipe zufrieden verlassen werden. Allerdings nicht ohne den Hinweis, dass wir spätestens nächstes Jahr wiederkommen. Hier haben Saarländer in Köln eine Stammkneipe gefunden

  4. Hans-Gunter Weber sagt:

    Hallo liebe Thiebolder,
    es sind nun schon über 20 Jahre her, als ich mit
    meiner Bekannten, Lili Hartzheim, das Thieboldeck
    zum ersten Mal besuchte. Ich lernte dort eine wunderbare
    Stammtischclique mit Paul Gabert an der Spitze kennen.
    Ich verbrachte dort schöne Abende bei Reissdorf und gutem Essen. Paul wurde mein Freund und ich stand
    immer in telefonischer Verbindung mit ihm. Leider kann ich ihn nicht mehr erreichen und ich erfuhr heute von
    der Wirtin, dass er sich in einem betreuten Wohnen aufhält. Sollte es Euch möglich sein, Paul Gabert zu erreichen, so grüßt ihn doch bitte vielmals von seinem
    Freund Gunter. Ganz herzlichen Dank

    1. Hallo lieber Gunter,

      leider haben wir keinen Kontakt zu Paul, aber wir drücken mit die Daumen, dass es ihm gut geht.
      Herzliche Grüße,
      Sebastian vom Team koeln-beste.de

  5. Hauke sagt:

    wir kommen seit nunmehr 13 Jahren ins T-Eck. Immer zu Karneval. Immer zur selben Zeit. Unser Schal unseres Clubs hängt dort. Und dank Karmelita & Team ist es wie „nach Hause kommen“. Und jeder, der ausserhalb Karnevals dort urlaubt, guckt auf ein paar Kölsch vorbei.
    Familiärer geht es nicht !!!
    Kölle ohne T-Eck ist wie Sylt ohne Sand !
    LG von den Jungs aus Schleswig-Holstein /Itzehoe

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