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„Ich bin überhaupt nicht auf die Idee gekommen, dass Schauspielerei ein Beruf sein könnte.“

06.05.2019 | Menschen

Name:
Nadja Becker

Geboren:
25. Oktober 1978 in Siegen

In Köln seit:
2000

Beruf:
Schauspielerin

Lieblingsort:
Der Beethovenpark

„Ich hab‘ schon als Kind immer überall mitgemacht: in der Grundschule, später am Gymnasium – immer war ich in der Theatergruppe. Aber ich bin lange überhaupt nicht auf die Idee gekommen, dass Schauspielerei ein Beruf sein könnte. In meiner Familie hatte niemand was damit zu tun.

Irgendwann ist der Groschen aber dann doch gefallen. Ich hab‘ an der Schauspielschule in Bochum vorgesprochen – und bin gescheitert. Damit war das Thema eigentlich für mich erledigt und ich hab‘ erstmal mein Abi gemacht.

Nach der Schule war ich ein bisschen planlos. Aber so ganz hatte mich die Idee vom Schauspielen doch noch nicht losgelassen. Ich hab‘ eine Vorsprech-Tour durch alle möglichen Schauspielschulen gemacht. Ich war in Frankfurt, München und Berlin, sogar bis Wien bin ich gefahren. Nirgendwo wollte mich jemand.

Manchmal braucht es einen Umweg.

Es brauchte wohl noch einen Umweg. Weil ich wen kannte, der wen kannte, bin ich als Praktikantin in der Tierzeit-Redaktion von Vox in Köln gelandet. Auf dem Weg zur Arbeit hab‘ ich ein Plakat in der U-Bahn gesehen: der Jugendclub am Schauspiel Köln suchte neue Mitglieder. Ich hab‘ mich beworben und bin auf einen 2-tägigen Workshop mitgefahren, in dem ein Regisseur, der viel Erfahrung mit Jugendlichen hatte, intensiv mit uns arbeitete. Das hat so gut geklappt, dass sie mich für Candide, ein Stück von Voltaire, besetzten.

In unserer Truppe waren Studenten einer Kölner Schauspielschule, die mich überzeugten, es doch mal bei ihnen zu versuchen. Und siehe da – mein Vater übernahm die Studiengebühren! So war klar, was ich die nächsten vier Jahre in Köln mache: Studieren an der Schauspielschule und Jobben im Cafe Feynsinn.

Nadja Becker koelnbeste beste koeln GAG

Einer der Stammgäste im Feynsinn war der Regisseur Arne Feldhusen. Der hatte damals gerade mit einer TV-Serie namens Stromberg angefangen, die ein großer Erfolg wurde. Er meinte: Schau doch mal am Set vorbei! So kam ich zu meinen ersten beiden Komparsentagen und hatte einen superprominenten Auftritt am Aufzug. In Staffel zwei war ich dann schon fest im Mitarbeiterensemble. Und in Staffel drei hatte ich eine richtige Rolle als Schwangere, der gekündigt werden soll.

2006 war Schluss mit Schauspielschule. Einer unser Dozenten, der Regisseur Sathyan Ramesh, war sehr engagiert und lud viele Kollegen zu unserem Abschlussstück ein, unter anderem Dominik Graf und Stephan Wagner. So kam ich an meine ersten Castings bei Simone Bär und An Dorte Braker, und direkt auch an meine ersten beiden Rollen in Das Gelübde (Graf) und Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken (Leander Haußmann).

Die haben uns an der Schule gut auf das Leben danach vorbereitet: Keiner wartet auf euch da draußen! Ich hab‘ schnell gemerkt, dass es mir zwar unheimlich Spaß macht, auf der Bühne zu stehen, Drehen aber eher mein Ding ist. Deshalb hab‘ ich mich ganz auf Film konzentriert. Im ersten Jahr hab‘ ich alles gedreht, was ich in die Finger kriegen konnte: jeden Kurzfilm, jeden Studentenfilm, jede kleine Rolle. Das war wie Training für mich. Kurz danach kamen schon die Rollen in Die Wanderhure und in Danni Lowinski mit Annette Frier in der Hauptrolle.

Ich musste lernen, Nein zu sagen.

Mit der Zeit musste ich lernen, auch mal Nein zu sagen. Ich bin 2015 Mutter einer Tochter geworden, da verschieben sich die Prioritäten. Zum Glück hab‘ ich eine wunderbare Agentur, die auf mich aufpasst und weiß, was für mich gut ist.

Und so bin ich zuletzt bei Andere Eltern gelandet, einer Serie auf dem Pay-TV-Kanal TNT Comedy, die ein richtiges Erfolgsformat zu werden scheint. Die Resonanz von Presse und Publikum bisher war jedenfalls extrem positiv. Ich hab schon beim Drehen gemerkt, dass das gut wird. Nach jedem Tag bin ich zufrieden nach Hause gegangen. Und im Moment sag ich wirklich zu jedem, den ich treffe: ,Hast du das schon gesehen? Nein? Guck das!‘ Das hab ich noch nie gemacht.

Das Schöne ist ja auch: Die Serie spielt komplett in Köln-Nippes. Da hab‘ ich auch schon mal gewohnt. Und in Lindenthal, Ehrenfeld, im Kwartier Latäng und in der Südstadt. Seit zwei Jahren lebe ich mit meiner Tochter in Sülz. Ich hab‘ eigentlich überall gern gewohnt, außer vielleicht am Rathenauplatz. Ich bin nicht so der Innenstadt-Typ, ich mag die Veedelsstruktur.

Hier in Sülz gibt’s fast alles, was Kinder brauchen, viele Spielplätze, Kindergärten, Eisdielen … Mit viel Glück haben wir sogar genau in der städtischen Kindertagesstätte einen Platz bekommen, die mein Favorit war. So sind, wenn ich nicht gerade drehe, meine Wege ziemlich kurz geworden: Aus der Haustür links, einmal um die Ecke, da ist die Kita. Dann wieder links, wieder um die Ecke, da ist der Supermarkt. Nochmal links, und ich bin wieder zuhause. Wenn ich mich weiterhin so wenig bewege, werde ich irgendwann noch völlig träge.

Ich habe eine wirklich sehr schöne Wohnung, aber ich merke immer mehr: Mein Kind braucht die Natur. Insofern könnte es schon sein, dass ich nochmal umziehe, wenn ich irgendwo in Köln irgendwas mit Garten finde.

Die Berrenrather Straße ist eine Katastrophe!

Ich habe nie ernsthaft erwogen, von hier wegzuziehen. Ich bin sowieso viel unterwegs, und dann mag ich’s zuhause gern gemütlich. Da ist Sülz schon nicht so schlecht. Hier gehen die Uhren tatsächlich ein bisschen langsamer. Aber natürlich ist auch hier nicht alles perfekt: Die Berrenrather Straße ist eine Katastrophe, die gehört dringend verkehrsberuhigt. So viele Kinder überall, so viele Autos – und so schmale Bürgersteige! Vor den Kitas und Schulen stehen Bedarfsampeln, da muss man mitunter minutenlang warten, bis die mal grün werden. Da rennt selbst das bravste Kind irgendwann bei Rot drüber.

Wir brauchen einfach weniger Autos in der Stadt. Ein bisschen was bewegt sich ja jetzt in diese Richtung. Ich bin für freien Nahverkehr. Bus und Bahn kostenlos für alle!“

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Fotos: Patrick Essex
Text: Sebastian Züger

 

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