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„Das Beste an Köln sind wir – die Kölner“

21.10.2016 | Menschen

Name:
Rudi Birkenbusch

Geboren:
1952 in Mazedonien

In Köln seit:
1955

Beruf:
GAG-Hausmeister

Lieblingsort:
Die Terrasse seiner Wohnung in Dünnwald

Mit fast 40 musste ich mir nochmal einen neuen Job suchen. 15 Jahre hatte ich bei einer Transportfirma gearbeitet, bis der Laden plötzlich dichtmachen musste. Ich habe mich bei verschiedenen Firmen beworben, und bei der GAG hat’s dann geklappt – als Hausmeister. 1993 war das. Seitdem mach ich das, was ich mache. Und ich glaube, ich mach das ganz gut.

Das war, wenn ich mal ganz ehrlich bin, nicht immer so. Nach der Volksschule hab ich dreieinhalb Jahre lang Mechaniker gelernt. Die Ausbildung hab ich aber nie gebraucht. Ich konnte ganz gut kicken. Dazu 100 Meter in 11,3 Sekunden, ich war ein Stürmer von der schnellen Sorte. Ich hab beim SC Köln-Nord in der Oberliga gespielt, und als ich die ersten paar Mark verdient hatte, hab ich geglaubt, ich müsste mich nicht mehr anstrengen.

Aber dann: schwerer Autounfall, Bein dreimal gebrochen, Karriere vorbei. Ich dachte sofort, mein ganzes Leben wär gelaufen, bis mir der Wirt von der Kneipe, in der ich damals rumgehangen bin, eine runtergehauen hat. Das war gut. Ich hab mich zusammengerissen und als Fahrer bei einer Transportfirma gearbeitet, 15 Jahre lang. Bis dann da auch von einem Tag auf den anderen Schluss war.

An meinen ersten Arbeitstag bei der GAG kann ich mich noch gut erinnern. Ich war, genau wie heute, in Dünnwald eingesetzt und bin gleich mit Leiter und Werkzeug von der Treppe gefallen. Zwei Nackenwirbel waren kaputt. Aber ich hab niemandem was erzählt und einfach weitergemacht, so gut es ging. Man will ja schließlich einen guten Eindruck machen, wenn man neu ist.

„Ich hab den Laden im Griff“

Sowas ist mir später zum Glück nicht mehr passiert. Nach einer Zwischenstation in Ossendorf bin ich seit 1999 wieder in Dünnwald an der Auguste-Kowalski-Straße. Rund 600 Wohnungen sind das, das können Sie auf zwei-, zweieinhalb Tausend Bewohner hochrechnen. Eine Menge Menschen und keiner wie der andere, aber ich würde sagen, ich hab den Laden im Griff. Ich lass mir aber auch nicht alles gefallen von den Leuten, das wissen die. Hier kennt mich jeder, und ich kenn auch fast jeden. Manche von klein auf.

Im November 2016 hätte ich eigentlich aufhören können. Alt genug bin ich ja. Aber ich fühl mich noch fit genug, trotz kaputtem Knie vom Kicken. Wie’s aussieht, fahr ich etwas runter, aber ein bisschen mach ich noch weiter. Und genieße den Feierabend auf meiner schönen Terrasse. Die finden alle toll, die mich besuchen kommen. Ich bin nämlich selber einer von den 120.000 GAG-Mietern, für die Köln die beste Stadt ist.

„Die Kölsche Art bricht das Eis“

Warum? Ja, gute Frage … Ich würde sagen, das Beste an Köln sind wir, die Kölner. Ich war viel unterwegs und auf Reisen. Mich freut, wenn einer fragt: „Sagen Sie mal, kommen Sie aus Köln?“ – Dann sag ich: „Nee, aus Montenegro.“ – „Aber Sie sprechen so Kölnisch.“ -„Sie meinen Kölsch?“  Dann ist das Eis direkt gebrochen. Das ist diese Kölsche Art.

Alle denken, ich sei ein waschechter Kölner. Wenn man mich so reden hört, kann man sich ja auch kaum was anderes vorstellen. Tatsächlich bin ich aber in Mazedonien geboren und als ganz kleiner Pänz, so mit drei, vier Jahren nach Köln-Mülheim gekommen. Rixdorfer Straße, direkt in den sozialen Brennpunkt. Bei manchen Quartieren musste man damals schon Mut haben, da durchzugehen. Aber wenn man einen guten Leumund hatte, dann durfte man überall rein. Ich konnte mir gut helfen, mit Worten und, wenn’s sein musste, auch mit den Fäusten. Das wussten die Leute dann irgendwann.

Meine Mutter hat immer gesagt: „Mit Freundlichkeit kommt man weiter.“ Freundlich sein und mit den Leuten reden, das ist ja sowas wie mein Tagesgeschäft als Hausmeister. Was mich aufregt: Die Leute sprechen nicht miteinander. Wenn’s Probleme gibt, rennen die direkt zum Anwalt. Ich versuche immer wieder, die Leute zusammen zu bringen, damit sie miteinander reden. Hilft meistens. Da bin ich so eine Art Streitschlichter. Und Seelsorger bin ich manchmal auch. Ich besuche ältere Leute, die nicht mehr vor die Tür können. Dann wechsle ich bei denen die kaputte Glühbirne aus und mach so ein paar Schmölzchen, das tut denen gut.

„Warum sind wir Kölner so träge?“

In Köln ist nicht alles gut. Absolut nicht. Ich kann ja immer meinen Mund nicht halten, wenn ich durch Köln geh oder mit der Bahn fahr. Ich weiß nicht, wieso wir Kölner immer so träge sind. Wir haben hier so viele Schandflecke. Vor allem der Bereich um den Hauptbahnhof beim Wartesaal, der widert mich an. Da musst du dir ein Handtuch vor den Mund halten, wenn du da durchgehst. Das war früher nicht so.

Rudi Birkenbusch GAG Köln Beste

Und dann überall die Stadtstreicher, die Bettler. Da muss man doch mal eine Regelung finden – zuallererst für die armen Leute, aber auch für das Stadtbild. Das ist doch eigentlich das Gute an uns Kölnern: Wir haben nicht viel, aber das, was wir haben, das teilen wir gerne. Wenn ich zehn Kölsche anspreche, dann krieg ich 5 Euro zusammen. Wenn man ehrlich ist und sagt, was Sache ist.

Aber dann – der Kölsche Klüngel. Klüngel gibt‘s auch in Düsseldorf, in Berlin, überall. Nur die Kölner sagen immer: Das ist halt so. Ich bin durch und durch ein Kölner, aber dass man jetzt auch im Sommer Karneval macht, das ist in meinen Augen bloß Geldmacherei. Das ist nicht mehr mein Karneval. Und den Sitzungskarneval, den kannst du auch vergessen. Das ist oft nur eine Band nach der anderen und gib dir die Kante. Da bin ich ganz froh, dass bei uns in Dünnwald die Schulen und Vereine die Tradition noch ein bisschen hochhalten.

„Kölle ist immer noch schön“

Früher gab’s an jeder Ecke eine Kneipe, da ging die Post ab. Aber die sind fast alle weg. Es gibt noch einen Italiener, der gibt sich Mühe. Das ist der Zahn der Zeit. Du kriegst jetzt überall Brötchen, bei Rewe, bei Lidl, die Bäckereien gehen kaputt. Aber du kannst dat nicht essen, den Driss. Ich bleib meinem Bäcker treu. Ich kann’s mir zum Glück leisten.

Aber zur Ehrenrettung: Kölle ist immer noch schön. Nach wie vor. Wenn schön Wetter ist, dann geh ich von Stammheim zu Fuß bis übern Rheinpark, die Hohenzollernbrücke bis in die Stadt rein, das ist für mich immer wieder schön. Und dabei lecker was essen, lecker was trinken, wenn du weißt, wo. Das ist immer noch wunderbar.

Fotos Patrick Essex
Text Sebastian Züger

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