Kölsche Stäänefleejer: Karnevalstanz als Schule fürs Leben

03.02.2020 | Leben

Inhaltsverzeichnis

Tanzen ist Disziplin und Verantwortung

In der Turnhalle im Görlinger-Zentrum gibt Cassia Kürten mit ihrem Headset den Ton an. „Macht voran, so viel Zeit haben wir nicht“, motiviert sie ihre Karnevalstanzgruppe. Auch wenn die Soundanlage immer wieder ausfällt – ihre Ansagen sind klar und deutlich zu verstehen. Die Kinder und Jugendlichen folgen den Anweisungen. Zwischen Basketballkörben und hochgestellten Matten fangen sie an, sich aufzuwärmen.

 

Cassia Kürten ist ausgebildete Tänzerin und Tanzpädagogin. Sie engagiert sich seit über 20 Jahren im Karneval, hat die Immisitzung choreografiert und arbeitete mit Bläck Fööss und Höhnern zusammen. Karneval und Tanz sind für sie gelebtes Brauchtum. Ihr Ziel: Den Jugendlichen nicht nur das Tanzen beibringen, sondern auch das Jeföhl.
Cassia Kürten ist ausgebildete Tänzerin und Tanzpädagogin. Sie engagiert sich seit über 20 Jahren im Karneval, hat die Immisitzung choreografiert und arbeitete mit Bläck Fööss und Höhnern zusammen. Karneval und Tanz sind für sie gelebtes Brauchtum. Ihr Ziel: Den Jugendlichen nicht nur das Tanzen beibringen, sondern auch das Jeföhl.

Erst 2018 hat Cassia Kürten die Kölschen Stäänefleejer e. V. gegründet – ein Jahr später ist sie als Leiterin für zwei Tanzgruppen verantwortlich. Die jungen Sternenflieger sind zwischen 6 und 15 Jahre alt. Außerhalb der Session treffen sie sich einmal pro Woche. Die Älteren trainieren an drei Tagen, an einem davon trainieren alle gemeinsam, denn die Großen kümmern sich hier um die Kleinen. Dieses Prinzip liegt Kürten am Herzen.

„Im Verein lernen die Kinder Disziplin und übernehmen füreinander die Verantwortung – eine gute Schule für das ganze Leben.“ Cassia Kürten

Klare Ansagen: Der raue Ton ist ganz normal

Was auch dazu gehört: der raue Umgangston. „Das war schlecht“, sagt Kürten. Zu Kasallas gleichnamigem Lied und zu „Kölsche Jung“ von Brings schunkeln die Stäänefleejer nicht gemächlich, sie rackern und schwitzen. Langsam färben sich ihre Gesichter rot. „Wir haben doch am Donnerstag viel über Ausdruck gesprochen. Das will ich jetzt sehen.“

 

Noch tragen die Kinder Leggings und Jogginghose. Doch auf der Bühne sehen sie anders aus: die jungen Herren in Hose, Hemd und Weste, die Damen in Tanzstiefeln, Oberteil, Rock, Strumpf- und Spitzenhosen. Alle mit Bauchbinde in Magenta, der Vereinsfarbe, geschminkt und durchgestylt.
Noch tragen die Kinder Leggings und Jogginghose. Doch auf der Bühne sehen sie anders aus: die jungen Herren in Hose, Hemd und Weste, die Damen in Tanzstiefeln, Oberteil, Rock, Strumpf- und Spitzenhosen. Alle mit Bauchbinde in Magenta, der Vereinsfarbe, geschminkt und durchgestylt.

Kürten hat hohe Ansprüche und korrigiert, was zu korrigieren ist. „Ich tue das, weil ich will, dass jeder Tänzer gut aussieht.“  Neben einem versöhnlichen „Alles gut, prima“ hören die Kinder auch ab und an ein „Okay, gut“.

Während sich Außenstehende über den rauen Ton noch wundern, finden die Kinder das ganz normal. „Ich habe schon mal Freunde zum Training mitgebracht, die hatten damit Probleme“, sagt Laura Schorn. Die 16-Jährige wird bereits seit fünf Jahren von Kürten betreut. Sie spielte schon Klavier, Klarinette, Querflöte und sie ritt: „Ich habe so viele Lehrer gehabt. Ich weiß, wie die sind. Mir macht das nichts aus.

„Man braucht klare Ansagen – wie bei jedem anderen Sport auch.“ Quentin Kürten

Quentin Kürten ist der Sohn von Cassia Kürten und hat die Kölschen Stäänefleejer mitgegründet. Heute ist er als Kommandant die rechte Hand der Tanzgruppenleitung und findet, dass Tänzer klare Ansagen brauchen. „Das ist ja alles gut gemeint.“

Leidenschaft und Gemeinschaft sind Motivation

Am Karneval gefallen Laura am besten die Auftritte und „die starke Gemeinschaft, die hier herrscht“. Quentin hat nur während des Abiturs ein Jahr auf das Tanzen verzichtet: „Aber dann habe ich gemerkt, es geht nicht ohne.“ Den Karnevalstanz macht für ihn vor allem „die Lebensfreude, der Spaß an der Sache“ aus. Er erklärt das so: Während man etwa beim Fußball gegeneinander antritt, ist beim Tanzen das Konkurrenzdenken nicht so groß. „Wie heißt es so schön: In den Farben getrennt, in der Sache vereint.

„Junge Menschen für den Karneval zu begeistern, das geht am besten über das Tanzen und Singen.“ Cassia Kürten

Mit ihrer Tanzgruppe begeistert Cassia Kürten schon die Kleinsten für den Karneval. Jeder gibt sein Bestes – auch beim Training.
Mit ihrer Tanzgruppe begeistert Cassia Kürten schon die Kleinsten für den Karneval. Jeder gibt sein Bestes – auch beim Training.

Und vereint sind die Sternenflieger das ganze Jahr über – außerhalb der Session beim wöchentlichen Training. Während der Session ist Training in der Regel nicht nötig. Bis Veilchendienstag stehen bis zu 40 Auftritte an. Vom Einmarsch bis zur Schlusspose dauert es meist 20 bis 30 Minuten, das übliche Programm umfasst vier Tänze.

Doch jeder Auftritt ist anders, jeder Saal und jede Bühne. „Eine große Bühne ist schwerer als eine kleine“, erklärt Cassia Kürten. Denn selbst wenn die Gemeinschaft die stärkste Motivation ist, kommt es auf der Bühne darauf an, den richtigen Abstand einzunehmen und zu halten.

Infos zu dem Kölsche Stäänefleejer

  • Cassia Kürten gründete die Kölschen Stäänefleejer 2018
  • Die Gruppe hat sich der Kölschen Narren Gilde von 1967 angeschlossen
  • Kinder im Alter von 6 bis 15 Jahren trainieren 1x die Woche am Nachmittag
  • Jugendliche im Alter von 16 bis 25 Jahren trainieren zusätzlich 2x die Woche am Abend
  • Während der Karnevalssession fällt das Training aus, dafür stehen bis zu 40 Auftritte an
  • Wer bei den Stäänefleejern mittanzen will, kann sich zum Probetraining anmelden 

Gemeinsam engagieren wir uns für unser #zohus!

Die GAG Immobilien AG kümmert sich nicht nur um das Wohnen in Köln. Auch das Leben und die Menschen stehen im Fokus unseres Engagements. Seit 2007 kümmert sich unser Sozialmanagement darum, das Wohnumfeld in unseren Quartieren noch lebenswerter zu gestalten. Und unser soziales Gewissen ist ständig für Köln im Einsatz.

Ähnlich ist es auch bei den Kölner Vereinen: Sie leisten einen großen Beitrag für Köln und die Menschen, erhalten Traditionen, stoßen neue Bewegungen an und engagieren sich zumeist ehrenamtlich. Wir finden: Das verdient Anerkennung.Gemeinsam machen wir die beste Stadt noch etwas besser.

Autor: Markus Düppengießer
Fotos: Thilo Schmülgen

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