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„Es ist nicht egal, in welcher Sprache man singt“

12.10.2018 | Menschen

Name:
Bastian Campmann

Geboren:
1977

In Köln seit:
immer schon

Beruf:
Musiker

Lieblingsort:
Der Wald

So. Die neue Single ist im Kasten. „Alle su yeah!“ heißt sie. Bin gespannt, wie Ihr sie findet. Man fängt ja schließlich bei jedem neuen Lied wieder bei Null an. Am Samstag, dem 13. Oktober 2018, spielen wir auf dem Hammerevent in Kalk, und dann nix wie ab in den Urlaub. Eine Woche Pause. Ich freu mich drauf. Ein bisschen abschalten und Kraft tanken für unsere kommenden Konzerte.

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Mit seiner Kraft muss man schon haushalten als Musiker, besonders natürlich im Karneval. Wenn du an einem Tag acht bis zehn Konzerte spielst, um die 200 in einer Session, dann ist das nicht nur eine besonders wertvolle Erfahrung, sondern auch besonders anstrengend. Ein Knochenjob – macht ja keinen Sinn, was anderes zu behaupten. Man will schließlich bei jedem einzelnen Auftritt alles geben für die Menschen vor der Bühne, denn denen ist es völlig zurecht total egal, wie viele Gigs du vorher schon hattest. Die freuen sich auf Kasalla, und das sollen sie dann auch kriegen. Zum Glück bekommt man natürlich vom Publikum ganz viel Energie zurück. Und außerdem hab ich einen Weg gefunden, um gesund durch den Karneval zu kommen: Tee und Gemüse. Damit geht’s.

Die Zeit im Karneval verschwimmt in der Erinnerung immer ein bisschen. Ist ja klar bei dem dichten Programm. Die Ideen und Themen für neue Songs findet man eher im Alltag oder wenn man sich bewusst Zeit für die Suche nimmt. Wir waren deshalb diesmal für zwei Wochen in einer Scheune in Hessen. Wobei – „Scheune“ klingt so schäbbich, das war eine sehr schön ausgebaute Scheune in Dagobertshausen. Und nein, da war kein Geldspeicher im Keller, dafür sehr viel Ruhe. Genau das, was man braucht zum Kreativ-Sein.

Der Dialekt zieht sich bei uns wie ein Roter Faden durch

Der Dialekt zieht sich bei uns wie ein Roter Faden durch alles, was wir tun. Ich würde sogar sagen: Er war die Keimzelle für die Gründung von Kasalla. Das ist ja jetzt auch schon ziemlich lange her – 2011, um genau zu sein. Damals gab es so eine richtige Kölsch-Krise. Sogar in einer Institution wie dem Millowitsch-Theater – das inzwischen ja geschlossen hat – haben sie überlegt, ob sie nicht besser auf Hochdeutsch spielen sollen. Wir fanden das ganz furchtbar damals. In der Stadt hat man kaum noch Leute getroffen, die Kölsch gesprochen haben. Und es gab auch – die Brings mal außen vor – keine coole Musik „op Kölsch“. Wieso nicht? Das muss doch gehen! Und das haben wir mit unserem Punkrock-Background dann versucht.

Köln hat eine einmalige Musikszene, die schiere Menge und die Vielfalt an kölschem Sangesgut ist einzigartig. Sowas gibt’s vergleichbar vielleicht noch in Irland, ein bisschen auch in Österreich oder Bayern – LaBrassBanda fallen mir da ein. Wenn man’s genau nimmt, reden wir da von „Volksmusik“. Aber das ist natürlich ein total uncool besetzter Begriff. Wenn man’s auf Englisch sagt, ist es ganz was anderes: „Folkmusic“. Bob Dylan zum Beispiel macht eigentlich Volksmusik.

Es ist nicht egal, in welcher Sprache man singt. Text und Musik bedingen einander. Bei Kasalla ist die kölsche Sprache Teil der DNA. Und das bedeutet überhaupt nicht, dass man deshalb alles an Köln toll finden muss. Überhaupt nicht! Ich bin gebürtiger Kölner, ich liebe die Stadt – aber wer ernsthaft behauptet, Köln sei die schönste Stadt Deutschlands, der hat sie nicht alle. Die Art und Weise, wie der Filz in der Verwaltung, der sogenannte „Klüngel“, folkloristisch verniedlicht wird, ist überhaupt nicht gut, das sieht man ja wieder an laufenden Bauprojekten wie dem Opernhaus. Klar gibt’s sowas in anderen Städten auch. Aber es drängt sich schon der Eindruck auf, dass in Köln intensiver geklüngelt wird als anderswo.

Ich will mir den Begriff „Heimat“ nicht von irgendwelchen rechten Idioten nehmen lassen

Trotzdem bin ich hier gerne zuhause. Ich will mir den Begriff „Heimat“ nicht von irgendwelchen rechten Idioten nehmen lassen. Ich komme ja selbst aus einem eher linken Milieu, da ist das Naserümpfen schon manchmal groß, wenn man man sich zu seiner Herkunft bekennt und ein Wort wie „Heimat“ ohne Beigeschmack in den Mund nehmen kann. Wir kennen das von gemeinsamen Auftritten mit Kabarettisten. Die gehen dann intellektuell schmunzelnd weg, wenn wir kommen. Aber in diesem Spannungsfeld bewegen wir uns eben. Da gehen wir gerne durch.

Zur Website von Kasalla

Besetzung (Bild unten, von links):

ANHANG-DETAILS Gespeichert. bastian_kasalla_1080.jpg 12. Oktober 2018 98 KB 1080 × 720 Bild bearbeiten Unwiderruflich löschen URL https://www.koeln-beste.de/wp-content/uploads/2018/10/bastian_kasalla_1080.jpg Titel bastian campmann kasalla kölnbeste GAG

Fotos: Ben Wolf
Protokoll: Sebastian Züger

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