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„Schule – so spannend wie ein Bond-Film“

25.07.2018 | Menschen

Name:
Christiane Hartmann

Geboren:
1968

In Köln seit:
1990

Beruf:
Grundschul-Rektorin

Lieblingsort:
Poller Wiesen

B 007 – wie Bond, James Bond. Das ist meine Raum-Nummer in der James-Krüss-Grundschule in Köln-Ostheim. Hier finden Sie mich von montags bis freitags, außer donnerstags, da bin ich außer Haus und gebe Fortbildungen, um das Konzept der Bezirksregierung zum Thema „Deutschlernen in mehrsprachigen Klassen“ weiterzugeben.

Kaum jemand möchte mehr die Schulleitung übernehmen, aber ich kann es wirklich nur empfehlen. Das frühe Aufstehen morgens fällt mir zwar auch nach all den Jahren noch schwer, aber sobald ich durch dieses Schultor laufe, bin ich in meinem Element.

Ich bin nun schon mein halbes Leben in Köln und seit 2004 Rektorin an dieser Grundschule. Aufgewachsen bin ich in Solingen. Zum Grundstudium habe ich einen Ausflug nach Berlin gemacht, aber ich wollte zurück nach Nordrhein-Westfalen. Berlin war eindrucksvoll und bereichernd, aber mir ist es inzwischen zu hektisch. Ich wollte nach Köln. Der Menschenschlag, die Offenheit und Toleranz kommen meiner Lebenseinstellung sehr nahe. Diese Stadt definiert sich selbst als offen und tolerant. Ständig wird das bei jeder Gelegenheit wiederholt. Und wenn man etwas oft genug wiederholt, dann stimmt es irgendwann auch. Die Kölschen Redewendungen „Mäht nix“ und „Jeder Jeck is anders“ tatsächlich häufig ein Stück Realität.

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Mir gefällt besonders der Song „Stammbaum“ von den Bläck Fööss, eine wahre Hymne der Vielfalt. „Su simmer all he hinjekumme…“.

Das Lied erzählt davon, dass jeder Mensch etwas Besonderes ist und der Gesellschaft etwas Einzigartiges geben kann. Das bedeutet für meine Arbeit, dass ich jedes Kind ganz persönlich für sich betrachten muss – ganz egal, welchen Hintergrund es mitbringt. Wie ein Mensch wirklich ist, darüber sagt zum Beispiel die Nationalität überhaupt nichts aus. Nur, wenn ich das beherzige, kann ich eine gute Lehrerin sein und in der Erziehung der Kinder und bei der Beratung der Eltern-Entwicklung bewirken.

Das Lied und der Kölner Grundsatz passen also auch wunderbar zu meinem Beruf. Für mich fühlt es sich dadurch so an, als stünde die ganze Stadt hinter mir und meiner Arbeit.

„Herausfordernd – ist zurückhaltend formuliert“

Unsere Schule liegt in einem Stadtteil, der von Zuwanderung und Armut geprägt ist. Natürlich ist die Arbeit als Rektorin sehr herausfordernd – und das ist zurückhaltend formuliert – aber auch sehr befriedigend, abwechslungsreich und immer wieder spannend.  Mein Team aus über 20 Lehrerinnen und Lehrern kümmert sich um circa 270 Kinder. Auf dem Schulhof wimmelt es von unterschiedlichen Lebensgeschichten und Sprachen: Abchasisch, Armenisch, Französisch, Kurdisch. Deutsch ist die Hauptsprache, aber wir fördern die Mehrsprachigkeit und machen den Kindern deutlich, was für einen großen Schatz sie da in sich tragen. Wenn die Muttersprache gut gelernt ist, kann man darauf aufbauen kann und jede weitere Sprache ist viel einfacher zu erlernen.

„Musik ist interkulturell“

Das Alleinstellungsmerkmal unserer Schule ist die Musik. Mit vielen verschiedenen Projekten und Initiativen unterstützen wir die Kinder darin, ihre Musikalität auszubilden. Nicht nur einzeln am Musikinstrument, auch die musikalische Ausdruckfähigkeit im Allgemeinen soll geformt werden. Wir haben Chorprojekte, wir bilden an Instrumenten aus und auch Tanz gehört dazu. Alle Aspekte des kreativen „Selbertuns“ sind wichtig.

Mit drei weiteren Kölner Grundschulen nehmen wir an einem kulturellen Bildungsprogramm teil: „JeKits – Jedem Kind  Instrumente, Tanzen, Singen“. Die Gruppen üben für sich und führen später ein gemeinsames Musical auf. Das kostet alles viel Zeit und Mühe – deshalb ist es so wichtig, dass wir mit viel Freude bei der Sache sind.

Die Aufführungen rühren mich immer wieder. Ein kleines, ehemals schüchternes Kind präsentiert mit Freude, Stolz und Selbstbewusstsein sein Können auf der Bühne. Das sind Momente, in denen ich weiß, wofür ich morgens aufstehe.

Ein weiteres Highlight und Belohnung für unsere Arbeit ist, wenn Eltern die Geschwisterkinder bei uns anmelden, weil sie erfahren haben, dass wir uns um jedes Kind intensiv bemühen. „Sie haben das große Geschwisterkind so gut hinbekommen, sie schaffen das auch mit Bruder oder Schwester.“ So etwas von Eltern zu hören, ist unser größtes Lob.

Natürlich gibt es auch Unangenehmes im Schulalltag, aber die positiven Aspekte überwiegen, und das treibt mich an. Wir versuchen den Kindern so viel Kultur wie möglich nahezubringen.

Wir haben eine Kooperation mit der Kölner Philharmonie und Kinderoper. Gerade versucht eine Kollegin die „Goldene Karte“ von der Comedia Köln für unsere Kinder zu organisieren. Also, wenn uns jemand dabei unterstützen möchte, können Sie sich gerne bei mir melden. Sie wissen ja, wo Sie mich finden können: B 007!

 

Fotos: Patrick Essex
Text: Jana Mareen Züger

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