„Es ist wichtig, gut informiert zu sein. Und vor allem: richtig!“

17.01.2020 | Menschen

Name:
Mara Bergmann

Geboren:
1982

In Köln seit:
Immer schon

Beruf:
TV-Moderatorin

Lieblingsort:
Ihre Dachterrasse über Köln

„Es ist eine alte Weisheit, aber sie stimmt nach wie vor: Die schönsten Augenblicke im Leben kosten nichts. Wenn ich von meiner Dachterrasse im sechsten Stockwerk über Köln blicke, fühle ich mich wie die Königin der Stadt. Den Fernsehturm und das Stadion, die Uniklinik und den WDR – alles hab‘ ich von dort oben im Blick. Ein unbeschreiblich schönes Gefühl von Freiheit. Das empfinde ich so ähnlich höchstens noch am Meer.

Als ich ein kleines Mädchen war, hat mir mein Vater im Urlaub auf Mallorca am Nachthimmel das Sternbild Orion gezeigt. Ein sehr einprägsamer Moment. Seitdem spielt dieses Sternbild immer wieder eine Rolle in meinem Leben. In manchen Jahreszeiten ist es auch bei uns zu sehen. Ich muss es gar nicht danach suchen, plötzlich ist es da. Dann erinnere ich mich an meinen Vater, der vor einiger Zeit gestorben ist. Er war immer ein guter Ratgeber für mich. Jetzt muss ich viel mehr selbst entscheiden. Der Orion am Himmel ist wie ein Gruß meines Vater. Er gibt mir Kraft und Bestätigung. So als wollte er mir mitteilen: Du machst das schon!

An Sternzeichen und die Horoskopen in irgendwelchen Zeitschriften habe ich nie geglaubt. Aber für Sterne habe ich mich immer interessiert. Meine Papa hat mir schon als Kind Bücher dazu geschenkt, die ich alle gelesen habe, und ein kleines Teleskop. Das steht jetzt auf meiner Dachterrasse. Es ist ein bisschen abgerockt, aber manchmal schau ich noch hindurch. Von meinem Balkon aus kann man den Sternenhimmel über Köln gut sehen. Die Sterne wandern übers Himmelszelt. Das Sternbild verändert sich von Tag zu Tag. Ich bin davon immer noch und immer wieder beeindruckt.

TV-Moderatorin Mara Bergmann blickt versonnen aus einem Café in den Kölner Himmel.

Meine Begeisterung für die Sterne und meine Leidenschaft für guten Journalismus sind sich durchaus ähnlich. In beiden Fällen muss man einen Blick fürs große Ganze haben, aber zugleich auch bereit sein, von Zeit zu Zeit ins Detail zu gehen. Im Vergleich zum Universum sind wir Menschen wahnsinnig klein. Was uns groß macht, sind unsere Geschichten. Und genau um die geht es in meinem Job.

Wir waren ein bisschen wie Greta – im Kleinformat.

Ich hatte schon ziemlich früh die Idee, Reporterin zu werden. Mit Kindern aus der Nachbarschaft habe ich ein Magazin hergestellt und verkauft. Meinen Großeltern ließen uns dafür an ihren Kopierer. Schauspielerei fand ich aber auch interessant. Und ich liebte Detektiv-Spiele. Mit zehn Jahren hatte ich meinen ersten Beitrag: bei Radio Köln. Ich war wütend auf unsere Vermieterin, die den Garten in unserem Innenhof planieren wollte. Wir Kinder sammelten Unterschriften und schrieben an die Kölner Journalisten. Die Aktion war ein Erfolg: Die Bäume wurden nicht gefällt. Wir Kinder hatten gekämpft und etwas erreicht. Wir waren ein bisschen wie Greta – im Kleinformat.

Während meiner Studentenzeit hab‘ ich als freiberufliche Lokalreporterin meine Heimatstadt ganz neu kennengelernt: Mit meinem Opel Corsa düste ich für den Kölner Stadt-Anzeiger von Termin zu Termin, damals noch ohne Navi, sondern mit Stadtplan auf Papier. Bei der Zeitung und später als Moderatorin bei der WDR Lokalzeit aus Köln habe ich gelernt, dass im Mikrokosmos einer Stadt alles passiert, was das Leben ausmacht. Ich finde es aber jetzt genauso spannend, Beobachterin der großen Politik zu sein. Als Anchorwoman bei n-tv in Köln interviewe ich Politiker und unsere Korrespondenten in der ganzen Welt. Ich fahre nach Berlin zum Bundespresseball, pflege Kontakte und bin Teil des riesigen Nachrichtennetzwerks von RTL mit lauter Kollegen, die ihr Handwerk absolut beherrschen.

Es wird in unserer Gegenwart immer wichtiger, gut informiert zu sein – und vor allem richtig! Dafür braucht es guten Journalismus mehr denn je. Wir sind die Vierte Gewalt im Staat, das ist eine große Verantwortung. Es ist wichtig, dass wir da sind und genau hinschauen. Gerade weil es das Internet gibt, wo sich Fakten und Fake-News für viele Menschen nur schwer unterscheiden lassen. Wir nehmen die Herausforderung jeden Tag an, das, was ist, so darzustellen, dass Information und Meinungsbildung möglich ist. Die Menschen müssen aber auch bereit sein, sich informieren zu wollen. Wir alle müssen als Gesellschaft dafür sorgen, dass unsere Kinder die geeignete Bildung erfahren. Das ist ein Grund, warum ich mich als Botschafterin der Stiftung Lesung engagiere. Wir helfen unter anderem beim Aufbau von Schulbibliotheken.

Ich moderiere auch jedes Jahr den Leselauf: Run & Ride for Reading. Am 14. Mai 2020 gehen zum bereits zehnten Mal tausende Läufer und Fahrradfahrer am Rheinenergie-Stadion an den Start. Mit Oliver Gritz, dem Erfinder dieser Initiative, bereite ich gerade den Podcast „Weltklasse“ vor. Wir sind nämlich der Meinung, dass jeder Mensch ein oder mehrere Talente hat, in denen er Weltklasse sein kann. Wir wollen unsere Hörer inspirieren, diese Talente an sich zu entdecken und zu nutzen. Deshalb interviewen wir Leute, die aus ihren Talenten was Tolles gemacht haben, also zum Beispiel Unternehmen, Künstler oder Sportler.

TV-Moderatorin Mara Bergmann am Kölner Rheinufer.

Ich selbst versuche auch, sportlich zu bleiben. Ich mache regelmäßig Fitness, am allerliebsten aber mache ich Wassersport wie Wakeboarden und Kite-Surfing. Da hat man Spaß dabei und merkt erst am Muskelkater danach, wie sehr man sich angestrengt hat. Ich ziehe mir auch gern die Joggingschuhe an und erlaufe mir die Stadt. Ich sehe viel Schönes dabei, das mir gefällt, vor allem natürlich den Rhein. Aber wie viel schöner muss Köln gewesen sein, bevor die Bomben des Zweiten Weltkriegs fast alles zerstört haben! Danach ist die Stadt weniger für Menschen wiederaufgebaut worden, sondern vor allem für den Autoverkehr. Ich hoffe, dass sich das ändert und die Stadt wieder menschenfreundlicher wird. Die Pläne für die Ost-West-Achse, bei denen ganz viel Verkehr unter der Erde verschwinden soll, finde ich super.

Ich mag das Köln-Gefühl.

Trotz diverser Bausünden haben sich die gebürtigen und die zugezogenen Kölner ihr besonderes Lebensgefühl bewahrt, sind mehrheitlich offen und freundlich. Viele sagen, dieses Köln-Gefühl sei nur ein Hype, aber ich spüre und mag es. Es gibt wohl keine andere Stadt, für die so viele Liebeslieder geschrieben wurden. Vielleicht, weil hier immer schon viele kreative Menschen gelebt haben, für die Heimatliebe und Arsch huh zusammengeht. Das wäre jedenfalls eine Erklärung, die mir gefällt.“

 

Fotos: Patrick Essex
Text: Sebastian Züger

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