„Meine erste Fremdsprache war Hochdeutsch“

18.09.2019 | Menschen

Name:
Katharina Petzoldt

Geboren:
1939

In Köln seit:
Immer schon

Beruf:
Mundart-Autorin, Kolumnistin, Radio-Moderatorin, Kölsch-Dozentin

Lieblingsort:
Büdchen am Kalscheurer Weiher

Katharina Petzholdt Köln Beste Menschen Kölsch Dozentin Kölner Wochenspiegel GAG Immobilien AG Zollstock Kölsch Akademie

Wie jeder Kölner – so sagt man jedenfalls – liebe auch ich meine Stadt. Ich habe von klein auf in Köln gewohnt und Kölsch gesprochen. Auch in meiner Familie wurde Kölsch gesprochen. Meine erste Fremdsprache war Hochdeutsch.

1939 wurde ich in Köln geboren. In der Herthastraße in Zollstock bin ich aufgewachsen. Mein Opa hatte dort ein Haus gebaut mit einer Metzgerei. Auch in der Herthastraße waren Häuser durch Bomben zerstört worden. Wir Kinder spielten auf der Straße und in den Trümmern. Da wurde auch nur Kölsch gesprochen. Die Straße gehörte nicht zu den vornehmen Wohngegenden. Wohnte man dort, bekam man gleich den Stempel Krade ab. Das hat mich als Kind oft tief gekränkt. Ich habe eigentlich nie herausgefunden, warum die Straße so einen schlechten Ruf hatte, denn dort wohnten Kölsche Lück, Lück wie ich un do. No jo, och e paar Krade. Ävver die wonne üvverall. Etwas Negatives habe ich in der Straße nie erlebt.

Im echten kölschen Miljö lag man nachmittags auf einem Kissen im Fenster und tauschte die neuesten Nachrichten aus. Finstere nannte man das. Fienche, wat kochs de hück? Ääzezupp! Hatte mer jestere! Man hörte so manchen Heimatklang.

Heute bin ich stolz, im echten kölschen Miljö aufgewachsen zu sein, ich könnte sonst nicht das machen was ich mache.

Ich wohne immer noch om Zollstock in einer Wohnung mit Blick auf den Vorgebirgspark. Ein wunderschöner Ahornbaum steht vor meinem Wohnzimmerfenster, in dem oft die zugezogenen Papageien Familientage abhalten. Dann ess do jet loss!! Ich habe immer meine helle Freude dran. Viel und gerne gehe ich im Vorgebirgspark spazieren oder laufe mit meinem Pflegehund aus der Nachbarschaft zum Kalscheurer Weiher, einem meiner Lieblingsplätze.

Katharina Petzholdt Köln Beste Menschen Kölsch Dozentin Kölner Wochenspiegel GAG Immobilien AG Zollstock Kölsch Akademie

Oft gehe ich durch meine alte Herthastraße, in der man heute gerne wohnt. Lehrer, Studenten, Künstler haben sich dort niedergelassen. So ändern sich die Zeiten! Heute finden dort Straßenfeste statt und man hat den Eindruck, dass da wieder das kölsche Leben gepflegt wird, trotz oder besonders wegen der vielen Imis, die zugezogen sind.

Gelernt habe ich den Beruf der Bankkauffrau. Nach den Kindererziehungsjahren fand ich eine Anstellung bei der Stadt Köln im Schulsekretariat der Gesamtschule Zollstock, der späteren Europaschule Köln, wo ich bis zu meiner Pensionierung gearbeitet habe.

Nachdem meine Kinder aus dem Hause waren, belegte ich ein Kölsch-Seminar an der Akademie för uns kölsche Sproch, welches ich mit ärch jot abschloss. Dort wurde mir bewusst, in welch herrlichen Stadt ich wohne mit einer über zweitausendjährigen Stadtgeschichte und einer eigenen Stadtsprache! Welche Stadt kann sich rühmen, eine eigene Sprache zu haben?

Den Hinweis Sprich anständig!, den ich als Kind oft gehört habe und der nichts anderes bedeutet als Sprich Hochdeutsch, konnte ich damals schon nicht wirklich verstehen. Wenn sich eine Sprache nicht fein anhört, dann ist nicht die Sprache daran schuld, sondern die Leute die sie sprechen.

Vielleicht war das auch der Grund, dass ich mich um eine Dozentenstelle bei der Akademie för uns kölsche Sproch beworben habe. Nach einem Vorstellungsgespräch wurde ich 1989 in den Kreis der Kölsch-Dozenten aufgenommen und ich bin bis heute immer noch mit Begeisterung dabei.

Seit zehn Jahren schreibe ich für den Kölner-Wochenspiegel En klein Kölsch-Lektion. Kölsch zu schreiben ist noch schwerer als Kölsch zu sprechen, denn Kölsch hat, wie jede Sprache, eine eigene Grammatik. Ein großes Glück war auch, dass ich sechs Jahre bei unserem Kölsch-Professor, Dr. Heribert A. Hilgers, die Kölsche Sproch von der Pike auf schreiben lernen konnte. Es war eine harte Schule aber heute bin ich Dr. Hilgers noch von Herzen dankbar.

Außerdem arbeite ich im Bürgerfunk mit und habe eine eigene Radiosendung unter dem Titel Klaaf un Tratsch op kölsche Aat.

Meine Lieblingsstücke in der Wohnung? Einmal abgesehen von meinen zahlreichen Kölsch-Literatur-Büchern, Köln-Büchern und -CDs habe ich zwei Jecke Höhner vun Kölle, die ich gewonnen habe, eine stattliche Anzahl von Karnevalsorden, mein 50 Jahre altes Vintage-Sofa und die wundervollen Handarbeiten meiner Freundin Marlis, die 25 Jahre lang Kunstgewerbedozentin an der Volkshochschule war.

 

Wer mehr über oder von Katharina Petzoldt wissen möchte, kann den Bürgerfunk bei Radio Köln UKW 7,1 einschalten. Weitere Infos über ihre monatliche Sendung „Klaaf un Tratsch op kölsche Aat“ gibt es hier.

Ihre Bücher „En klein Kölsch-Lektion“ und  „..un friedachs jitt et Fesch“ sind im Regionalia-Verlag erschienen. Wöchentlich veröffentlicht der Kölner Wochenspiegel „En klein Kölsch-Lektion“. Das Hörbuch mit dem Titel „Wä sök, dä fingk“ wurde im Dabbelju-Verlag aufgenommen.

 

Fotos: Costa Belibasakis
Text: Jana Mareen Züger

 

 

 

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


*

Diese Webseite benutzt Cookies, um bestimmte Funktionen zu ermöglichen und sein Angebot zu verbessern. Indem Sie hier fortfahren, stimmen Sie der Nutzung von Cookies zu. Mehr Informationen hier!.

OK