Tierheim Köln-Zollstock: Helfer und Spenden gesucht

10.09.2020 | Helfen | Ein Kommentar

Das Tierheim in Zollstock blickt auf eine über 150-jährige Tradition im Tierschutz zurück. Der Kölner Tierschutzverein, aus dem es hervorging, wurde bereits 1868 gegründet. Neben Hunden, Katzen, Kaninchen, Nagetieren und Vögeln leben hier heute auch Hühner, die aus Legebatterien gerettet wurden, Ziegen, die zuvor als Rasenmäher fungierten, ausgesetzte, weil zu groß gewordene Wasserschildkröten und zwei Hängebauchschweine. Früher sogar auch noch Kapuzineräffchen.

 

Tierpflegerin Elke Sans mit Hund Balu im Tierheim Zollstock

Seit über 15 Jahren arbeitet Elke Sans hier als Tierpflegerin. Sans Wissen über das Tierreich im Generellen und jeden Tierheimbewohner im Speziellen ist enorm. Sie kennt zu jedem Tier hier die Geschichte. Wenn sie über ihre Schützlinge redet, spricht sie mit dem ganzen Körper, gestikuliert, lacht, sprüht vor Begeisterung. Da ist zum Beispiel der Kater Fuzzy, der alle in die Waden zwickt, wenn sein Katzenklo gesäubert werden soll, das Hängebauchschwein Berta, die seit 2006 hier lebt und somit die älteste Bewohnerin ist und die nach dem Tod ihres Partners Hermann eine Zeit lang mit einem Hahn liiert war oder Balu, der sich am liebsten an seinem Hunde-Po kraulen lässt.

Viele Tiere sind auf Hilfe von Kölnern angewiesen

Und weil sich Sans so gut auskennt, nimmt sie uns heute mit auf einen Rundgang. Wir starten bei den Wellensittichen, die neben den Katzen wohnen. Aber es sind nicht die kleinen Tiger, die in den benachbarten Käfig wollen, sondern die Vögel, die nichtsahnend an den Schrauben der Metallplatte drehen, die das Katzengehe von ihnen trennt. „Nur 10 Gramm Körpergewicht, aber diese kleinen Teufel haben eine unglaubliche Kraft in den Klauen“, sagt Sans.

Am Eingangstor klingelt es. Ein Gassigänger kommt samt Hund zurück und eine Frau fragt, wo sie die Decken und Handtücher, freiwillige Spenden, abgeben kann. Zurzeit leben hier im Tierheim Zollstock etwa 200 Tiere, die auf der Suche nach einem neuen Zuhause und in der Zwischenzeit auf Hilfe angewiesen sind.

“Wenn es in den Urlaub geht, ist da plötzlich kein Platz mehr für den Vierbeiner.”

„Die Tiere kommen aus den unterschiedlichsten Gründen zu uns: Sie werden abgegeben oder sichergestellt, wenn der Besitzer zum Beispiel im Krankenhaus oder verstorben ist oder das Tier schlecht gehalten wurde. Fundtiere nehmen wir natürlich auch auf“, erklärt Sans. Entgegen der landläufigen Meinung, dass die meisten Tiere nach Weihnachten abgegeben werden, sei tatsächlich der Sommer Hochsaison für ausgesetzte und zurückgelassene Tiere. „Weihnachten verbringen die meisten Leute ja zu Hause. Wenn es aber in den Urlaub geht, ist da plötzlich kein Platz mehr für den Vierbeiner“, vermutet die Tierpflegerin.

“Da das Tierheim pro Bewohner nur über die ersten sechs Monate einen bestimmten Betrag von der Stadt erhält, braucht es Unterstützung. „Die meisten Tiere bleiben nämlich länger, manche fast ihr ganzes Leben lang“, erklärt Sans. Gerade alte, kranke Hunde mit eigenem Charakter oder aber auch Kampfhunde, deren Haltung spezielle Auflagen verlangt. Um alle Tiere versorgen zu können, liegen die Kosten bei etwa 250 Euro pro Tag. „Jede Spende hilft“, sagt Elke Sans.

Gerade jetzt, während der Corona-Krise, sei das Tierheim besonders auf Unterstützung angewiesen. Sans erklärt uns: „Vor Corona sind die Besucher häufig durch das Tierheim gegangen und haben eine kleine Spende dagelassen. Frei nach dem Motto: Wir nehmen zwar kein Tier mit, aber möchten euch etwas dalassen, weil ihr das hier so toll macht. Das Geld fehlt uns jetzt.“

Wie Du den Tieren helfen kannst

Futter- und Sachspenden, wie eben Decken und Handtücher, sind immer willkommen. Der Wäschetrockner, der 25 Kilogramm fasst, läuft quasi den ganzen Tag nonstop. „Am besten rufen die Leute vorher an und fragen, was wir im Moment am meisten brauchen. Aktuell haben wir zum Beispiel nie Gabeln! Damit füllen wir das Futter aus den Dosen in die Näpfe“, lacht Sans.

Man könne auch eine Patenschaft speziell für ein Tier übernehmen, also alle Kosten tragen, die dafür anfallen. Neben normalem oder Spezialfutter für Allergiker oder empfindliche Mägen und Pflegeartikeln, wie beispielsweise Fellbürsten, sind das auch oft Medikamente oder Tierarztkosten.

Wer nichts spenden kann, aber trotzdem helfen möchte, kann sich auch ehrenamtlich im Tierheim betätigen, zum Beispiel als Hundeausführer oder Katzenkrauler. Hierfür sind eine aufgefrischte Tetanusimpfung und der Nachweis einer privaten Haftpflichtversicherung notwendig. Die Gassigänger benötigen zusätzlich einen Sachkundenachweis. Dieser bestätigt nicht nur Kenntnisse im Umgang mit Hunden im Allgemeinen, sondern befähigt den Inhaber auch dazu, „gefährliche“ Hunderassen ausführen zu dürfen, wie zum Beispiel American Staffordshire- oder Pitbull-Terrier. Weitere Informationen dazu findest Du auf der Website der Stadt Köln.

Neben der Tierliebe sollte man Verständnis und Geduld mitbringen. „Die Tiere stehen häufig noch unter Schock und kommen alle mit ihren eigenen Geschichten hier an. Selbst den Hunden ist das ständige Gebell manchmal zu laut, aber sie sind eben gestresst. Und wie soll der Lärm dann erst für eine Katze sein, die Jahre lang mit einer Oma allein in der Wohnung gelebt hat?“, gibt Sans zu bedenken.

Und wer sich die Arbeit mit Tieren so nicht zutraut, aber dennoch helfen will, kann das Tierheim Zollstock vielleicht mit handwerklichen Fähigkeiten unterstützen. Es stehen eigentlich immer Reparaturen an und bald soll ein neues Futterhaus gebaut werden.

Text: Carina Weisweiler
Fotos: Costa Belibasakis

Einen Kommentar für “Tierheim Köln-Zollstock: Helfer und Spenden gesucht”

  1. Karin Iparraguirre sagt:

    Hallo, ich kann mich daran erinnern, dass es vor einigen Jahren Spendenboxen in einigen Supermärkten gab.
    Diese Aktion sollte man vielleicht wiederholen. Da kommt bestimmt einiges zusammen.
    Herzliche Grüße
    Karin Iparraguirre

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