„Ich möchte gerne was zurückgeben“

27.03.2019 | Menschen | Ein Kommentar

Name:
Taner Erdener

Geboren:
27.9.1979

In Köln seit:
immer schon

Beruf:
Sozialarbeiter im Quartier

Lieblingsort:
Fährableger in Köln-Langel

In Köln-Kalk bin ich geboren, doch als ich ein Jahr alt war, zogen meine Eltern mit mir weiter. Diesmal war der Weg nicht soweit wie der, den sie in den Siebziger Jahren aus der Türkei nach Deutschland zurückgelegt hatten, die Reise ging nur nach Chorweiler. Dort bin ich aufgewachsen. Und ich sag Euch was: Ich hab es richtig genossen!

Ich kenne Chorweiler wirklich in und auswendig – jede Straße, jeden Winkel und fast alle Bewohner. So kommt es mir zumindest vor, wenn ich dort über den Pariser Platz schlendere. Alle paar Meter treffe ich bekannte Gesichter, mit denen ich quatschen kann. „Taner abi –  Bruder Taner – heißt es dann. Das freut mich sehr, denn es zeigt mir, wie herzlich und respektvoll die Menschen in Chorweiler miteinander umgehen.

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Ich liebe Menschen

Ich liebe Menschen, und ich liebe es, ihnen zu helfen. Deshalb bin ich Sozialarbeiter geworden. Das ist mein Beruf und meine Berufung. Klar, in anderen Jobs kann man mehr Geld machen, aber für mich ist eine herzliche Umarmung oder ein ehrliches Dankeschön wertvoller als ein prall gefülltes Konto. Die Erfahrung habe ich schon nach meinem Abitur gemacht, als ich mich im Deutsch-Türkischen-Verein engagiert und Kindern Nachhilfe gegeben habe. Parallel zu meinem Studium war ich schon als Streetworker beim Internationalen Bund im Einsatz. Anschließend stieg ich dann als Streetworker bei den Jugendzentren Köln ein – kurz: JUGZ gGmbH.

Mit meinen damaligen Kollegen, Hassan Fakir und Roman Friedrich, bin ich auch noch immer in gutem Kontakt.

Seit 2015 arbeite ich bei der GAG Immobilien AG. Dort habe ich mich initiativ beworben, weil mich der Arbeitsbereich gereizt hat. Eine absolut richtige Entscheidung! Zuvor habe ich ausschließlich mit Kindern und jungen Erwachsenen gearbeitet. Jetzt als Sozialarbeiter im Quartier gibt es keine Altersbeschränkung. Insgesamt 5.000 Wohnungen im Kölner Norden gehören zu meinem Bereich, und alle Bewohner – von 2 bis 102 – können mich ansprechen, wenn sie Fragen haben oder Unterstützung brauchen.

Ich spreche gerne mit Älteren

Ich finde es so schön, mit alten Menschen zu sprechen, und helfe, wo ich kann. Die GAG bietet älteren Menschen eine Menge, zum Beispiel Yoga, Fitness, Chorsingen und vieles mehr.

Bei meinem allerersten Hausbesuch in einer unseren Seniorenwohnanlagen wollte ich nur kurz zu einer alten Dame. Meine Frau wartete 45 Minuten im Auto, weil ich total die Zeit vergessen habe. Blöd für meine Frau, aber sie hat mir verziehen. Es war so interessant, was die Dame zu erzählen hatte, die Kraft, die sie ausstrahlte und ihre Lebenserfahrung haben mich total beeindruckt.

Das brachte mich gemeinsam mit meiner Kollegin Monika Müller auf die Idee, das Projekt „Autobiografisches Schreiben“ ins Leben zu rufen. Die Pilotphase liegt hinter uns und wir hoffen, dass wir bald starten können und uns so dieser Erinnerungs- und Erfahrungsschatz der Kölner Senioren erhalten bleibt und an die jüngere Generation weitergegeben werden kann.

Köln ist meine Heimat

Köln ist meine Heimat. Das merke ich besonders dann, wenn ich mit meiner Familie mal zwei Wochen in den Ferien bin. Schon nach ein paar Tagen merke ich: Jetzt reicht’s, war schön, aber ich will wieder noh Hus!

Köln ist und bleibt die schönste Stadt für mich. Das liegt besonders an den Menschen, die sind hier einfach herzlich, hilfsbereit und liebenswert. Auch die vielen Migranten und deren Familien, die im Norden Kölns leben, haben diese kölschen Eigenschaften. Das fällt mir immer wieder auf.

Zum Beispiel hatte ich 2015 einen heftigen Schicksalsschlag: Unsere Wohnung in Chorweiler ist durch einen Kurzschluss ausgebrannt. Komplett. Ich konnte mir gerade noch die Kinder schnappen, meine Frau war zum Glück nicht da. So gab es glücklicherweise nur Sachschaden. Wie da meine Nachbarn und die Leute aus meinem Arbeitsumfeld, also meine Jungs von der Straße, reagiert haben, werde ich nie vergessen. So viele haben selbstverständlich mit angepackt, den Schutt rausgeräumt und uns mit dem Nötigsten versorgt. Sowas schweißt zusammen. Das Erlebnis hat mir noch mal gezeigt, wie nah ich zu den Menschen dort stehe. Inzwischen lebe ich mit meiner Frau und Kindern in Köln-Esch, aber die Verbindung zu Chorweiler ist natürlich immer noch sehr eng und wird es immer sein. Ich möchte daran mitarbeiten, dass auch andere die Qualitäten und Potentiale dieses Stadtteils erkennen und Vorurteile überwinden.

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Ich habe mit vielen tollen Menschen zu tun

Jeden Tag habe ich mit vielen tollen Menschen zu tun. Auch mit meinen Kollegen macht das Arbeiten großen Spaß. Wir treffen uns sogar privat sehr häufig. Im GAG-Kundencenter habe ich Joel Wenking kennengelernt und bin sehr froh ihn als Kollegen zu haben. Leider ist er vor einiger Zeit nach Kalk gewechselt. Deshalb bin ich etwas sauer auf ihn, aber nein: Ich verstehe es natürlich! Wir sehen uns trotzdem sehr oft und er ist zu einem guten Freund und Sparringspartner geworden.

Boxen ist Gewaltprävention

Wir begeistern uns beide sehr für das Boxen. Ich mache das schon von Jugend an und trainiere seit Jahren Kinder- und Jugendliche. Boxen ist ein sehr effektives Training, hält fit, stärkt das Selbstbewusstsein und ist gleichzeitig Gewaltprävention und Strategieentwicklung. Man kann es auch als Übung für Konfliktmanagement und Selbstreflektion sehen. Ich möchte die Kinder darin bestärken, ihre eigene Identität zu finden und sie dafür fit zu machen, aus ihrem Leben das Beste zu machen! So wie ich das erfahren habe. Davon möchte ich gern was zurückgeben.

 

Fotos: Costa Belibasakis
Text: Jana Mareen Züger

Einen Kommentar für “„Ich möchte gerne was zurückgeben“”

  1. Vera van Beveren sagt:

    Hallo Taner, ja so bist Du! Immer hilfsbereit und voller Initiativen, die sich lohnen umgesetzt zu werden.
    Ich wünsche Dir und Deinen Kollegen weiterhin viel Erfolg!

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