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Street Art: Ein Dschungel für Niehl

30.08.2019 | Leben

Sprayen für das Veedel: „Da sind wir am Start!“

Das Jugendzentrum Fzwei kreiert einen neuen Instagram Hotspot für Köln-Niehl! Wochenlang sprayen die Jugendlichen mit dem Künstler Matthias Furch und erschaffen einen urbanen Dschungel an der Fassade des Jugendzentrums, der interaktive Elemente erhält.

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„Wir dürfen mitmachen, das ist das Beste daran. Schließlich ist das für uns gedacht. Wir sehen das ja jeden Tag“, erklärt Florina, während sie an der Fassade des Jugendzentrums Fzwei entlang schlendert. Zwischen Hochhäusern in Köln-Niehl steht das kleine Gebäude. Noch ist es weiß, ganz frisch gestrichen. Doch in den nächsten Wochen geht es bunt her:  Es entsteht ein Dschungel aus der Sprühdose, und jeder darf helfen. Das trifft auf Zustimmung im Veedel, ist Florina überzeugt: „Meine Geschwister und die Anderen, die sind auch stolz. Da sind die am Start.“

Das Konzept für den Street Art-Dschungel stammt von dem freischaffenden Künstler Matthias Furch, aber auch die Jugendlichen brachten Ideen ein. „Wir waren sehr glücklich, dass auch die Flügel dazu kamen“, berichtet Florina stolz, als sie vor einem kleinen Betonsockel stehen bleibt. Genau hier kommen Schmetterlingsflügel an die Wand, so dass sich die Jugendlichen später einfach auf den Betonsockel für ein Foto stellen können. Auf den Bildern sieht es dann so aus, als ob die Jugendlichen Flügel hätten.

 

Noch ist alles weiß. Doch bald arbeiten die Jugendlichen an den Schmetterlingsflügeln über dem Betonsockel.
Noch ist alles weiß. Doch bald arbeiten die Jugendlichen an den Schmetterlingsflügeln über dem Betonsockel.

Cool und bunt soll es werden, deshalb braucht der urbane Dschungel noch weitere Tiere: „Wir haben einen Löwen, einen Affen, eine Eule und noch verschiedene andere Motive. Die werden wir alle zusammen umsetzen, und zwar auch in einem etwas abstrakteren Stil“, erklärt Matthias. Als er erfuhr, dass die GAG Immobilien AG für ihr gemeinsames Projekt mit dem Jugendzentrum Fzwei einen Künstler sucht, bewarb er sich und schlug aus Naturverbundenheit gleich den „Urban Jungle“ vor.

 

Künstler Matthias Furch gestaltet öfter große Flächen im Street-Art-Stil zusammen mit Jugendlichen. Seine Leidenschaft für die Kunst mit der Sprühdose entdeckte er in der Garage seines Vaters: "Mein Vater ist Fahrzeuglackierer, da hatten wir immer Dosen in der Garage stehen, und ich habe dann einfach die Garage vollgesprayt."
Künstler Matthias Furch gestaltet öfter große Flächen im Street Art-Stil zusammen mit Jugendlichen. Seine Leidenschaft für die Kunst mit der Sprühdose entdeckte er in der Garage seines Vaters: „Mein Vater ist Fahrzeuglackierer, da hatten wir immer Dosen in der Garage stehen, und ich habe dann einfach die Garage vollgesprayt.“

Tipps zum Sprayen vom Künstler Matthias

Doch von der Idee bis zur Umsetzung wird es ein paar Wochen dauern. Ganze 282 Quadratmeter müssen die Jugendlichen besprühen, obwohl noch keiner die Sprühtechnik kennt. Für den Anfang gibt Matthias daher erstmal eine Street Art-Einführung. Er steht vor einem Tisch. Darauf befinden sich seine Vorlage für das Motiv samt Farbgestaltung, etliche Overalls und Schutzmasken. Direkt darunter stehen noch verschiedene Farbdosen und Aufsätze.

Vor ihm versammeln sich die Jugendlichen, und hinter ihm prangt bereits das Löwenmotiv an der Fassade, das der Künstler schon einmal vorgesprayt hat: „Man kann sich das wie ein Ausmalheft vorstellen, wo man lernt, innerhalb von Feldern die weiße Fläche zu füllen. Später legt man da noch Schablonen an, mit denen wir die Flächen noch besser ausgestalten können. Dann bekommt das gesamte Motiv verschiedene Ebenen und eine Tiefe.“ Doch bevor es überhaupt ans Sprayen geht, kommt hier erstmal die Anleitung für die Kunst aus der Sprühdose.

Expertentipps von Künstler Matthias:

  1. Schutzkleidung anziehen. Vor allem die Atemschutzmaske ist wichtig!
  2. Richtige Farbdose auswählen. Nebeneinanderliegende Flächen niemals mit der gleichen Farbe aussprühen. Die Übergänge und Konturen sind sonst nicht mehr zu erkennen. Daher gilt: Immer an das vorab festgelegte Farbschema halten.
  3. Richtigen Sprühdosenaufsatz auswählen. Flächen füllt man am besten mit einem Mittelstrahl aus. Aufsätze mit Mittelstrahl erkennt man am blauen Punkt.
  4. Sprühbereich zuerst mit neuer Farbe umranden. Die Fläche zunächst noch einmal von innen mit der Farbe umranden – so gelingen gute Konturen.
  5. Gleichmäßige Linie ziehen. Zunächst von links nach rechts Linien ziehen. Nicht zu feste drücken und einen kleinen Abstand zur Wand einhalten. Wer an der Umrandung ankommt, hebt den Finger kurz vom Sprühaufsatz ab. So vermeidet man triefende Farbnasen. Jetzt von rechts nach links sprühen und immer so weiter.

Action pur: Jetzt sind die Jugendlichen dran!

Nach der Einführung legt Florina voller Tatendrang los. „Die Dose anzufassen und rum zu sprühen ist schon Action pur“, findet sie. Eigentlich ist ihre Lieblingsfarbe blau, doch sie hält sich strikt an das Farbschema für das Löwenmotiv und greift zu Dosen in Orangetönen.

 

Florina ist fast täglich im Jugendtreff Fzwei. Dort gibt es extra ein Mädchenzimmer, einen sogenannten „Chillraum“. Zusammen mit den anderen Jugendlichen spielt sie Karten oder backt. Die Aktivitäten inspirieren sie, deshalb war sie auch beim Street Art-Projekt sofort dabei.
Florina ist fast täglich im Jugendtreff Fzwei. Dort gibt es extra ein Mädchenzimmer, einen sogenannten „Chillraum“. Zusammen mit den anderen Jugendlichen spielt sie Karten oder backt. Die Aktivitäten inspirieren sie, deshalb war sie auch beim Street Art-Projekt sofort dabei.

Auf den Overall verzichtet Florina, aber ohne Atemschutzmaske geht hier nichts: In der Nähe der Fassade riecht es überall nach Farbe. Trotzdem trauen sich immer mehr Jugendliche an die Wand. David sucht sich eine Dose mit roter Farbe. „Nach der Linie zu sprayen, das wird schwierig. Ich bin gespannt, wie das am Ende aussieht“, sagt der 17-Jährige, bevor er loslegt. „Das ist quasi wie ein Mandala auszumalen. Aber es ist anders mit den Dosen. Ein sehr gutes Gefühl. Man hat etwas Neues dazu gelernt!“, findet Florina.

 

David interessiert sich nicht nur für Street Art, sondern auch für Musik. Im Jugendzentrum Fzwei rappt er regelmäßig im kleinen Tonstudio.
David interessiert sich nicht nur für Street Art, sondern auch für Musik. Im Jugendzentrum Fzwei rappt er regelmäßig im kleinen Tonstudio.

Fzwei: alte und neue Anlaufstelle in Niehl

Mitmachen und etwas Neues lernen. Genau darum geht es hier, meint Daniel Heimbach, einer der Leiter des Jugendzentrums: „Nach unseren Erfahrungen identifizieren sich die Jugendlichen mit einem Ort wie unserem, wenn sie aktiv mitmachen können.“

Und der GAG-Sozialarbeiter Taner Erdener sieht auch positive Effekte für ganz Niehl. „Mit solchen Projekten beeinflussen wir das soziale Klima. Es kommt nicht irgendeine Firma, die die Fassade streicht. Nein, die Bewohner und Besucher machen das! Der positive Nebeneffekt ist, dass es keine Schäden durch Vandalismus geben wird. Das ist zumindest die Erfahrung aus vielen anderen Projekten dieser Art“, erklärt Taner, der dieses Projekt für die GAG betreut und überhaupt erst angestoßen hat.

 

Der Anfang ist gemacht: Das Löwenmotiv nimmt langsam Gestalt an. Bei Fragen hat Künstler Matthias immer ein offenes Ohr. Die nächsten Wochen werden anstrengend – für ihn und die Jugendlichen.
Der Anfang ist gemacht: Das Löwenmotiv nimmt langsam Gestalt an. Bei Fragen hat Künstler Matthias immer ein offenes Ohr. Die nächsten Wochen werden anstrengend – für ihn und die Jugendlichen.

Jetzt müssen die Jugendlichen am Ball bleiben, üben und mit der Zeit werden sie immer besser“, sagt Matthias erschöpft, aber glücklich. Und Florina stimmt ihm zu: „Was man jetzt sieht, das war ja nur der Anfang!

Fortsetzung folgt …

Wer bis dahin nicht warten kann: Matthias Furch postet seine Werke auch auf Instagram.

 

Text: Claudia Cosmo

Fotos: Costa Belibasakis

 

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