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Kölschgärten-Tour #2: Rennbahn, Altenberger Hof, Flora

20.08.2019 | Kneipen

Sommerzeit, Biergartenzeit. Statt – wie sonst allmonatlich hier auf KÖLN. BESTE! – durch die urigsten Kölner Kneipen, tingeln wir im Juli und August 2019 durch die Trink- und Verweilstätten unter freiem Himmel. In Teil zwei haben wir uns den Biergarten Rennbahn, das Potpourri und Dank Augusta angeschaut.

Der August dieses Jahres hat ein wenig Erbarmen mit den ausgedörrten Parks der Stadt und lässt es gelegentlich regnen. Gegen trockene Kehlen hilft das Nass vom Himmel allerdings wenig. Zum Glück schaut noch oft genug die Sonne raus für einen Ausflug in den Biergarten. Wir reiten auf unseren Drahteseln nach Weidenpesch zum:

Biergarten Rennbahn

Scheibenstraße 40, Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag ab 12 Uhr, Küche bis 22 Uhr; Montag Ruhetag.

Biergarten Kölschgärten kölnbeste köln GAG

Mehr wie ein ländlicher Gutshof denn ein urbanes Einkehrangebot liegt das durch und durch im Fachwerkstil erbaute Gasthaus am Rand des riesengroßen Rennbahn-Parkplatzes. Erst 2017 wurde der Biergarten renoviert und bietet jetzt – laut Eigenwerbung einzigartig in Köln – auch im Winter Kölschgenuss an der frischen Luft.

Rund 200 Gäste fänden hier Platz, aber wirklich viel los ist nicht bei unserer Ankunft an diesem Sonntagmittag. Ob’s an der phantasielosen Chartsmusik liegt, die etwas aufdringlich und hochtönend aus für Freiluft-Zwecke ungeeigneten Lautsprecher-Böxchen plärrt? Oder am sehr selbstbewusst bepreisten Sion-Kölsch (0,2l/1,90 €)? Immerhin: Das Wasser für die Hunde bringt die freundliche Bedienung ungefragt und unentgeltlich. Pluspunkt!

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So nach und nach füllt sich beim entspannten Blick auf Wettbuden, Hippodrom und die Rückseite der arg in die Jahre gekommenen Zuschauertribüne Tisch um Tisch. Der wohlsituierte Weidenpescher, so scheint es, nutzt den Sonntag, wie Gott ihn schuf, als Ruhetag, schläft aus und hat dann Hunger. Dieser lässt sich beispielsweise mit dem ganzjährig erhältlichen Gasthaus Burger (180 Gramm Fleisch und ordentlich Fritten, 12.50 €) besser stillen als mit den gebackenen Camembertchens, die von winzigen Schwarzbrot-Schnitten begleitet werden; die kleine Portion wird durch den üppigen Schlag Preiselbeermarmelade nicht entscheidend größer (8,50 €).

Etwas Platz im Bauch ist also noch, als wir ungebrochen entdeckungsfreudig stadteinwärts weiterradeln, um einem Neuzugang im Kölschgärten-Portfolio unserer Stadt einen Besuch abzustatten:

Potpourri

Mauenheimer Straße 92, Öffnungszeiten des Biergartenteils: Montag bis Samstag ab 12 Uhr, Sonntag ab 15 Uhr.

Ähnlich wie der Gastrobau an der Rennbahn wirkt der Altenberger Hof mehr wie ein Land- denn ein Großstadtgasthof, so malerisch schmiegt sich das Scheckheft-gepflegte Gutsgebäude an die sanft geschwungenen Hügel des Nippeser Tälchens. Weniger einladend war jahrelang das kulinarische Angebot des Bürgerzentrums, doch nun soll alles besser werden: neuer Pächter, neue Köche, neues Konzept.

Die Poster-große Speisekarte bietet für alle Geschmäcker und Glaubensrichtungen etwas – ob vegan (Gerösteter Weißkohl, 12,90 €), vegetarisch (Süßkartoffel-Gnocchis, 12,90 €) oder profan (Hamburger mit Pommes, 10,90 €; im Bild die fleischfreie Variante für 11,90 €). Alles sauber zubereitet, ordentlich portioniert und angemessen schmackhaft. Lobenswert außerdem: Nicht nur das Früh-Kölsch (0,2l/1,60 €) kommt aus dem Fass, sondern auch das Jever-Pils und das Maisel’s-Weizen. 

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Das Publikum an diesem Nachmittag macht dem Ruf des Bürgerzentrums als Familien-Treffpunkt alle Ehre. Unter den großen Sonnenschirmen links und rechts von uns suchen finden jeweils drei Generationen gemeinsam Schatten und sonntägliche Kontemplation. Da lässt es sich gut ertragen, dass der Service bei aller professionellen Höflichkeit nicht der schnellste ist. Aber das kann ja noch werden.

Ein bisschen eilig haben wir’s aber doch. Wir wollen noch eine dritte Station schaffen, und zwar – passend zum Wonnemonat August – das …

Dank Augusta

Am Botanischen Garten 1a, Öffnungszeiten: täglich von 11:30 bis 22 Uhr; in den Monaten März, April und Oktober bis 18 Uhr.

Nach der bürgerlichen „Rennbahn“- und der pragmatischen „Potpourri“-Gastro nun also die mondäne Variante eines Biergartens. Die Flora ist bei Sommerwetter voller Sonntags-Flaneure, die irgendwann Durst bekommen und – sieht man von den Blüten-umrankten Gartenteichen ab – im Grunde nur eine Wahl haben, ihn zu  stillen: mit einer Einkehr ins „Dank Augusta“. Die vielstufige Terrasse mit dem royalen Flair – tatsächlich geht ihr Bau um 1860 auf Augusta, Gemahlin der Preußenkönigs Wilhelm I. zurück – ist auch wirklich viel zu schade, um gastronomisch unerschlossen zu bleiben. Seit einigen Jahren übernimmt das die Firma Kirberg Catering, die als erfahrener Mobil-Verköster kreative Lösungen für die örtlichen Einschränkungen (keine professionelle Küche!) gefunden hat.

Tatsächlich wird man hier wie an einem Foodtruck bedient. Fassbier? Fehlanzeige! Eigentlich ein No-Go für einen Biergarten, doch die Qualität des Angebots macht den Fauxpas wett. Biere werden in Flaschen, Speisen (Salate, aufgewärmte Eintöpfe und sogar Kuchen) in Einmachgläsern in eine Picknick-Tasche gepackt, mit der man sich auf den Weg zu seinem Platz macht. Da kleckert nix, und Spaß macht’s auch.

Und: es schmeckt sogar! Das Gulasch vom Weiderind (7,90 €) ist ein pfeffriger Gaumenschmaus, auch das  Süßkartoffel-Erdnuss-Curry (6,20 €) macht seine Sache gut. Dazu probieren wir was aus dem Craftbeer-Sortiment, denn Sion-Kölsch aus der Flasche kennen wir schon und finden wir für diesen Preis zu teuer (0,25l/3,10 €). Das „Kuehne Blonde“ aus Mainz erinnert an ein belgisches Wit (0,33l/4 €). Das stark hopfende Bitterbier namens „Colonia“ (0,33l/4 €) hat eigentlich nur einen Fehler: Es wurde in Frankfurt gebraut.

Die Sonne färbt die Luft langsam abendlich. Überall Pärchen, die das Leben genießen. So mag auch Augusta mit ihrem Wilhelm hier gesessen haben.

Text: Sebastian Züger
Fotos: Patrick Essex 

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