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„Das Herz von Köln sind die Lieder“

21.01.2019 | Menschen

Name:
Philipp Oebel

Geboren:
1962

In Köln seit:
mit Unterbrechungen von Geburt an

Beruf:
Krätzjesänger

Lieblingsort:
irgendwo am Rhein

Wenn man weiß, wo man hin will, kann man sich auf den Weg machen. Inzwischen bin ich endlich angekommen, und darüber bin ich wirklich froh: Ich bin hauptberuflicher Krätzjesänger! Auf Konzerten, privaten Feiern, zu Jubiläen und natürlich auf kleineren Karnevalsbühnen spiele ich alte kölsche Lieder. Das gibt mir ein echtes Gefühl von Verbundenheit mit unserer Stadt, von Verwurzelung und zu Hause sein. Ich bin dem Schicksal jeden Tag dankbar, mit dem Singen anderen Menschen Freude bereiten zu dürfen und selbst dabei Spaß zu haben. Wir Kölner leben echt im Lieder-Paradies. Meine Lieblingslieder sind aktuell: „Campingleed“, „Die kleine Saache“, „Och, wat wor dat fröher schön doch in Colonia“, „Ich bin ´ne kölsche Jung“ und „Loss mer jet singe“.

Musik hat mir immer viel bedeutet. In meiner Kindheit lebte ich einige Jahre lang in der Diaspora, in Bad Ems. Dort habe ich die ersten Platten der Bläck Fööss gehört. Dabei habe ich furchtbares Heimweh bekommen! Wenn man als Kölner kölsche Musik hört, passiert ja etwas mit einem. Man hat etwas in sich, das dadurch berührt wird. Vielleicht haben ja alle Kölner einen kleinen „Dicken Pitter“ in sich, der dann klingt. Musik trägt viel zur Sozialisierung bei. Das kölsche Heimatgefühl ist sehr geprägt durch die Musik.

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Für mich waren die Lieder der Bläck Fööss der Einstieg. Bis ich hauptberuflicher Musiker wurde, hat es aber noch etwas gedauert. Zuerst habe ich eine Ausbildung als Versicherungskaufmann gemacht, Betriebswirtschaftslehre studiert und für Plattenlabels gearbeitet. Nebenher habe ich mir, schon als Jugendlicher, das Gitarrespielen beigebracht und in einer Band gespielt. Ein Idol, dem ich nachgeeifert hätte, gab es aber nicht. Ich stehe nicht auf Stars, das war schon immer so. Wenn ich als Kind Poster an der Wand hatte, dann mit Winnetou oder einer Landschaft darauf.

Kölns Kronjuwelen

Irgendwann, als ich schon längst berufstätig war, habe ich dann die Krätzjer entdeckt, und das war wie im Märchen! Krätzjer sind voller Lokalkolorit, beschreiben das kölsche Milieu oder erzählen Anekdoten. Ihre Zeit begann, als vor fast 200 Jahren das Festkomitee gegründet wurde. Vorher waren im Karneval zu stets den gleichen Melodien unterschiedliche Texte gesungen worden. Damit sich das änderte, hat das Festkomitee Geld investiert und Preise vergeben für die schönsten Kompositionen. Einige Krätzje sind tatsächlich fast 200 Jahre alt. Wenn man sie miteinander vergleicht, sieht man, wie sich im Laufe der Zeit die Sprache, die Themen und auch das Miteinander geändert haben. Meine Spezialität sind aber nicht die ganz alten Sachen, sondern das 20. Jahrhundert: Willi Ostermann, Karl Berbuer, die Bläck Fööss und Jupp Schmitz. Den mag ich am liebsten! Bei Jupp Schmitz sind, anders als bei vielen anderen Krätzjen, die Harmonien musikalisch recht vertrackt.

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Inzwischen gibt es etwa 40.000 Lieder. Für mich sind sie die Kronjuwelen von Köln! Ein echter Schatz. Entdecken kann man sie in alten Büchern, zum Beispiel bei der Akademie för uns kölsche Sproch. Oft sind nur die Texte, aber nicht die Melodien überliefert. Die muss ich mir dann überlegen. Ich lese die Stücke zuerst leise, um den sprachlichen Klang und den Rhythmus kennenzulernen. Irgendwann kommt mir dann eine Melodie dazu in den Sinn, die ich aufschreibe. Wichtig ist mir beim Spielen, keiner Routine zu folgen, sondern immer wieder Details zu verändern, zum Beispiel die Tonlage oder die Betonung.

Sehen, wie eine Route sich verändert

Ich singe jeden Tag. Gedanklich bin ich eigentlich immer mit dem nächsten Auftritt beschäftigt. Aber ich spaziere auch viel durch Köln. Das mache ich so seit anderthalb Jahren: ganz bewusst zu Fuß gehen, um mir die Stadt noch einmal ganz anders zu erschließen. Auf diese Weise entdecke ich neue, interessante Wege für meine „Stroßesänger-Sonndachstour“. Ich flaniere und beobachte die Leute. Manchmal gehe ich wochenlang die gleiche Route, um zu sehen, wie sie sich ganz langsam verändert.“

Die nächsten Termine von Philipp Oebel findet man hier: http://www.philipp-oebel.de/phil_ter.php

 

Fotos: Klaudius Dziuk
Text: Johanna Tüntsch

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