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Klettern und klönen

11.09.2018 | Leben

Der Canyon Chorweiler ist Kletterhalle und Stadtteilwerkstatt in einem. Er bietet Kletterern ein sportliches Zuhause – und den Bewohnern Chorweilers einen Treffpunkt mit vielseitigen Freizeitangeboten. 

Er ist nicht die größte, aber für eingefleischte Fans mit Abstand die schönste Kletterhalle – der Canyon Chorweiler. Antje und Manfred, beide Ende 40, kommen seit Jahren regelmäßig hierher. „Andere Hallen sind für uns eigentlich besser zu erreichen. Aber im Canyon gefällt es uns so gut, das ist uns den Mehrweg wert“, sagt Antje, und Manfred schwärmt: „Hier kennt jeder jeden, das ist schön. Die familiäre Atmosphäre ist was ganz Besonderes.“

Antje war 35 Jahre alt, als sie durch einen Freund zum Klettern kam. „Ich war schon immer viel draußen und hab mich gern an der frischen Luft bewegt. Da war das mit dem Klettern eine logische Fortsetzung.“ Anfangs kletterte sie ausschließlich im Freien – bis sie wegen eines Kälteeinbruchs im Canyon Chorweiler landete. „In einer Halle zu klettern, fand ich zuerst etwas merkwürdig. Aber ich hab mich schnell dran gewöhnt.“ Im Januar 2010 lernte sie in der Kletterhalle Manfred kennen, der damals noch Anfänger war. Antje erinnert sich: „Ich fragte damals, ob jemand am Wochenende mit mir draußen klettern geht. Manfred rief sofort ‚Hier!‘.“ Seitdem sind die beiden feste Kletterpartner – und mittlerweile auch privat ein Paar.

Antje arbeitet als kaufmännische Angestellte, Manfred ist Schlosser im öffentlichen Dienst. Zwei Mal pro Woche kommen sie nach Feierabend in den Canyon Chorweiler und verbringen mehrere Stunden hier. Nicht nur, um Sport zu machen, sondern auch, um soziale Kontakte zu pflegen. „Mit vielen Kletterern sind wir mittlerweile befreundet. Wir feiern Geburtstage zusammen und fahren manchmal am Wochenende gemeinsam auf Klettertouren“, erzählt Antje bei einem Milchkaffee in dem kleinen, netten Bistro, das mit seinem Innen- und Außenbereich und den fairen Preisen zum Klönen und Verweilen einlädt. Aber es ist nicht nur der Spaß, der die beiden regelmäßig in die Kletterhalle treibt, sondern auch sportlicher Ehrgeiz. „Kraft und Technik zu trainieren und bei einer schwierigen Route jedesmal ein Stück weiter zu kommen, das feuert uns an“, sagt Manfred.

Das Klettern in der Halle ist Vorbereitung für ihre Ausflüge in die freie Wildbahn. „In der näheren Umgebung von Köln gibt es leider nicht so viele Möglichkeiten. Deswegen fahren wir am Wochenende regelmäßig in die Pfalz.“ Dort liegt auch Antjes großes Kletter-Ziel. Die sogenannte „Götterverschneidung“ ist eine sehr anspruchsvolle Route, die Antje schon mehrmals probiert, aber noch nie bewältigt hat. „Ich scheitere immer am gleichen Punkt. Einmal habe ich die Stelle sogar geschafft – aber dann kam weiter oben die Angst und ich bin doch ausgestiegen.“

„Manfreds Leben hängt an dem Seil, das ich halte“

Angst ist beim Klettern ein regelmäßiger Begleiter – und das ist auch gut so. Denn sie schützt vor Selbstüberschätzung. „Klettern ist eine Grenzerfahrung“, sagt Antje. „Manfreds Leben hängt an dem Seil, das ich beim Sichern halte.“ Blindes Verständnis und gegenseitiges Vertrauen sind lebensnotwendig. Deshalb trainieren die meisten Kletterer mit einem festen Partner.

Vor kurzem musste Antje wegen einer Verletzung für mehrere Wochen pausieren. In dieser Zeit fuhr Manfred trotzdem in den Canyon Chorweiler. „Wenn man selber gerade keinen Kletterpartner hat, findet man hier immer zwei Kletterer, die einen mitmachen lassen. Das ist wirklich toll. Umgekehrt haben Antje und ich auch schon öfter Kletterer adoptiert, die gerade solo dastanden.“ Wenn Manfred übers Klettern redet, kommt er geradezu ins Schwärmen. „Früher bin ich regelmäßig ins Fitnessstudio gegangen. Das war Sport. Klettern ist viel mehr als das. Klettern ist ein Lebensgefühl.“ Und was sagt Antje dazu? Sie nickt zustimmend. Die beiden verstehen sich tatsächlich blind.

Aber der Canyon Chorweiler bietet nicht nur Kletterern einen Raum für ihr Lebensgefühl. Er ist bundesweit die erste Kletterhalle, die zugleich auch eine gemeinnützige Stadtteilwerkstatt ist. Geschäftsführer Tobias Dompke erklärt: „Hier gibt es neben dem Klettern auch Zirkus, Tanz, Theater, Kunst, Boxen und Ferienangebote für Kinder – alles unter einem Dach. Wir haben sogar eine Klettergruppe für Menschen mit Behinderung. Es ist wirklich toll zu sehen, dass auch Rollstuhlfahrer mit Unterstützung eine Kletterwand hochkommen.“

Die Angebote im Canyon Chorweiler sind vor allem auch für Kinder und Jugendliche aus sozial schwachen Familien gedacht. Einiges ist kostenlos, anderes für Köln-Pass-Inhaber vergünstigt. Auch Gutscheine aus dem Bildungspaket können angerechnet werden. Ziel ist es, das gemeinschaftliche Leben und die Integration in Chorweiler zu fördern – beides liegt den Mitarbeitern der GAG sehr am Herzen. Deswegen unterstützt das Immobilienunternehmern gleich mehrere Projekte der Stadtteilwerkstatt, darunter Kletterkurse für Flüchtlingskinder und Boxkurse für Kinder und Jugendliche. Auch die neuen Matten in der Kletterhalle hat die GAG gestiftet. Dompke lobt sie als „verlässliche Partnerin, die uns hilft, unseren gemeinnützigen Auftrag zu verwirklichen.“

Das vielseitige Angebot neben der Kletterei findet bei Antje und Manfred Anklang. Antje hat sich für einen Yoga-Kurs angemeldet und freut sich schon darauf: „Endlich eine Yoga-Lehrerin gefunden, die mir gefällt!“

Kletterhalle, Stadtteilwerkstatt, Begegnungsstätte – der Canyon Chorweiler ist so vielfältig wie die Menschen, die ihn nutzen. Hier findet jeder seinen Platz.

Fotos: Costa Belibasakis
Text: Sarah Siegl

Infos:

Canyon Chorweiler/ StadtteilWerkstatt Chorweiler gGmbH
Weichselring 6a
50765 Köln

Telefon 0221-53 43 510
Telefax 0221-58 96 706
info@canyon-chorweiler.de

Öffnungszeiten:
täglich von 10:00 bis 23:00 Uhr und nach Vereinbarung

Wer im Canyon Chorweiler eigenständig klettern möchte, muss die Sicherungstechnik beherrschen. Für Anfänger werden entsprechende Kurse angeboten. Alle Infos gibt es auf der Homepage.

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