Diese Webseite benutzt Cookies, um bestimmte Funktionen zu ermöglichen und sein Angebot zu verbessern. Indem Sie hier fortfahren, stimmen Sie der Nutzung von Cookies zu. Mehr Informationen hier!.

OK

„Die Ruhe auf dem Land macht mich traurig.“

04.04.2018 | Menschen

Name:
Melanie Eberhard

Geboren:
1981 in Berlin-Neukölln

In Köln seit:
2009

Beruf:
Mitarbeiterin im Front Office der GAG Immobilien AG

Lieblingsort:
Belgisches Viertel

Ich lebe gern in der Stadt. Und gern mittendrin wie hier im Belgischen Viertel von Köln. Hier hab ich alles, was ich brauche – zuhause meine Ruhe und vor der Tür das Leben: Kultur, Läden und Lokale, in denen ich meine Freunde treffen kann. Ich komme überall hin mit dem Fahrrad oder dem ÖPNV. Das Auto habe ich sofort abgeschafft, als ich hierher gezogen bin.

melanie eberhard GAG kölnbeste Köln

Das war – Moment, lass mich überlegen – 2009, genau. Ich kam aus Höffen, einem kleinen Vorort von Lohmar im Bergischen Land. Leben könnte ich dort nicht mehr. Die Ruhe auf dem Land, die manche als schön empfinden, macht mich eher traurig.

Das liegt vielleicht daran, dass ich eine echte Großstadt-Pflanze bin. Geboren wurde ich nämlich in Berlin, passenderweise im Stadtteil Neukölln. Später zog meine Familie nach Charlottenburg. Als ich elf Jahre alt war,  ging es also für mich vom Ku’damm direkt aufs Kuhdorf. Das war schon ein harter Schnitt.

Vor meinem Balkon fahren die Züge in alle Welt.

Ich hab nicht lange gebraucht, um ein Heimatgefühl für Köln zu entwickeln. Zuerst hab ich in der Poststraße gewohnt, dann am Rudolfplatz, bis ich schließlich in der Uetrechter Straße angekommen bin. Vor meinem Balkon fahren die Züge in alle Welt. Ich mag das Belgische Viertel, weil es eindeutig Teil einer Großstadt ist, aber doch dörfliche Züge hat. Nach einiger Zeit kennt man die Gesichter auf der Straße und nickt sich zu, wird von der Kassiererin im Supermarkt oder vom Mann im Kiosk begrüßt wie eine alte Bekannte.

Beim Shoppen komm ich meistens nicht weiter als bis zur Ehrenstraße. Mein Lieblings-Klamottenladen ist die Boutique Belgique, die haben eine Mischung aus diversen Marken, die gut zusammenpassen. Zum Kaffeetrinken treff ich mich gerne im Miss Päpki oder im Heilandt. In meiner Wohnung hängen schon ein paar Bilder aus dem Schee, aber noch nicht genug. Drei, vier passen noch rein. Vor allem so eine riesige Palme hat’s mir gerade angetan, aber die ist ganz schön teuer.

Und dann gibt’s natürlich die riesige Club- und Kneipenszene. Wenn ich Sorgen habe oder schlecht drauf bin, geh ich tanzen, da vergess ich alles um mich herum. Ich lande gerne gleich ums Eck im Reinecke Fuchs, in der Tausendbar, im Six Pack, im Goldenen Schuss oder – so wie heute – in der NachBar von meinem guten Freund Erkan. In Ehrenfeld, im Stadtteil nebenan, mag ich besonders das Artheater, Bumann & Sohn, den Club Bahnhof Ehrenfeld oder das Odonien.

Ich mag R’n’B und Electro, aber auch Sachen aus den 60er und 70er Jahren wie Michael Jackson oder Diana Ross & The Supremes. Von denen hatte ich meine allererste Platte. Doch vor allem brennt mein Herz für HipHop. Alles von Max Herre bis Samy Deluxe, aber auch Asi-Rap wie von Haftbefehl oder SSIO. Liegt vielleicht an meiner Berliner Seele.

Vor kurzem war ich in der Kölnarena bei Kendrick Lamar. Mega! Das komplette Konzert nur er allein auf der Bühne. Unfassbar geil.

Meine Freunde geben mir Geborgenheit.

Ich hab früher selbst gereimt und versucht, einen Ton zu treffen. Aber ich hab meine kreative Ader schon lange nicht mehr angezapft. Mein Kopf ist einfach immer zu voll. Tanzen ist eher mein Ventil. Und es ist ein Glück, dass ich so einen wunderbaren Freundeskreis habe, der mich auffängt und mir Geborgenheit gibt. Als ich mir zum Beispiel beide Ellenbogen gebrochen und die Arme in Gips hatte, haben mich meine Freunde rund um die Uhr versorgt.

Man hört so oft von Menschen, die einsam sind. Ich habe keine große Familie, deshalb hoffe ich, dass wir alle gemeinsam alt werden können. Dass wir auch noch miteinander reden, rausgehen, aktiv sein und zusammen feiern können, wenn wir alt und klapprig sind. Das wäre mir sogar wichtiger als die große Liebe.

melanie eberhard GAG kölnbeste Köln

Online trifft man Melanie am besten bei Instagram.

Fotos: Patrick Essex
Text: Sebastian Züger

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.