Diese Webseite benutzt Cookies, um bestimmte Funktionen zu ermöglichen und sein Angebot zu verbessern. Indem Sie hier fortfahren, stimmen Sie der Nutzung von Cookies zu. Mehr Informationen hier!.

OK

„Köln ist ein Vergnügen!“

30.01.2017 | Menschen | 3 Kommentare

Name:
José Rafael de Sousa Marques

Geboren:
1940 in Lissabon, Portugal

In Köln seit:
1971

Beruf:
Redakteur bei der Deutschen Welle (im Ruhestand)

Lieblingsort:
Das Bayenthaler Veedel zwischen Rhein und Goltsteinstraße

Zuerst sollten es nur sechs Monate sein. Und jetzt? Lebe ich schon seit 45 Jahren in Köln. Ich habe hier meine Frau geheiratet, drei Kinder großgezogen, mein Glück gefunden. Ich bin längst viel mehr ein kölscher Jung als ein Lissaboner.

Ich treffe immer wieder auf Leute, die sich darüber wundern. Wie kann man so eine schöne Stadt wie Lissabon verlassen? Und das Wetter in Portugal ist auch viel besser! Stimmt, das Wetter ist besser. Aber in Köln ist es noch viel schöner, Köln ist ein Vergnügen, Köln ist Leben! Glauben Sie’s mir!

Am schönsten sind die Menschen

Am schönsten sind die Menschen in Köln. Das ist ein Volk, das gibt es so nirgendwo anders. Als ich damals in Köln ankam, habe ich direkt die vielen schönen Frauen gesehen und mich gefreut. Was die Kölner aber einzigartig macht, ist die Art, wie sie reden, und ihr Humor, die Offenheit, diese Freundlichkeit . . . Das gefällt mir. Da sind die Kölner anders als die Lissaboner. Die sind zwar auch freundlich, aber etwas zurückhaltender, reservierter.

Natürlich sind auch die Kölner nicht perfekt. Ein Beispiel? Sie spielen gern Spielchen mit dir, versuchen, dich aus der Reserve zu locken. Das ist okay. Aber wehe, du machst das mit ihnen! Dann sind sie gleich sauer.

Das ist mir früher immer mal wieder passiert, als ich häufiger mit meiner Frau in die Kneipe gegangen bin und mich mit den Leuten unterhalten habe. Auch im Karneval waren wir fleißig unterwegs. Mit meinem Freund Jean Pütz und vielen anderen habe ich die Kokainbälle in der Wolkenburg organisiert. Meine Spezialität war der Ticketverkauf. Ich hab allein in manchen Jahren 200 bis 300 Tickets unters Volk gebracht.

Das waren schöne Zeiten. Jetzt bin ich 76 Jahre alt, da wird man ruhiger. Ich sage aber immer, dass ich erst 60 Jahre alt bin, sonst sind die Frauen ja sofort weg. Bei 60 kann man immer sehen, wie sie überlegen: Hm, wirklich, stimmt das? Und schon hat man eine Unterhaltung.

Ich unterhalte mich gern mit schönen Frauen. So habe ich vor mehr als 23 Jahren auch meine Frau kennengelernt, im Schmittchen in der Nähe vom Appellhofplatz. Die Deutsche Welle, bei der ich rund 30 Jahre lang Redakteur war, hatte ein Büro in der Nähe.

Ein kölscher Jung kommt immer zurück

Meine Frau hat bei Alitalia gearbeitet, als Stationsleiterin. So konnte ich als Angehöriger immer extrem günstig reisen. Wir sind viel rumgekommen, waren in Rio, New York, Hongkong . . . Am schönsten war’s in Thailand. Im Sheraton direkt am Meer – wunderschön. Aber ein kölscher Jung kommt immer zurück.

Auch jetzt sind wir noch viel unterwegs. In Lissabon habe ich Familie, auf Mallorca viele gute Freunde. Aber die meiste Zeit sind wir in Köln. Die Stadt hat sich verändert in all den Jahren. Heute sind viele Leute so unzufrieden, haben Angst – vor der Zukunft, vor den Flüchtlingen, vor der Dunkelheit. Wenn ich abends nach Hause komme, ist die Straße menschenleer.

Aber ich hab mich ja auch verändert. Ich lebe zurückgezogener. Trotzdem rede ich immer noch mit jedem, der mit mir reden will. Als ich in Köln angekommen bin, hab ich kein Wort verstanden. Jetzt kann ich sogar Kölsch! Ich hab mich aber bemüht, meinen portugiesischen Akzent zu behalten. Das ist romantischer.

rafael marques koelnbeste

Fotos Patrick Essex
Text Sebastian Züger

3 Kommentare

  1. Kulinna Mariona sagt:

    Rafasch, Du bist der Beste!

    Marion

  2. Madeleine Michels sagt:

    Rafael, du bes ene leckere ????
    Hä hät Humor un Charme , is ne esch Kölsche Jung
    Habe ihn auf dem Hunde- Sommerfest seiner Tochter Ellen Marques- de Souza , die eine DOGS Hundeschule in Köln betreibt, kennengelernt und war auf Anhieb von seiner offenen Art und Zugänglichkeit begeistert.
    Aber am meisten hat mich sein kölscher Släng umgehauen ????????

  3. Andrew sagt:

    Great article, I’m moving to Köln soon from Munich. Seems like the right place to be 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.