“Ich mache weiter Theater”

19.02.2020 | Menschen

Name:
Marianne Rogée

Geboren:
1936 in Münster

In Köln seit:
1961

Beruf:
Schauspielerin

Lieblingsort:
Das Café Fassbender

“Irgendwann habe ich alle Hemmungen abgelegt. Wenn ich irgendwo einen prominenten Menschen gesehen habe, habe ich ihn um eine Katze gebeten. Ich sah Joschka Fischer und Klaus Staeck im Zug sitzen und sprach sie sofort an. Klaus Staeck, der bekannte Plakatkünstler, hat mir tatsächlich eine Katze gezeichnet. Joschka Fischer, unser ehemaliger Außenminister, nie. Eine Zeit lang war ich so fokussiert, dass ich nicht einmal mehr den Papst im Fernsehen sehen konnte ohne zu denken: Von dem brauche ich auch eine Katze! Übrigens bin ich meiner langjährigen Maskenbildnerin Elke Haake-Meyer sehr dankbar: Sie hat mir bei der Jagd nach den Katzen sehr geholfen.

Angefangen hat meine seltsame Sammelleidenschaft schon sehr früh, so etwa im Alter von 20 Jahren, als ich meine Schauspielausbildung in Münster machte. Ich half einigen Künstlern beim Hängen ihrer Bilder. Sie fragten mich, was ich für meine Unterstützung haben wollte. Und mir fiel in diesem Moment nichts Besseres ein als: Zeichnen Sie mir eine Katze!

Das erste Notizbuch mit Katzenbildern habe ich leider verloren. Jahre später vermittelte ich Peter Peltz, einem befreundeten Maler aus England, eine Galerie in Deutschland. Auch er fragte mich, womit er sich revanchieren könne. Und wieder sagte ich: Zeichnen Sie mir eine Katze! Weil ich nichts zur Hand hatte, kaufte ich im erstbesten Laden nebenan ein Poesiealbum. Darin sammelten sich nach und nach immer weitere Katzenbilder.

Ich erfreute mich zwar persönlich an der schönen Sammlung, wusste aber nicht, was ich damit tun sollte. Ich engagierte mich schon damals für das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen. Und so kam ich auf den Gedanken, ein Buch mit Katzenzeichnungen berühmter Menschen zu veröffentlichen, dessen Erlös später der Arbeit von Unicef zugute kam.

“Alain Delon nannte sich selbst einen alten Kater.”

Das war rund um die Jahrtausendwende, eine aufregende Zeit für mich. Ich hatte plötzlich einen Schreibtisch in New York im Hauptsitz der Organisation. Dort saß ich und schrieb Briefe, zum Beispiel an Roger Moore, den ehemaligen Darsteller von James Bond. Kevin Costner schrieb auf Englisch Meow unter seine Zeichnung. Alain Delon nannte sich selbst einen alten Kater. Ich bekam jede Menge weitere Zusagen. Wären die alle eingehalten worden, hätte ich rund 500 Katzenbilder bekommen.

So wurden es letztlich rund 150, die ich 2004 in dem Buch Katzen für unicef. Zeichnungen und Texte Prominenter im Goldmann Verlag veröffentlichte. Aus diesem Fundus stammen auch die Zeichnungen für die Ausstellung Cats are cool, die vom 27. Februar bis zum 28. März 2020 in der Kulturkirche Ost in Köln zu sehen ist.

Ich war immer Kunst- und Katzenliebhaber, und ich leide mit Kindern in Not. Ich war selbst als Kind ein Außenseiter: Ich wuchs als uneheliches Kind bei Pflegeeltern in Coesfeld auf, hatte einen französischen Nachnamen, war Linkshänderin und hatte rote Haare. Das Gymnasium blieb mir wegen des Schulgeldes verwehrt, das ich mir nicht leisten konnte. Und so machte ich in Coesfeld eine Lehre zur Industriekauffrau. Dass mein Vormund mein Lehrgeld veruntreut hatte, war meine Chance. Er musste mich freigeben. So konnte ich die Schauspielausbildung in Münster und später in Frankfurt machen.

“Das Theater am Dom ist meine künstlerische Heimat.”

Die Schauspielerei hat es mir ermöglicht, aus den ärmlichen Verhältnissen auszubrechen, in denen ich aufgewachsen bin. 1961 kam ich zum ersten Mal nach Köln. Das Theater am Dom – damals das einzige Haus, das trotz des Berliner Mauerbaus Bertolt Brecht spielte – ist bis heute meine künstlerische Heimat. Ich spielte zwar zwischenzeitlich auch in Düsseldorf, Dortmund, Stuttgart und München, aber ich bin immer wieder zurückgekommen.

Schauspielerin Marianne Rogee fotografiert von Costa Belibasakis für Koelnbeste

Mir liegt zwar die westfälische Art etwas mehr, einmal im Jahr spiele ich in einem Thaterstück auf Münsteraner Platt mit. Aber ich mag Köln sehr, das hilfsbereite Wesen der Menschen hier. Ich genieße es, in zwei Stunden in Amsterdam oder in drei Stunden in Paris sein zu können. Und ich liebe den Rhein.

Aber ich ärgere mich auch immer wieder über den vielen Dreck in den Straßen und begreife nicht, weshalb die Kölner so nachlässig mit ihrem Müll sind. Und ich ärgere mich über die KVB, die manche Haltestellen total verkommen lässt. Es gibt zum Beispiel eine Rolltreppe am Rudolfsplatz, die seit Jahren nicht funktioniert. Viele alte Leute können dort deshalb nicht aussteigen.

“Ich finde es eine Frechheit, dass der WDR die Lindenstraße einstellt.”

So etwas macht mich wütend. Genauso wie das Aus der Lindenstraße, die der WDR in Köln-Bocklemünd dreht und im März 2020 einstellt. Von 1986 bis 2009 spielte ich die Isolde Pavarotti, die einen Friseurladen betrieb. Noch heute sprechen mich Leute auf der Straße an und wollen sich von mir die Haare schneiden lassen. Ich finde das schön. Und ich finde es eine Frechheit, dass der WDR die Serie einstellt – angeblich aus Kostengründen. Wir waren nicht zu teuer, ich kenne unsere Gagen. Was wollen sie denn stattdessen senden? Noch eine Quizshow?Ich weiß schon lange nicht mehr, was ich im Fernsehen gucken soll.

Ich mache weiter Theater. Gerade war ich mit dem Stück Bis zum Horizont, dann links mit Horst Janson auf Tournee. Und ab April 2020 spiele ich in dem Stück Nein zum Geld mit Jeanette Biedermann und Max Claus wieder in meiner alten Heimat, dem Theater am Dom. Solange ich mir Texte merken kann, mache ich weiter!

Schauspielerin Marianne Rogee fotografiert von Costa Belibasakis für Koelnbeste

Text: Sebastian Züger
Fotos: Costa Belibasakis

Cats Are Cool Ausstellung in der Kulturkirche Ost Köln von Marianne Rogee

 

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