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Neppes Fünkchen’s Kultur: „Events sind immer gut“

06.12.2018 | Kneipen

In dieser Rubrik stellen wir einmal im Monat eine Kölner Kneipe vor. Das „Neppes Fünkchen’s Kultur“ heißt bei vielen Nippesern immer noch schlicht „Bürgerstüffge“.

 

Adresse:
Merheimer Straße 73, 50733 Köln
Tel.: 0221/214434

Öffnungszeiten:
Mo-Do 8-2 Uhr, Fr-Sa 8-3 Uhr, So 8-1 Uhr

Kölsch:
Reissdorf vom Fass, 1,20 EUR, Lahnsteiner 1 Euro

Besonderheit:
Leckeres nicht-kölsches Kölsch

Bürgerstüffge Neppes Fünkchen's Kultur Köln Nippes Kölnbeste GAG
Das „Neppes Fünkchen’s Kultur“ in Köln-Nippes.

„Bürgerstüffge?“ Seit Ralf Post (Jahrgang 1959) hier das Sagen hat – und das ist immerhin schon seit 2012 der Fall – heißt der Laden „Neppes Fünkchen’s Kultur“. Und bezieht mit einem großen Banner über dem Eingang unzweideutig Stellung: „Arsch huh, Zäng ussenander!“ Für alle des Kölschen Unkundige: Das heißt „Arsch hoch, Zähne auseinander“ und ist der Name einer seit 1992 aktiven Initiative zahlreicher prominenter Kölner gegen Rassismus und Neonazis.

 

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Ralf Post ist seit 2012 Chef im ehemaligen „Bürgerstüffge“.

Einfältige Glatzköpfe kann man sich in der urigen Tränke auch nur schwer vorstellen. Das Publikum ist ethnisch, sozial und kulturell gut gemischt, vom Studenten mit Rastalocken und Jamaika-Shirt bis zum urkölschen Schnauzbart-Rentner mit Trucker-Käppi tauchen hier so ziemlich alle menschlichen Erscheinungsformen auf.

Dienst schiebt an diesem sonnigen Nachmittag Wilma Hofer, Thekenkraft aus Überzeugung, echt kölsch, echt blond. „Ich mach das schon seit über zehn Jahren“, plaudert sie. „Im Bürgerstüffge bin ich seit 2017.“ Hat sie tatsächlich „Bürgerstüffge“ gesagt?

 

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Thekenkraft Wilma Hofer (l.) klönt gern mit ihrer Freundin Maggie Altstadt.

Wie auch immer: „Ich hab einfach gern mit vielen verschiedenen Menschen zu tun“, fährt sie fort und zapft ein „Lahnsteiner“ aus dem Hahn. Das obergärige Bier unterscheidet sich in nichts von einem Kölsch – nur dass es nicht aus Köln ist und deshalb nicht „Kölsch“ heißen darf. Dafür ist der malzige Hopfenhappen mit 1 Euro (alle Preise Stand 2018) für die Stange (0,2 Liter) unschlagbar günstig. Aber auch die 1,30 Euro fürs Original-Kölsch von Reissdorf liegen unter dem Nippeser Durchschnitt, der im Jahr 2018 bei etwa 1,50 Euro liegen dürfte. Dass überhaupt verschiedene Kölsch möglich sind, hat einen Grund: Das Fünkchen’s ist Brauerei- und Automaten-frei, kann sich seine Lieferanten also aussuchen.

„Auf einem Bein kann man nicht stehen.“

Dass die typisch kölsche Eckkneipe in diesen Zeiten einen schweren Stand hat, weil ihr das traditionelle Publikum weg stirbt und der Nachwuchs seine Zeit lieber in Cafés und Clubs oder beim Karriere-Machen verjuxt, weiß auch Ralf Post, der Wirt des Bürgerst…, pardon des Fünkchen’s. Er schlägt dem Trend ein Schnippchen – teils mit bewährten, teils mit kreativen Mitteln.  Dabei nimmt er sich einen bekannten Merksatz seiner Zunft zu Herzen („Auf einem Bein kann man nicht stehen“) und unterhält seit 2015 in Laufweite ein zweites Lokal: „De Maat Kaschemm“. Sie öffnet üblicherweise schon um 6 Uhr morgens, damit die Beschicker des täglichen Wochenmarkts auf dem Wilhelmplatz ein ordentliches Frühstück zwischen die Zähne kriegen. 4,20 Euro kostet eine komplette Garnitur mit Brot, Wurst, Käse, Konfitüre und Kaffee – ab 8 Uhr auch in der Zentrale in der Merheimer Straße.

Später am Tag dann gesellt sich zum Kölsch idealerweise die sogenannte „Riesenbockwurst mit Brot“ (2,50 Euro) anstelle des andernorts obligatorischen Frikadellchens, weil sie ihrem Namen alle Ehre macht und bis zum letzten Bissen schmeckt. Mit was im Bauch lässt sich auch das Gegurke des Effzeh oder der Nationalmannschaft, das ordnungsgemäß über zwei große Flatscreens flimmert, leichter ertragen. Auch Dart ist ein großes Thema, sowohl praktisch an der Scheibe als auch live vorm TV.

 

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Außer Fußball ist auch Dart ein Thema im „Fünkchen’s“.

Wenn gerade kein Sport läuft, spielt die Musik, und auch die gerne live. Rolf mag, was landläufig unter „handgemacht“ firmiert, also Folk, Rock, Blues, Singer-Songwriter, Country oder auch mal Chansons. Dann steht ein Schlagzeug in der Ecke und die Musiker legen los. „Events sind immer gut“, hat Rolf herausgefunden, „auch wenn es manchmal etwas dauert, bis das Publikum eine Idee annimmt.“ Einmal im Monat ist „Offene Bühne“ im Fünkchen’s. Aktuelle Termine gibt’s auf der Facebook-Seite von Musikkultur Nippes.

„Man muss immer ALLE zufriedenstellen.“

Wilma klönt quer über die Fünkchen’s-Theke mit ihrer Freundin Maggie Altstadt. Die beiden haben Spaß daran, sich Rolfs Kopf zu zerbrechen. „Motto-Partys fänd ich gut“, sagt Maggie, „zum Beispiel einen Hawaii-Abend. Und spezielle Aktionen, einen Rievkooche- oder einen Gambas-Tag zum Beispiel.“

Für Ideen, die ein breites Publikum ansprechen, hat Rolf ein offnenes Ohr. „Man muss immer ALLE zufriedenstellen“, sagt er. „Sonst geht man kaputt.“ Sechs, sieben Jahre hat der ehemalige Lagerarbeiter des Plattenlabels EMI noch vor sich – „dann bin ich raus hier“. Doch bis dahin gibt er neuen Talenten „handgemachter Musik“ gern Chance um Chance. Um Bewerbungen, am besten per Email, kümmert sich Petra.

 

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Ist das etwa ein Bayern-Wappen? Ist es!

Fotos: Patrick Essex
Text: Sebastian Züger

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