„Triffst Du einen Kölner im Aufzug …“

25.10.2017 | Menschen

Name:
Rudolf Seibt

Geboren:
1952 Fankel/Bruttig (an der Mosel)

In Köln seit:
1958

Beruf:
Rentner

Lieblingsort:
Mein Schrebergarten in Longerich

Es war Oktober, genau wie jetzt, als ich 1958 mit meiner Familie von der Mosel nach Köln zog. Ich kann mich noch gut daran erinnern. Besonders einladend war es am Ortsrand von Nippes nicht: alles kahl und viele Baustellen. Doch als Sechsjähriger hatte ich meinen Spaß an den riesigen Erdhügeln. Durch den Bau des Parkgürtels entstand für uns ein Kletterparadies. Sonst war nicht viel los in unserem Veedel. Ich durfte nicht mehr so einfach vor die Tür, wie ich es von der Mosel gewohnt war. Es gab nicht einmal einen Laden in der Nähe. Um einzukaufen musste ich immer bis nach Nippes-Zentrum laufen.

Mit dem Auto war ich seit 20 Jahren nicht mehr in der Stadt

Heute wohne ich direkt an der Veedelsmeile: der Neusser Straße. Hier hab ich direkt vor der Tür alles, was ich brauche – von der Drogerie bis zum täglichen Markt. Die KVB hält direkt vor der Tür. Das mag ich besonders an Köln, dass man schnell mit der Bahn im Grünen ist oder die Stadt erkunden kann. Als ich noch mein Jobticket hatte, haben meine Frau und ich das viel genutzt. Das ist umweltfreundlich, schnell und stressfrei, mit dem Auto war ich bestimmt seit 20 Jahren nicht mehr in der Stadt. Das benutze ich fast nur, wenn ich mit meiner 92-Jährigen Mutter in unseren Schrebergarten nach Longerich fahre.

Seit wir in Köln sind, ist unser Schrebergarten für unsere Familie der schönste Platz in Köln. 480 Quadratmeter, auf denen wir alles Mögliche anbauen. Mein Bruder, ich und unsere Kinder sind hier groß geworden.

Seit 1966 hatte mein Vater dort auch Bienen. Als er mal nicht da war, sollte ich aufpassen für den Fall, dass sich ein neuer Schwarm davonmacht. Als mein Vater weg war, hat sich prompt eine Bienenkönigin mit ihrem Schwarm an einer Eisenbahnschwelle angenistet. Mir war mit meinen 16 Jahren schon etwas mulmig zumute und ich sagte dem Nachbarn Bescheid, der auch Imker war. Ich machte mich startklar, um den Schwarm einzufangen: volle Imkermontur mit Schleier, Anzug, Handschuhen. Aber ich brauchte gar nichts zu tun. Mein Nachbar erschien lässig in Badehose, Latschen und Taucherbrille und fing das neue Volk mit einem Handfeger ganz cool ein.

Ich wusste damals noch nicht, dass Bienen am ersten Schwarmtag noch nicht stechlustig sind. Bevor sie ausschwärmen, saugen sie sich für drei Tage mit Honig voll und haben keine Lust auf Streit. Das heißt aber nicht, dass keine Vorsicht geboten ist: Wenn Bienen versehentlich unter die Kleidung fliegen, können sie in Panik geraten und zustechen. Besonders bei den Augen darf man kein Risiko eingehen: Falls man da mal einen Stich abbekommt, ist das Auge futsch. Für unseren routinierten Nachbarn reichte die Taucherbrille aber völlig aus.

Bienenkönig rudolf seibt gag köln

Dieses Erlebnis hat mein Interesse an den Bienen geweckt. Zum Imker wurde ich allerdings erst, als mein Vater 1990 starb und wir überlegten, wie es weitergehen solle. Ich sagte: Ja, ich würde es probieren. Und seitdem bin ich Imker, so viele Jahre nun schon.

Das Bienenjahr beginnt am 1. August und hört am 30. Juli auf. Es gibt also immer was zu tun. In einem guten Jahr kann ich mit meinen Bienen rund 14 Zehn-Kilo-Eimer Honig erzielen. 2017 war sehr mau: nur 4 Eimer. Ich hoffe, das reißt nicht ein.

Neben der Imkerei und dem Garten habe ich noch eine große Leidenschaft: das Reisen. Besonders Sri Lanka hat es mir angetan. Dort sind die Leute so freundlich, lustig und hilfsbereit wie in Köln. Dass die Kölner besonders „offen“ sind, behaupten sie ja immer gerne von sich. Aber es stimmt: Kölner sind so. Wenn ich auf Reisen Deutsche treffe, erkenne ich Rheinländer immer, weil sie so witzig und hilfsbereit sind. Stehst Du mit einem Kölner im Fahrstuhl, bist Du spätestens ab der sechsten Etage mit ihm per Du.

Fotos: Patrick Essex
Text & Video: Jana Züger

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