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„Viele freuen sich, dass es jetzt ein Kino in Kalk gibt“

06.08.2018 | Menschen

Name:
Jennifer Schlieper

Geboren:
1977

In Köln seit:
1999

Beruf:
Kino-Betreiberin

Lieblingsort:
Lichtspiele Kalk

Name:
Felix Seifert

Geboren:
1976

In Köln seit:
1999

Beruf:
Kino-Betreiber

Lieblingsort:
Lichtspiele Kalk

Felix: Es sah echt wüst aus, als wir hier das erste Mal drin waren. Trotzdem hätte keiner gedacht, dass es nochmal mehr als drei Jahre dauert, bis wir die Lichtspiele Kalk eröffnen können. Ende 2014 haben wir uns mit den damals neuen Eigentümern zusammengetan. Am 22. Dezember 2017 lief dann der erste Film über unsere schöne neue Leinwand: Star Wars. Und das einfach so, ganz ohne große Feier. Die muss irgendwann noch sein.

Jenny: Felix und ich kennen uns schon seit 2006, als wir gemeinsam im Filmhaus arbeiteten. Wir sind also Kinomenschen, aber die Idee, hier ein Kino zu eröffnen, kam nicht von uns, sondern von den Eigentümern. Die ließen das Gebäude entkernen und entdeckten dabei, dass hier mal ein Kino gewesen sein muss. Tatsächlich gab es hier von 1947 bis ’73 die „Union Lichtspiele“. Später dann eine Disco und sogar eine freichristliche Kirche.

Felix: Als Laie kann man sich gar nicht vorstellen, wie kompliziert Bauen im Bestand ist. Jede neue Tür ist da absolute Millimeter-Arbeit. Die Genehmigungsverfahren ziehen sich hin – und das, obwohl wir eine sehr konstruktive Ansprechpartnerin im Bauamt hatten. Alle Gewerke müssen aufeinander abgestimmt werden, Vorgaben zu Lärm, Emmisionen und Stellplätzen eingehalten werden …

Jennifer: … Daniela Konrad vom Eigentümer hat da wirklich Übermenschliches geleistet, einen Handwerker nach dem anderen über die Baustelle gejagt.

„Alle hatten Bock auf das Kino. Keiner wollte der sein, an dem es scheitert“

Felix: Das Gute war, dass alle Bock auf das Kino hatten. Keiner wollte der sein, an dem es scheitert. Auch deshalb haben wir uns nie entmutigen lassen. Wir konnten fast alle unsere Vorstellungen umsetzen. Jetzt sind wir so gut wie fertig. Ein paar Kleinigkeiten werden im laufenden Betrieb noch erledigt.

Jennifer: Bisher ist die Resonanz sehr positiv. Viele Leute, besonders auch Ältere kommen aus der unmittelbaren Nachbarschaft und freuen sich, dass es jetzt ein Kino in Kalk gibt. Am besten angenommen wird bisher das Kinderprogramm. Aber wie es wirklich läuft, lässt sich erst in zwei bis drei Jahren sagen. Wir brauchen Geduld.

Felix: Das Kinosterben, von dem alle reden, halte ich ja für ein Märchen. Klar, die ganz großen Zeiten des Kinos waren in den 1950er Jahren …

Jennifer: … da zählte Köln 86 Lichtspielhäuser …

Felix: … aber grundsätzlich sind die Besucherzahlen in den deutschen Kinos gut, trotz all der Konkurrenz übers Internet, trotz der großen Bildschirme zuhause.

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Jennifer: Wir haben Besucher, die sind vorher nie ins Kino gegangen, jetzt sind sie Stammkunden bei uns. Oder andere wie den zehnjährigen Gabriele, der vorher nur Multiplexe kannte. Der sagte zu uns, dass er unser Kino viel schöner findet als ein „richtiges Kino“. Einige kommen sogar aus Neuss oder Bergisch Gladbach.

Felix: Das Rechtsrheinische war bis zu unserer Eröffnung die vielleicht „größte Kinodiaspora Deutschlands“, wie ein Besucher meinte. Ende der 1980er Jahre hat hier das letzte Kino dicht gemacht. Wir wollten deshalb schon immer ein Kino auf der Schäl Sick eröffnen, haben aber immer vor allem in Mülheim gesucht und bis jetzt nie die geeignete Immobilie gefunden.

„Kalk ist einfach ein cooler Stadtteil“

Jennifer: Ich bin froh, dass wir in Kalk gelandet sind. Das ist einfach ein echt cooler Stadtteil.

Felix: Es gibt wirklich tristere Jobs, als den Leuten in ihrer Freizeit ein bisschen Freude zu bereiten. Ich hätte nie gedacht, wie wahnsinnig neugierig und interessiert die Kinder am Kino sind. Das macht total Spaß.

Jennifer: Und dabei sind wir technisch absolut auf der Höhe der Zeit. 3D sparen wir uns, dafür zeigen wir gemeinsam mit dem Kölner Unternehmen evrbit regelmäßig Filme in Virtual Reality.

Felix: Unser Konzept ist ziemlich einfach: Wir zeigen gute Filme. Was ein guter Film ist, entscheiden wir. Kategorisierungen wie „Arthouse“ oder „Autorenfilm“ sind Blödsinn. Wir verstehen unser Kino als Ort, der unterhält, an dem man Spaß hat oder – wenn mal ein Film nicht so lustig ist – zumindest emotional berührt wird.

Jennifer: Und Popcorn gibt’s bei uns natürlich auch.

Fotos: Patrick Essex
Text: Sebastian Züger

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