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„Besser als Panini-Sammelbildchen!“

12.12.2016 | Menschen

Name:
Rüdiger Schünemann-Steffen

Geboren:
1956 in Köln

In Köln seit:
immer schon

Beruf:
Freiberuflicher Autor

Lieblingsort:
Kölner Archive und Veedels-Friedhöfe

Meiner Volksschullehrerin habe ich viel zu verdanken. Else Schrimpf hieß sie. Mit ihrem lebendigen Unterricht hat sie mein Interesse für Kultur und Geschichte geweckt, vor allem für die Kölner. Ich hab immer viel gelesen. Wegen dieser Verbindung zu Büchern bin ich Schriftsetzer bei der Kölnischen Verlagsdruckerei geworden. Gelernt habe ich noch mit Bleilettern. Das war ein Handwerk im wahrsten Sinne des Wortes.

Ich bin oft umgezogen in meinem Leben, aber immer in Köln. Bei Adressen wie Herbigstraße oder Fritz-Voigt-Straße habe ich mich gefragt, warum die so heißen. Mehrmals war ich auch als Wahlhelfer in der ganzen Stadt aktiv, was zu der gleichen Frage führte. Da entstand erstmals die Idee, ein Buch zu schreiben. Ich wollte mehr wissen über die Kölner Straßennamen. Anfang der 1990er Jahre habe ich angefangen, bei der Stadtverwaltung zu forschen. Rund neun Monate lang habe ich dort beinahe jeden Tag verbracht und etwa 5.000 Karteikärtchen handschriftlich mit Informationen gefüllt. Da hatte ich schon mal das Grundgerüst mit den Straßennamen, ihrer Lage und sonstigen Daten, beispielsweise die Länge, zusammen.

Fotos sind ganz wichtig!

Danach ging es an die Hintergründe des Namens. Das ist beim Tulpenweg oder der Bismarckstraße nicht allzu schwierig. Da gibt es genügend Material in jedem Lexikon. Aber bei Kölner Persönlichkeiten oder Menschen, die nur im Stadtteil eine Bedeutung hatten, war es schon schwieriger. Ich war im Historischen Archiv, habe Verbände, Institutionen oder Kirchengemeinden angeschrieben und bin auf Familienangehörige und Nachfahren der betreffenden Menschen zugegangen. Fotos zum Beispiel sind ganz wichtig. Von Otto Kayser etwa suche ich seit gut 25 Jahren ein Foto. Er war im 19. Jahrhundert Planer der rechtsrheinischen Vorortbahnen. Nach ihm wurde eine Straße in Dellbrück benannt.

Erst vor kurzem hat mir eine Universität in den USA ein Foto von Hervey Cotton Merrill geschickt, einem amerikanischen Zahnarzt, der Ende des 19. Jahrhunderts nach Köln kam und später den Stadtteil Hahnwald gründete, wo er im Merrillweg verewigt ist. Für mich ist das besser als Panini-Sammelbildchen von Fußballern.

 

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Die ganze Forschung hat alles in allem ein paar Jahre gedauert. Bei drei Kindern und mittlerweile drei Enkelkindern gab und gibt es natürlich noch andere wichtige Dinge im Leben. Ich koche auch sehr gerne, immer frisch, und ich backe mir regelmäßig mein eigenes Brot.

Im März 2000 war es dann soweit: Mein erstes „Kölner Straßennamen-Lexikon“ war fertig. Eine Pressekonferenz dazu fand im Hinterzimmer einer Kneipe statt, und in einer Zeitung wurde das Buch ganz schön zerrissen. Einen Tag, nachdem der Artikel erschienen war, rannten mir die Leute die Bude ein und wollten das Lexikon haben. Vor kurzem wurde die dritte Auflage veröffentlicht. Es kommen ständig neue Straßen dazu, und so ein Lexikon soll ja aktuell bleiben.

Klar bin ich gerne in Archiven und tauche dort in die Vergangenheit ein. Aber zu meinen Lieblingsorten in Köln gehören auch die kleinen Veedels-Friedhöfe. Von den alten Grabsteinen lässt sich eine Menge erfahren. Aber vor allem gefällt mir die besondere Atmosphäre. Köln ist voller Geschichten. Wenn man aufmerksam durch die Stadt läuft, bemerkt man sie auch.

Zur Facebook-Seite des Straßennamen-Lexikons

Fotos Klaudius Dziuk
Text Jörg Fleischer

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