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„In Nippes tobt das kölsche Leben“

22.11.2016 | Menschen

Name:
Klaus Conzen

Geboren:
1957 in Köln

In Köln seit:
immer schon

Beruf:
Rechtsanwalt/Fachanwalt für Miet- und Wohnungseigentumsrecht

Lieblingsort:
Nippes

Es ist schon schön in Müngersdorf, so im Grünen. Die Familie war ein Grund, dorthin zu ziehen. Aber in Nippes ist eindeutig mehr los, da tobt das kölsche Leben. Meine Vorfahren stammen von da, und ich bin mindestens einmal im Monat dort. Dann gehe ich gerne über den Wilhelmsplatz mit seinem täglichen Wochenmarkt. Sowas gibt’s sonst gar nicht mehr in Köln!

Nippes hat sich enorm gemacht, finde ich. Vor 15 Jahren hatte ich noch die Befürchtung, irgendwann kippt das. Aber das ist zum Glück nicht eingetreten, im Gegenteil: Es hat sich wirklich viel zum Positiven verändert. Das kann man sonst von Köln nicht immer behaupten. In der Nachkriegszeit ist baulich viel schiefgegangen. Und was wirklich auf die Nerven geht, ist der Dreck überall, diese Schludrigkeit. Der öffentliche Raum in Köln ist ziemlich vernachlässigt.

klaus conzen kölnbeste gag

Was allerdings immer positiv war und ist in Köln, ist dieser lebendige Bevölkerungsmischmasch. Die Stadt ist Zuwanderung seit Jahrtausenden gewohnt: der Rhein, die guten Böden – das hat Menschen aus aller Herren Länder schon immer angezogen. Vielleicht sind die Kölner deshalb ein bisschen weniger engstirnig und ein bisschen toleranter als die Bewohner von Gegenden, die traditionell stärker abgeschottet sind.

Die Attraktivität von Köln in Altersklasse der um-die 25-Jährigen ist unglaublich!

Zurzeit kommen viele tausende Flüchtlinge zu uns. Das ist natürlich eine Riesenaufgabe. Aber hochgerechnet auf rund eine Million Einwohner sollte ihre Integration zu schaffen sein. Das muss gelingen! Und es wird gelingen. Obwohl es natürlich ein Problem ist, dass so viel Wohnraum fehlt. Die Prognosen aus der jüngeren Vergangenheit, wonach Köln unter eine Million Einwohner bleiben sollte, waren alle total falsch. Die Anziehungskraft Kölns wurde vollkommen unterschätzt. Ich sehe das in der Generation meiner Kinder, die gerade um die 25 Jahre alt sind. Die Attraktivität von Köln in dieser Altersklasse ist unglaublich!

Das war bei mir zu meiner Studentenzeit ein bisschen anderes. Damals fand ich Köln nicht so prickelnd, die Uni schien mir so groß und anonym. Also bin ich nach Bonn gegangen. Das ist gemütlicher. War natürlich nicht so wirklich weit weg – der Rheinländer verlässt seinen Rhein eben nur ungern. Das heißt aber nicht, dass ich nicht auch rumgekommen bin. Ich habe mich schon bemüht, über den Tellerrand zu gucken. Aber ich war immer auch froh, wenn ich wieder zu Hause war.

Ich werde bald 60 Jahre alt. In dem Alter gibt es viele, die aus den Vororten wieder in die Stadt ziehen, um die urbanen Vorteile wahrnehmen zu können – die kurzen Wege, die kulturellen Möglichkeiten … Warum also nicht nochmal umziehen – nach Nippes?

Fotos Patrick Essex
Text Sebastian Züger

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