„Kölsch zu singen ist das Ehrlichste, was man machen kann“

30.05.2019 | Menschen

Name:
Marcus Treinen alias Mr. Tottler

Geboren:
1974 in Bergheim

In Köln seit:
nie

Beruf:
IHK-Meister Metall und Musiker

Lieblingsort:
Das Dach des Kölner Hauptbahnhofs

„Kölsch zu singen ist das Direkteste, was man als Musiker machen kann. Du spielst den ersten Akkord auf der Gitarre an und singst den ersten Ton, und schon sind die Leute voll mit dabei. Und auch, wenn ich in Bergheim geboren wurde, dort lebe, mein Studio habe und eigentlich rheinländisches Platt spreche, ist es auch das Ehrlichste: Ich singe einfach viel besser op Kölsch als auf Hochdeutsch.

Ich liebe die rheinische Froh- und Musikkultur. Und das strahle ich, glaube ich, auch aus. Die Leute merken, dass ich mich nicht verstelle, wenn ich auf der Bühne stehe. Ich bin ganz bestimmt nicht der beste Gitarrist weit und breit, ich bin einfach ich. Kürzlich hat mir einer aus dem Publikum nach dem Auftritt 50 Euro Trinkgeld gegeben. Er meinte, er wäre noch nie so gut unterhalten worden. Wahnsinn, oder?

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2018 hab ich 164 Auftritte gespielt, die meisten im Kölner Umland. Seit ich 2015 den Talents Op Kölsch-Wettbewerb von Björn Heuser und Gaffel gewonnen habe, hab ich mehr Kölsche Songs ins Programm genommen. Die Auftritts- und Zuschauerzahlen sind seitdem extrem hochgegangen. Das hat quasi jetzt schon ein semiprofessionelles Niveau, und dabei hab ich ja noch meinen eigentlichen Beruf als Prüftruppleiter bei der Deutschen Bahn AG. Wir kümmern uns um rund 1300 Eisenbahnbrücken in und um Köln, bis rüber an die holländische Grenze. Ganz ehrlich: Das ist mein Traumjob. Wenn man da nebenbei noch Auftritte hat und ein Album aufnehmen will, dann ist das eigentlich ein bisschen zu viel.

„Amis und Kölner sind sich gar nicht unähnlich“

Nach Aschermittwoch hab ich deshalb erstmal eine Pause gebraucht und mal gar nichts mit Musik gemacht. Okay, fast. Wir waren mit den Motorrädern in den USA unterwegs und haben auf der Daytona Bike Week mit 16 Rockern vor dem Hotel kölsche Lieder gesungen. Kam total gut an, die Leute dort haben das echt gut angenommen. Die Amis und die Kölner sind sich ja auch gar nicht so unähnlich. Die Amerikaner sind sehr in sich selbst verliebt. Und die Kölner auch. Beide sind very proud auf das, was sie so machen.

Durch meinen Job komme ich manchmal auf das Dach der Bahnhofshalle. Von da hat man einen Blick wie sonst nirgendwo in Köln. Da würde ich gern mal an Silvester stehen und mir das ganze Treiben von oben angucken. Aber das erlaubt wahrscheinlich keiner.

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Jetzt läuft ja die nächste Runde von Euer Song für Köln. Ich bin als einer der Gewinner neben Miljö und Fiasko mit auf den Plakaten. Das ist schon ein schönes Ding. Für mich waren damals, 2017, LAX aus Kerpen die Favoriten, aber dann hat Linus, der Moderator, mich als Sieger ausgerufen. Da bin ich total ausgeflippt. Gewonnen haben ich mit Nie jenoch.

Für mich geht’s darum, jetzt endlich mit meiner ersten eigenen Platte voranzukommen. Anfang 2019 will ich die Vorproduktion fertig haben und dann mal sehen, mit welchen Musikern ich 2020 ins Studio gehe. Ich mache seit den 1990er Jahren Musik, früher mit meiner Band Schmitz Katze, heute solo – dadurch kenne ich ein paar Leute. Mit dem Stephan Brings zum Beispiel hatte ich einen schönen Auftritt in Bergheim, bei dem wir zusammen alte Brings-Hits gespielt haben. Ich habe ihn gefragt, ob er für meinen Hit Dä Schinamann us Scheinataun auf meinem Album den Bass spielen würde, und er hat zugesagt. Da freue ich mich schon sehr drauf!

Und wenn das Album mal draußen ist, dann will ich mir eine Band zusammenstellen und wieder live spielen. Natürlich auch im Kölner Karneval, aber am liebsten auch bei uns auf dem Land, denn in Köln ist Karneval ja manchmal so eine todernste Sache. Man sagt nicht umsonst: Die geilsten Partys gibt’s nur auf dem Land!“

Fotos: Patrick Essex, privat
Text: Sebastian Züger

Zur Website von Mr. Tottler

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