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Heimat ist mehr als nur ein Ort

18.10.2016 | Menschen

Name:
Mike Kremer

Geboren:
1985 in Köln-Holweide

In Köln seit:
immer schon

Beruf:
Informatiker/Software-Entwickler, Musiker

Lieblingsort:
Höhenhaus. Mindestens!

Ich bin in Höhenhaus und Dellbrück aufgewachsen. Und jetzt wohne ich seit 2015 mit meiner kleinen Familie wieder in Höhenhaus. Alles hier ist mein Zuhause, jedes Straßeneck, die Häuser – ich kenn mich hier einfach total aus. Bei meiner Tochter – die ist jetzt eineinhalb Jahre alt – wird das mal genauso sein, das find ich schön. Wir sind oft nebenan im Wildpark in Dünnwald, weil sie total darauf steht, Wildschweine zu füttern. Das hab ich als Kind auch schon geliebt.

Höhenhaus ist für mich die perfekte Mischung aus Nähe zur Innenstadt und ländlichem Flair. Die Stadtbahn fährt direkt vor unserer Haustür ab, damit bist du in 20 Minuten mitten in der Stadt. Das ist für mich total wichtig, nicht zu weit draußen zu wohnen. Ich bin ja viel unterwegs, beruflich und wegen der Musik mit meiner Band Miljö, und dann hab ich keine Lust, immer noch stundenlang nach Hause kurven zu müssen.

„Im Ausland hab ich gemerkt, was mich mit Köln verbindet“

Aber Heimat ist ein Ort ja nicht nur, weil‘s praktisch ist. Heimat ist für mich sowieso nicht nur ein Ort. Das ist eine Erkenntnis, die ich während meiner Aufenthalte im Ausland gewonnen habe – ich hab unter anderem ein Jahr in Lyon in Frankreich studiert. Da ist mir zum ersten Mal aufgefallen, was mich alles mit Köln verbindet. Wenn ich zum Beispiel diese komischen Reagenzgläser sehe, aus denen hier Bier getrunken wird und die es sonst nirgendwo auf der Welt gibt, dann überkommt mich sofort ein Heimatgefühl. Oder wie die Straßenbahnen hier aussehen – ich brauch nur eine KVB-Bahn sehen und schon denk ich mir: „Hier simma in Köln!“

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Aber das Wichtigste, das ist die Mentalität. Ich kann das mit den Franzosen in Lyon vergleichen oder mit den Amerikanern in Los Angeles und Kalifornien, wo ich auch des Öfteren war: Der Kölner oder vielleicht auch der Rheinländer generell ist einfach ehrlich. Klar, da ist diese sprichwörtliche rheinische Frohnatur. Aber wenn ihm was nicht passt, dann versteckt er das auch nicht, wie sie das zum Beispiel in Amerika ganz gerne machen. Und die Lyoner Franzosen, so wie ich sie zumindest erlebt habe, die sind vergleichsweise reserviert, die sind nicht so offen und herzlich – besonders nicht gegenüber Leuten, die ihre Sprache nicht so gut sprechen. Solche Unterschiede gibt’s natürlich überall, auch in Deutschland: Berliner zum Beispiel sind ja bekanntermaßen ganz anders als die Kölner.

„Es gibt wirklich viel, was nicht optimal läuft“

Für mich ist Köln einfach perfekt. Dabei passen kaum zwei Worte besser zusammen als „Köln“ und „unperfekt“. Es gibt wirklich viel, was hier nicht optimal läuft. Diese gigantische Baustelle am Tunnel auf der Stadtautobahn zum Beispiel, die den Verkehr unfassbar belastet – wie lange schrauben die da schon dran rum? Oder, ein Sinnbild geradezu, der Kalkberg oder der Pfusch am U-Bahnbau. Klüngelei gibt’s überall, aber in Köln gehört sie wirklich noch ein bisschen mehr dazu. Wenn mal ein Stadtplaner käme aus München oder so, der hätte hier viel zum Aufräumen. Aber der Kölner sagt einfach: „Et hätt noch immer jot jejange“ und nimmt vieles so hin, wie es ist. Das ist echt ein Kölsches Phänomen. So richtig erklären kann ich mir das nicht.

Deswegen, glaub ich, macht die Stadt manche Trends aus anderen Städten einfach nicht mit. Die Geschichte mit den Craft-Bieren zum Beispiel, die in Hamburg, Dortmund, Berlin oder München total boomen. Dem Kölner schmeckt sein Kölsch, ich kenn zumindest nur ganz wenige, die ihr Kölsch nicht mögen. Gibt ja auch für jeden Jeck eine eigene Sorte. Ich mag zum Beispiel eher herbe Biere.

„Ich hab hier alles, was ich brauch“

Aber vom Kölsch mal abgesehen: Mir war schon als Kind klar, dass ich hier alles hab, was ich brauch. Meine Grundschulzeit hatte ich auf der Peter-Petersen-Schule, die heute Rosenmaarschule heißt. Die hatte schon damals ein integriertes Konzept, also gesunde und behinderte Kinder zusammen und keine strikte Trennung nach Schuljahren. Wer schnell im Lernen war, konnte schneller lernen, und wer langsamer war, hat eben mehr Zeit bekommen. Wir hatten Tiere auf dem Schulhof: Schafe, Ziegen, Hühner. So haben wir gelernt, dass alles, was wir konsumieren, eine Herkunft hat: die Wolle für unsere Pullis, das Fleisch, das wir essen. Das hat mich nachhaltig geprägt, besonders im Sozialverhalten und der Umwelt gegenüber. Aber auch musikalisch: Es gab da einen Musikkeller, da konnten wir direkt loslegen.

„Vegan im Karneval? Kein Problem!“

Seit ein paar Monaten lebe ich vegan. Ich wollte es eigentlich nur in der Fastenzeit nach dem Karneval mal ausprobieren, aber dann bin ich einfach dabei geblieben. Das wird natürlich schwierig während der Session, da gibt’s ja überall fast nichts anderes als Mettbrötchen. Aber ich koche zum Glück total gerne, und dann bring ich mir halt was Eigenes mit. Hab ich überhaupt kein Problem mit.

Am Elften Elften geht’s wieder los. Bei Karneval ist Köln ja definitiv BESTE. Wir haben gerade unsere neue Single abgegeben und sind gespannt darauf, wie sie das Publikum annimmt. Vergangenes Jahr hat das ja überraschend gut funktioniert mit unserem Lied vom Lommi, „Su lang die Leechter noch brenne“. Daran müssen wir anknüpfen, das setzt uns etwas unter Druck. Es gibt jetzt Erwartungen, die wir erfüllen müssen und erfüllen wollen, aber Kreativität kann man ja nicht einfach so nach Bedarf steuern.

Sehen wir uns am 11.11. irgendwo? Wir spielen am Heumarkt und noch auf diversen anderen Partys. Bis dann!

Foto Patrick Essex
Text Sebastian Züger

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