„Für Fotografen hat Köln viel zu bieten“

04.05.2020 | Menschen

Name:
Maurice Cox

Geboren:
1970

In Köln seit:
immer schon

Beruf:
Fotograf

Lieblingsort:
auf seiner Dachterrasse

„Ich bin mit Köln sehr verbunden. Hier bin ich geboren, als Kölner mit einem niederländischen Pass. Die Sprache ist in unserer Familie sehr wichtig. Ich rede mit meinen Kindern wie meine Eltern mit uns: Niederländisch. Meine Frau spricht mit ihnen Deutsch. Einmal hörte ich meinen Sohn zu meiner Frau sagen: So, Papa ist weg, wir können wieder normal reden.

Meine Familie lebt größtenteils in Köln und ich habe einen großen, festen Freundeskreis. Es ist schon etwas sehr Besonderes, Freunde über so viele Jahrzehnte zu haben. Menschen, die häufig ihren Wohnort wechseln, verlieren mit der Zeit meistens den Kontakt zu ihren Jugend- und Schulfreunden. Für mich sind sie ein starkes Fundament. Deshalb fühle ich mich hier auch so wohl. Wenn mir gegen 17 Uhr einfällt, dass ich spontan ein Kölsch im Päffgen trinken möchte, rufe ich nur ein paar Freunde an und sitze kurz danach beim Klönen im Brauhaus. Andere brauchen für sowas immer riesigen Planungsvorlauf. Ich mag diese Spontanität.

Wenn ich aus dem Urlaub komme und schon von der Autobahn aus den Dom sehe, geht mir wie vielen Kölnern das Herz auf. Wenn man jedoch über die Rheinuferstraße oder mit der Bahn in Köln ankommt, sieht man dieses furchtbare, blaue Zelt. Optisch ein Totalausfall. Wenn ich in der Stadt was zu sagen hätte, käme das sofort weg. Auch die Gegend drumherum ist grauenvoll und versifft. Dabei sollte doch gerade die Bahnhofsgegend gepflegt sein, schließlich kommen da täglich Menschen aus aller Welt an. In Sachen Sauberkeit ist in Köln noch viel zu tun – nicht nur rund um den Hauptbahnhof, auch und besonders in den Grünflächen.

Maurice Cox Fotograf aus Köln

Solange ich denken kann, hat mich die Arbeit meines Vaters interessiert. Ich konnte gerade laufen, da nahm er mich mit ins Atelier. Schon seit ich 12 Jahre alt bin, habe ich ihm assistiert, wenn er Hilfe brauchte. Er nahm mich auch mit auf Künstlerevents und in Galerien. Abgeschreckt hat mich das überhaupt nicht. Ich fand die Kunstszene immer schon sehr spannend. Trotzdem habe ich erst einmal ein Ingenieur-Studium absolviert. Geschadet hat es mir nicht, aber ich musste ich mich ganz schön durchquälen, besonders durch Mathe.

Ich habe nie als Ingenieur gearbeitet. Denn schon vor und während des Studiums, hatte ich immer meinen eigenen Arbeitsplatz und eigene Kunden im Atelier meines Vaters und habe mitgearbeitet. Neben gemeinsamen Fotoprojekten war ich für die Digitalisierung des Hugo-Schmölz-Archivs zuständig.  Für mich ist wichtig, dass ich jedes Projekt mit Herz angehe. Egal, ob ich Architektur oder Food fotografiere, eine Porträt-Serie oder eine Kunstreproduktion mache oder ein Archiv-Projekt betreue. Außergewöhnlich war für mich die Dokumentation des Römisch-Germanischen Museums vor der Renovierung. Ganz allein in diesem Museum, das hatte was.

Unsere Stadt hat für Fotografen auf jeden Fall einiges zu bieten. Die Architektur der Kölner U-Bahn-Stationen zu fotografieren hat mich schon längere Zeit gereizt. Die Kalk Kapelle-Haltestelle zum Beispiel ist eine klassisch geflieste, abwaschbare Haltestelle aus den Siebziger Jahren. Die mag ich wahnsinnig gern. Aber meine absolute Lieblingshaltestelle ist die Äußere Kanalstraße. Hier laufen die Kanalrohre von Köln durch die Station. Die Rohre sind bunt und geschmückt mit Licht-Perlenbändern, wodurch sich ein Blick ergibt wie in einem Zirkuszelt. Großartig! Ich brauchte aber eine Menge Geduld, denn wann sind die U-Bahnen schon mal menschenleer? Ich weiß es jetzt: so gegen 2 Uhr nachts! Die nächtliche Arbeit hat sich gelohnt – im Zusammenspiel mit den Texten von Barbara Schock-Werner ist ein faszinierendes Buch daraus geworden.

Seit meinem 16. Lebensjahr habe ich einen Segelschein. Das Segeln ist meine zweite Leidenschaft neben der Fotografie. So oft ich kann, bin ich auf dem Wasser. Das habe ich wahrscheinlich von meinen niederländischen Vorfahren geerbt. Ich genieße die Weite des Meeres, um emotional im Gleichgewicht zu bleiben. Deshalb bin ich froh, in einer Dachgeschosswohnung mit großer Terrasse leben zu dürfen und nicht gegen Hauswände schauen zu müssen. Von dort oben kann ich in die Ferne blicken – über die Dächer von Köln.“

Fotos: Costa Belibasakis, Maurice Cox
Text: Jana Mareen Züger

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