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Willkommen in Babylonien #1: Projekt Milchpatenschaft

29.03.2017 | Leben

Eins vorweg: Mein Bauch sah auch vor der Schwangerschaft nicht aus wie der von Lara Croft. Aber jetzt? Ja, wie soll ich sagen… Es hat sich da so was festgesetzt. Oder, präziser ausgedrückt: Es chillt da was ganz entspannt vor mir rum. Und ich krieg‘s nicht weg.

Schwangersein hatte für mich genau einen einzigen positiven Aspekt: Man durfte Bauch haben, und der war wie eine gefüllte Praline: süß! In den letzten Monaten vor der Entbindung sieht man aus wie eine Boa Constrictor, die einen Elefant verspeist hat: beindruckend prall. Aber das darf so sein.

Für mich war Schwangersein also in erster Linie praktisch. Andere Frauen würden sich vielleicht wünschen, ihr Kind in ihrem Hinterteil oder – bei Zwillingen – in ihren Oberschenkeln auszutragen zu dürfen.

Da ich nun gezwungen war, meinen geliebten, aber ungesunden dionysischen Lebenswandel gegen die lustfeindliche Askese einer Schwangerschaft einzutauschen, nahm ich in den ersten Wochen sogar ab. Wieso war ich eigentlich nicht früher auf die Idee gekommen, ein Baby zu kriegen? Dann hätte ich mir die ganzen vergeblichen Sport- und Diätversuche sparen können! Nachteile wie kaum Schlaf, 24-Stunden-Betreuung und Geburt nimmt man da gerne in Kauf. Dank regelmäßiger Gala-Lektüre wusste ich ja, dass man schon acht Wochen nach einer Schwangerschaft bei Victoria’s Secret Catwalk laufen kann. Wenn die Damen nach ihrem „After-Baby-Body-Secret“ gefragt werden, sagen alle dasselbe: „Och, eigentlich hab ich gar nichts machen müssen. Stillen ist das beste Abnehmrezept!“

Okay, dachte ich mir, also her mit den Säuglingen! Warum hat der Liebe Gott mir zwei gesunde Brüste gegeben, obwohl ich nur ein Kind habe? Laut meinen Berechnungen sollten zwei Monate für mein Straffungsprogramm ausreichen. Es heißt, dass eine Mutter während der Stillzeit täglich bis zu 600 Kilokalorien mehr zu sich nehmen soll als sonst. Bei zwei Abnehmern könnte ich folglich locker 400 kcal mehr essen und gleichzeitig 800 kcal pro Tag abnehmen. Nach acht Wochen als Powerwirtstier sähe ich besser aus als je zuvor.

Ich hängte einen Zettel ans Kleinanzeigenbrett von Rewe:

Junge Mutter sucht Baby für zweite Brust. Bitte nur Kinder bis vier Wochen und nicht schwerer als vier Kilo.

Ich hatte nämlich im Fernsehen die Reportage „Stillen bis der Schulbus“ kommt gesehen und wusste seither, dass Langzeitstillen NICHT schöner macht.

Auf mein Inserat meldete sich weder im City- noch im Regio-Rewe irgendwer. Vielleicht die falsche Klientel. Oder war der Markt etwa übersättigt?

Ich versuchte es im Alnatura:

100% biologische Mutter mit laktosefreier Sojamilch sucht Stillbaby (bis zu 4 Wochen alt) für 2 Monate. Auf Anfrage auch wurmfreie Welpen und Kätzchen.

Auf die Idee mit den Tierbabys war ich gekommen, als ich den Greenpeace-Stand vor dem Alnatura gesehen hatte. Doch auch auf den zweiten Aushang meldete sich niemand. Nicht einmal das Tierheim in Köln-Dellbrück wollte etwas von meinem Angebot wissen. Ich musste das Projekt Körperstraffung also zeitlich ausdehnen: nur 200 kcal mehr Nahrung täglich bei einer Stillzeitverlängerung von zwei auf vier Monaten.

Leider steht nirgendwo geschrieben, dass eine Hochleistungskuh auch einen Mörderhunger hat. Ich hätte pro Tag ein Zicklein verspeisen können und eine Mascarpone-Torte zum Nachtisch. Willkommen in Babylonien!

Text Ilka Dischereit
Illustration Livia Scandale

 

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