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„Mein Bauch sagte: Du musst nach Köln!“

27.01.2017 | Menschen

Name:
Alessandro Palmitessa

Geboren:
1969 in Atina (FR), Italien

In Köln seit:
1997

Beruf:
Dirigent des Menschensinfonieorchesters, Saxofonist, Pianist

Lieblingsort:
Café Sur und Claudius-Therme

Mein Heimatort liegt in Süditalien und heißt wirklich so: Monopoli – wie das Spiel, nur mit „i“. Jetzt lebe ich in Colonia, genieße Spaziergänge am Rhein und liebe immer noch das Italienische Essen und die südländische Spontanität, die ich bei den Kölnern manchmal etwas vermisse. Vielleicht habe ich deshalb so wenig Kontakt zu gebürtigen Kölnern. Vielleicht aber auch, weil ich es mit privaten Terminabsprachen nicht so habe. Schließlich weiß ich doch heute nicht, ob ich in drei Wochen noch Lust habe, mit dem oder der ins Kino zu gehen. Vielleicht hab ich spontan lieber Lust auf einen netten Abend. Aber dann hat vielleicht keiner Zeit. Es ist kompliziert.

Der Wunsch Berufsmusiker zu werden, hat sich bei mir erst mit den Jahren entwickelt. Zuerst habe ich eine Ausbildung beim Steuerberater gemacht und spielte nur aus Hobby. Dann fing ich ein Studium an der Musikhochschule an. Als ich damit fertig war, wollte ich in Ruhe entscheiden, ob ich künftig wirklich mein Geld mit der Musik verdienen wollte. Ein Sabbatjahr schien mir dafür genau das Richtige. Eine Freundin empfahl mir Köln: eine Stadt in Deutschland, klein und gemütlich und irgendwie passender für mich als die großen Metropolen New York und Paris. Mir war Köln von der Musik her ein Begriff. Natürlich kannte ich die berühmte Keith Jarrett-Platte The Köln Konzert. Also wurde es Köln.

Auf dem Weg dorthin machte ich einen zehntägigen Zwischenstopp in Freiburg. Das war im Oktober 1997, damals war ich 27 Jahre alt. Als ich aus dem Zug stieg, war ich richtig überwältigt. Der Himmel: strahlendblau. Die Fachwerkhäuser blitzten vor goldenen Verzierungen, alles war grün und die Stadt voll mit Studenten. Einfach wundervoll und glänzend. So hatte ich mir Deutschland nicht vorgestellt. Ich kannte nur die düsteren Schwarz-Weiß-Filme, Regen, Nazi-Vergangenheit. Nicht zu vergleichen mit dem, was ich in Freiburg antraf. Ich war begeistert. Freunde boten mir an dort zu bleiben, was verführerisch war, aber mein Bauch sagte: „Nein, Du musst nach Köln!“

Ich war schockiert von Köln

Ein lesbisches Paar nahm mich in seinem alten Mercedes Benz mit. Das war eine bequeme Fahrt – sie hatten Plüschsitze. Als sie mich am Hauptbahnhof rausließen und ich mit Koffer und Saxophon durch den Tunnel lief, bot sich mir ein ganz anderes Bild von Deutschland: düster, kalt, Regen, alles grau, keine Bäume. Da war ich schon etwas schockiert. Den Dom fand ich natürlich schön, aber die Häuser daneben …

Ich zog in eine Wohngemeinschaft nach Ehrenfeld. Von dort aus erkundete ich zu Fuß die ganze Stadt. Später siedelte ich in die Südstadt um. Hier lebe ich jetzt seit 20 Jahren, seit 18 Jahren mit meiner Frau Luciana und seit zwei Jahren mit meinem Sohn Rubin.

1997 eröffneten die Brüder D‘ Ambrosio das Café Sur am Martin-Luther-Platz. Dort fand ich mein neues Zuhause. Das Café ist tatsächlich sowas wie mein zweites Wohnzimmer, mein Büro. Hier habe ich auch vor mehr als 15 Jahren Pastor Hans Mörtter getroffen. Er hat mich eingeladen, bei der Eröffnung des Vringstreffs e.V. (Begegnungsstätte für Menschen mit und ohne Wohnung) zu spielen. Dort entstand die Idee, ein Menschensinfonieorchester zu gründen. Mehr als 200 Konzerte haben wir inzwischen gespielt, Europa bereist und drei Alben herausgebracht. Das vierte ist fertig, aber leider fehlt uns das Geld, es rauszubringen. Also falls uns jemand unterstützen möchte, kann er sich gerne melden. Außerdem brauchen wir dringend einen neuen Bassisten. Denn Bass und Schlagzeug sind die Säulen des Orchesters.

Wir wollen eine Erfrischung für die Seele sein

Die Musik steht bei uns immer im Vordergrund. Mein Ziel ist es zu zeigen, dass man mit Menschen, egal welchen sozialen Hintergrund sie haben, professionell Musik machen kann, und zwar auf einem guten Niveau. Wir wollen nicht mit Mitleid arbeiten und depressive Stimmung verbreiten, sondern positive Energie ausstrahlen.

Am Samstag (28.1.17) in der Kulturkirche Ost werden wir in unserem Programm die ganze Entwicklung des Orchesters zeigen. Wir spielen alte und ganz neue Lieder, alle von uns selbst komponiert und von mir arrangiert. Es wird fröhlich! Mit Weltmusik, Jazz und Tanzmelodien, aber auch mit Musik zum Nachdenken. Wir wollen eine Erfrischung für die Seele sein. Wenn wir das nicht sind, ist ein Fehler passiert.

Fotos Patrick Essex
Text Jana Züger

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