„Ich hätte nie gedacht, dass das klappt.“

25.02.2019 | Menschen

Name:
Renate Vesen

Geboren:
1961

In Köln seit:
immer schon

Beruf:
Puppenspielerin

Lieblingsort:
beim Erdmännchen-Gehege im Kölner Zoo

„Ich bin Puppenspielerin im Hänneschen-Theater, schon seit 1981. Das hat sich eigentlich zufällig ergeben. Ich studierte nach der Schule Grafik-Design, aber im zweiten Semester merkte ich, dass ich damit nicht zufrieden war. Ich wusste nur keine gute Alternative. Da sagte mein Bruder eines Tages: „Du, ich habe gelesen, die suchen Nachwuchsspieler im Hänneschen-Theater.“ Zuerst sagte ich: „Du spinnst!“ Ich hätte nie gedacht, dass das klappen würde. Ich habe zwar als Kind schon auf Fahrten von der KjG, der Katholischen jungen Gemeinde, kleine Puppenaufführungen veranstaltet, und das Hänneschen-Theater war mir von klein auf ein Begriff. Wir sind mit der ganzen Familie gerne hingegangen. Darauf habe ich mich immer tierisch gefreut.

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Ich habe mich dann doch beworben, das war kurz vor der Sommerpause vom Hänneschen. Ich musste ein Lied singen und vorsprechen. Kölsch konnte ich, denn wir sprachen zu Hause Kölsch und Hochdeutsch. Auf dem Weg nach Hause dachte ich trotzdem: „Wird wohl nichts geworden sein.“ Aber noch vor dem Urlaub bekam ich Bescheid: Ich konnte ein Probejahr machen! Mein Studium habe ich dann abgebrochen und bin seitdem hier.

Kreativ und abwechslungsreich

Als Anfängerin hatte ich Puppenführungsunterricht, und das meiste habe ich von den älteren Kollegen gelernt. Sie haben mir viel gezeigt. Es geht hier sehr familiär zu, man kann sich immer an jeden wenden. Jeder von uns hat seine feste Rolle, aber zusätzlich spielen wir auch mit wechselnden Puppen. Da muss man flexibel sein und sich immer in die jeweilige Rolle hineindenken. Meine feste Rolle ist das Köbeschen, der Sohn vom Tünnes. Das Köbeschen mag ich am liebsten, weil es frech und vorlaut ist. So bin ich nicht, und so kann ich das, was ich im echten Leben nicht bin, mit der Puppe ausdrücken.

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Für mich ist es mein Job der schönste, den man haben kann, weil er so kreativ und abwechslungsreich ist. Wir sind ja alle nicht nur Puppenspieler, sondern haben jeder noch eine Nebentätigkeit hier im Haus. Ich habe bis vor Kurzem die Puppen angezogen und für die Stücke hergerichtet. Jetzt schminke ich sie, male sie also für ihre Rolle an. Diese Arbeit macht mir sehr viel Spaß, denn handwerkliche Dinge wie Malen, Basteln und Filzen liegen mir. Die meisten Puppen gibt es mehrmals, mit verschiedenen Gesichtsausdrücken oder unterschiedlicher Kleidung, denn zwischen den Szenen haben wir nicht die Zeit, die Puppen umzuziehen.

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Do jeiht mir et Hätz op!

Von den vielen Aufführungen, die wir im Karneval, zu Ostern und in der Weihnachtszeit haben, sind mir persönlich die Weihnachtsstücke am liebsten. Das ist die Ruhe vor dem Sturm, denn Karneval geht es hier auch schon mal hektisch und laut zu.

Typisch kölsch ist für mich der Humor. Darin zeigt sich die kölsche Mentalität. Und die Sprache! Ich würde mir wünsche, dass mehr Kölsch gesprochen würde. Damit bin ich aufgewachsen. Mein Vater, der Lehrer war, schreibt auch Gedichte auf Kölsch. Ich finde es schön, dass wir hier am Hänneschen das Kölsche pflegen. Es ist das, was ich an Köln am liebsten mag. Leider hört man heute nicht mehr oft Kölsch auf der Straße, aber wenn, dann jeiht mir et Hätz op! Ich freue mich auch immer, wenn ich höre, dass einige Besucher sich auf Kölsch unterhalten, wenn sie nach den Vorstellungen das Theater verlassen.

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Wirklich, ich kann mir keinen schöneren Beruf vorstellen. Auch meine Familie ist von Anfang an begeistert gewesen, weil ich Puppenspielerin am Hänneschen bin. Da hätte ich noch so viel studieren können: Die hätten sich nichts Schöneres vorstellen können, als dass ich hier arbeite!“

Über das Hänneschen-Theater

Die Puppenspiele der Stadt Köln, umgangssprachlich „Hänneschen-Theater“ genannt, gibt es seit 1802. Viele Besonderheiten machen diese Bühne zu einem Stück Kölner Kulturgut. In allen Aufführungen sprechen die Figuren Kölsch. Inhaltlich repräsentieren sie das kölsche Milieu und seine Mentalität. Da gibt es den einfach gestrickten, gutmütigen Tünnes, den Trickser Schäl, das aufrichtige Hänneschen, nach dem das Theater benannt ist, das pfiffige Bärbelchen, den preußischen Schutzmann Schnäuzerkowsky und einige mehr. Sie alle leben in Knollendorf, einem fiktiven Örtchen am Kölner Stadtrand.

Die jährlich und saisonal wechselnden Stücke werden meist von Mitgliedern des Ensembles selbst geschrieben. Dabei geht es immer auch um aktuelle Themen, die mit kölschem Humor aufs Korn genommen werden. Anders als an vielen anderen Bühnen arbeiten die Puppenspieler am Hänneschen-Theater nicht mit Marionetten, sondern mit Stockpuppen.

Mehr Infos zum Theater und zum Spielplan gibt es hier.

Fotos: Klaudius Dziuk
Text: Johanna Tüntsch

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