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Sachspenden für Kölner Obdachlose

11.04.2018 | Helfen

Du möchtest den Obdachlosen in unserer Stadt unter die Arme greifen? Es gibt viele Möglichkeiten, den Menschen auf der Straße zu helfen. Du könntest beispielsweise Hygieneartikel und Kleidung spenden – oder als freiwilliger Helfer im Namen der Privatinitiative Straßenwächter Essen verteilen.

Jeden Abend streifen die freiwilligen Helfer der Privatinitiative Straßenwächter durch die Kölner Innenstadt, um Essen an Obdachlose zu verteilen. Die Bollerwagen, die sie dabei hinter sich herziehen, sind mit dem gefüllt, was in den lokalen Restaurants nach Ladenschluss übrigbleibt. „Eine gute Sache“, findet der 75-jährige Hans, der sich schon länger auf der Straße durchschlägt. „Das hilft uns Obdachlosen sehr.“ Dass sich andere Menschen so um ihn bemühen, ist er sonst nicht gewohnt. Seine Ration von Straßenwächter verzehrt er auf einer Bank in der Nähe des Rudolfplatzes, mitten an einer belebten Straße. Heute gibt es Backwaren, die eine Bäckerei in der Nähe gespendet hat. Während er ein bisschen aus dem Nähkästchen plaudert, fahren in der beginnenden Dunkelheit die Autos vorbei. Die Lichter der Stadt erleuchten die Szenerie. Es ist für Ende März immer noch etwas kalt, deswegen trägt Hans auch einen dicken, gestreiften Strickschal um den Hals. Sein Kumpel Sascha sitzt zwei Meter weiter in seinem Rollstuhl. Der 46-Jährige ist nicht mehr obdachlos, er hat inzwischen eine Bleibe gefunden. „Ich hatte etwas mehr Glück als andere, obwohl sie sich auch sehr bemühen“, erzählt er. Durch sein Handicap bekam er über seinen Betreuer eine behindertengerechte Wohnung zugewiesen. Seine Freunde von der Straße besucht Sascha dennoch regelmäßig, schließlich sind sie auch in den schweren Zeiten mit ihm durch dick und dünn gegangen. Das will er ihnen jetzt zurückgeben, wenn auch nur durch seine Gesellschaft. Über Straßenwächter sagt Sascha: „Wir bekommen ja nicht nur regelmäßig etwas zu essen, sondern manchmal auch Kleidungsstücke, Decken und Hygieneartikel.“

„Es ist die Dankbarkeit der Menschen, denen wir Freude bereiten.“

Dass es dieses tolle Projekt überhaupt gibt, verdanken die Kölner Obdachlosen Dennis Bucek. Der 33-Jährige engagiert sich seit dem Jahr 2006 für bedürftige Menschen, die auf der Straße leben. Damals fiel ihm vor der Diskothek, in der er arbeitete, immer wieder ein Obdachloser auf. Irgendwann kam Dennis mit dem Mann ins Gespräch und fragte ihn, woher er eigentlich etwas zu essen bekäme. Der Mann nannte ihm drei Möglichkeiten: stehlen, betteln oder etwas geschenkt bekommen. Letzteres passierte jedoch ausgesprochen selten. Das gab Dennis zu denken, schließlich werden in der Gastronomie täglich so viele Lebensmittel weggeworfen. Die Lösung lag also auf der Hand – und so entstand aus einem simplen Gedanken ein Kollektiv, an dem sich mit der Zeit immer mehr Menschen beteiligt haben. Menschen wie beispielsweise der Modedesigner Hon-Thai Shiau, der im Belgischen Viertel eine Luxusboutique betreibt, oder Daniel-Jakob Muth, der selbst obdachlos ist. Was Dennis und seine Helfer motiviert? „Es ist die Dankbarkeit der Menschen, denen wir Freude bereiten“, sagt Dennis. „Zu sehen, dass so jemand wenigstens einen Moment lang glücklich ist, macht auch mich glücklich.“

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Auf seiner Tour durch die Kölner Innenstadt begrüßen die meisten seiner Schützlinge Dennis mit Namen. Viele geben ihm die Hand und bedanken sich ausgiebig, während sie ihre Essensportion entgegennehmen. Andere wiederum wirken verlegen; ihnen ist es peinlich, von Fremden Hilfe annehmen zu müssen. Dennis selbst geht inzwischen nicht mehr jeden Tag auf die Straße, das machen in der Regel seine freiwilligen Helfer. „Ich habe das zehn Jahre lang alleine gemacht“, so Dennis. „Das ist lange genug.“ Insgesamt gibt es etwa 170 Freiwillige, die seine Arbeit fortführen, rund 40 davon sind regelmäßig aktiv. „Leute zum Essen verteilen werden bei uns aber immer gebraucht“, erzählt Dennis weiter. Um Freiwillige zu gewinnen hat er die Facebook-Community „Info Gruppe Straßenwächter“ ins Leben gerufen. Wer mitmachen will, kann ganz unbürokratisch der Gruppe beitreten oder ihm eine Nachricht über die sozialen Netzwerke schreiben. Nahrungsmittel gebe es jetzt übrigens genug, so Dennis weiter. Denn bei der Privatinitiative bewerben sich jährlich rund 8.000 Kleinunternehmen wie Bäckereien oder Kioske aus ganz Deutschland, aber auch Privatpersonen, die ihr übrig gebliebenes Essen für die Obdachlosenhilfe bereitstellen wollen. Den meisten davon muss er leider absagen, weil es aufgrund der großen Entfernung für ihn und seine Helfer logistisch oft gar nicht möglich ist, die Lebensmittel vor Ort abzuholen. Ende letzten Jahres wurde die Initiative außerdem mit 200 Weihnachtspaketen aus allen Teilen Deutschlands überhäuft. „Erst da wurde uns so richtig bewusst, was für eine große Reichweite wir überhaupt haben“, resümiert Dennis.

„Jetzt müssen wir uns aber beeilen“, sagt Dennis auf einmal und wird ein wenig unruhig. „Am Donnerstag haben wir ein straffes Programm.“ Er und seine Helfer wollen pünktlich um 21 Uhr am „Meet & Eat“-Markt auf dem Rudolfplatz sein. „Hier greifen wir nach Feierabend an den Ständen alles ab, was nicht niet- und nagelfest ist.“ Einer dieser Stände gehört Bettina Henneke. Die 51-Jährige unterstützt die Initiative mit ihrem amerikanisch anmutenden Pulled-Pork-Trailer bereits seit langem. „Es wird immer so viel Essen weggeworfen. Das kann man lieber denjenigen geben, die es tatsächlich brauchen“, sagt sie. Gebrauchen können die Kölner Obdachlosen allerdings noch so viel mehr als eine warme Mahlzeit.

So kannst Du helfen!

Derzeit sucht Straßenwächter händeringend nach Hygieneartikeln wie Duschgel, Shampoo, Zahnpasta, Zahnbürsten, Einwegrasierern und Rasierseife. Außerdem werden Rucksäcke, Zelte, Isomatten, Schlafsäcke, Camping-Gaskocher und -besteck, Kartuschen und Metallteller benötigt. Jetzt, wo die Temperaturen wieder langsam steigen, fehlt es außerdem an leichterer Herrenbekleidung. Aber auch Helfer zum Essen verteilen werden immer gesucht.

Wer von alledem etwas übrig hat und helfen will, kann seine Sachspende an die Privatinitiative Straßenwächter schicken. Wichtig: Flüssiges bitte unbedingt zukleben, bevor es versendet wird.
Weitere Infos zu Hilfsmöglichkeiten sind auf der Straßenwächter-Facebook-Seite zu finden.

Adresse Privatinitiative Straßenwächter, Hauptstraße 86 a, 51143 Köln 
Kontakt
0221/ 25994671

 

Fotos Thilo Schmülgen
Text Katja Ollech

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