Live Music Now: Konzerte der besonderen Art

04.12.2019 | Leben

Inhaltsverzeichnis

Soziales Engagement trifft auf Künstlerförderung

Der Verein „Yehudi Menuhin Live Music Now“ organisiert Konzerte für Menschen, die sonst keine Chance hätten, ein öffentliches Konzert live zu erleben. Junge Musiker geben die Konzerte, erhalten pro Auftritt eine Aufwandsentschädigung und sammeln wertvolle Erfahrung. „Es gibt nichts, wo wir nicht hingehen“, sagt  Ludgera Freifrau von Eltz-Rübenach, Vorsitzende der Kölner Sektion des Vereins Yehudi Menuhin Live Music Now. Heute sind zwei ihrer Nachwuchsmusikerinnen im Frida-Kahlo-Haus im Einsatz.

 

Cellistin Amarilis Dueñas tritt im Duett mit Geigerin Linda Guo auf. Für Guo ist es das erste Konzert für den Verein Yehudi Menuhin Live Music Now; erst im Frühjahr wurde sie in das dreijährige Förderprogramm aufgenommen.
Cellistin Amarilis Dueñas tritt im Duett mit Geigerin Linda Guo auf. Für Guo ist es das erste Konzert für den Verein Yehudi Menuhin Live Music Now; erst im Frühjahr wurde sie in das dreijährige Förderprogramm aufgenommen.

Konzert im Frida-Kahlo-Haus

„Manche sagen, ein solches Publikum ist schwierig. Aber heute hat es doch gut geklappt, eine Verbindung aufzubauen“, freut sich Geigerin Linda Guo. Jeder im Publikum zeigt seine Begeisterung auf eine andere Art und Weise: Eine kleine Geste, ein Summen, eine Handbewegung, bei manchen wippt der Fuß, dann der ganze Körper. Für die Bewohner ist das Konzert im eigenen Haus etwas ganz Besonderes. Denn von den 91 Bewohnern des Hauses sitzen 95 Prozent im Rollstuhl, das erschwert einen Besuch in der Philharmonie – erst recht für eine so große Gruppe.

 

Die Einrichtung des Clarenbachwerks Köln im Stadtteil Müngersdorf wurde 1993 als Modellprojekt für junge Menschen begründet, die nach Unfall oder Krankheit pflegebedürftig sind. Benannt ist sie nach der mexikanischen Malerin Kahlo, die sich in ihren Bildern mit ihrer eigenen Behinderung auseinandersetzte.
Die Einrichtung des Clarenbachwerks Köln im Stadtteil Müngersdorf wurde 1993 als Modellprojekt für junge Menschen begründet, die nach Unfall oder Krankheit pflegebedürftig sind. Benannt ist sie nach der mexikanischen Malerin Kahlo, die sich in ihren Bildern mit ihrer eigenen Behinderung auseinandersetzte.

Junge Künstler müssen Komfortzone verlassen

Auch für Cellistin Amarilis Dueñas ist der Auftritt etwas anderes: „Man ist viel näher am Publikum. Diese Konzerte sind sehr speziell – im positiven Sinne.“ Natürlich beherrschen die Nachwuchskünstler ihr Instrument, doch bei Live Music Now brauchen sie gleichzeitig ein hohes Maß an Empathie sowie die Fähigkeit, mit dem Publikum zu kommunizieren. Das zwingt die jungen Menschen auch dazu, ihre Komfortzone zu verlassen.

„Sonst heißt es ja: Auf die Bühne, spielen und dann weg“, erklärt Dueñas. Für Live Music Now unterhält sie sich mit dem Publikum. Obwohl ihr Deutsch noch nicht perfekt ist, fällt das der 21-jährigen Spanierin leicht: „Ich habe keine Angst davor, Fehler zu machen. Denn die Musik ist eine universelle Sprache, die versteht man überall.“

„Wer solch ein schwieriges Publikum überzeugen kann, der erreicht jeden.” Freifrau von Eltz-Rübenach

Das Programm des deutsch-spanischen Duos führt von Ausschnitten aus Bachs dritter Orchestersuite zu Glenn Millers Jazz-Klassiker „In the Mood“, chronologisch sortiert vom 18. ins 20. Jahrhundert. Schon nach dem ersten Stück sind „Danke, Zugabe!“-Rufe zu hören. Auch Dueñas’ Erläuterungen kommen gut an, als sie etwa zur Arie „Voi che sapete“ aus „Figaros Hochzeit“ erklärt: „Figaro läuft durch die Straßen und fragt: ‘Können Sie mir sagen, was Liebe ist?’“

 

Linda Guo und Amarilis Dueñas haben sichtlich Spaß an ihrem Auftritt. Mit ihrem Konzert wollen sie ganz im Sinne von Menuhin Brücken zwischen Menschen bauen.
Linda Guo und Amarilis Dueñas haben sichtlich Spaß an ihrem Auftritt. Mit ihrem Konzert wollen sie ganz im Sinne von Menuhin Brücken zwischen Menschen bauen.

Gesellschaft verändern: mit Musik Brücken bauen

Ein Nachmittag geht zu Ende, der ganz im Sinne Lord Yehudi Menuhins gewesen wäre. Der Dirigent und Violinvirtuose hat sich als Humanist und Weltbürger für Benachteiligte aller Art eingesetzt. Menuhin verstand Musik nicht nur als Kunst, sondern als Beitrag zu einer besseren Gesellschaft. Er war davon überzeugt, dass mit Konzerten Brücken zwischen allen Menschen zu bauen sind. Im Jahr 1977 gründete er den Verein Live Music Now in Großbritannien. Seit 1992 gibt es Ableger im deutschsprachigen Raum, die Kölner Sektion – die Konzerte auch in Aachen und Bonn veranstaltet – existiert seit 2001.

Live Music Now Deutschland veranstaltet 2600 Konzerte bundesweit im Jahr, der Kölner Ableger veranstaltet davon 140. „Und diese Zahl wollen wir halten.“ Das sei nicht ganz einfach. Das Interesse der Musiker bleibe zwar groß, das der Sozialeinrichtungen ebenfalls. „Wir bekommen immer wieder Anfragen: Sowas hätten wir bei uns auch gerne“, erzählt Eltz-Rübenach. Aber dem Team der ehrenamtlichen Vereinsmitglieder, die den Betrieb aufrechterhalten, fehlt der Nachwuchs. „Dabei gibt uns jedes Konzert so viel Kraft, so viel Bestätigung“, so von Eltz-Rübenach.

Infos zu Yehudi Menuhin Live Music Now e. V.

Live Music Now organisiert Konzerte für Menschen, die sonst keine Konzerte erleben. Nachwuchsmusiker musizieren dann in

Der Verein finanziert sich allein aus Spendengeldern. Die Nachwuchsmusiker, die die Konzerte geben, können sich beim Verein bewerben. Voraussetzung: Die Talente müssen an der Musikhochschule in Köln, Aachen oder Wuppertal immatrikuliert sein, ihr Instrument beherrschen, empathisch und kommunikativ sein.

Hier geht es zur Website von Live Music Now

Gemeinsam engagieren wir uns für unser #zohus!

Auch die GAG fördert Nachwuchsmusiker mit dem Wettbewerb Euer Song für Köln. Das Finale fand 2019 in der Volksbühne statt – die Eintrittsgelder hat die GAG auf 2.000 Euro aufgestockt und an den Verein gespendet.

Autor: Markus Düppengießer
Fotos: Patrick Essex

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