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Ober­fläch­lich? Wir Kölner? So ein Quatsch!

19.10.2016 | Menschen

Name:
Karin Joest

Geboren:
1956 in Köln-Longerich

In Köln seit:
immer

Beruf:
GAG-Sozialarbeiterin

Lieblingsort:
Die Seilbahn über der Zoobrücke

Ich hab zwei Jahre in Münster gewohnt. Zum Studieren. Das ist mir wahnsinnig schwergefallen. Die waren alle so zugeknöpft, ganz anders als die Kölner! Bis man da mal mit wem ins Gespräch gekommen ist …

Wenn man sowas erzählt, kommt ja immer der Einwand, die Kölner seien so oberflächlich. Ganz ehrlich? Das ärgert mich! Als ob wir die Leute am nächsten Tag nicht mehr erkennen würden! So ein Quatsch!

Ich bin in Longerich geboren. Vor genau 60 Jahren, mitten im Karneval. Ich bin also sowas wie ein Kölsches Christkind, denn für den Kölner ist der Karneval ja mindestens so wichtig wie Weihnachten. Und in meiner Familie sind alle richtige Kölner.

„Ich hab ihm das Kölsche Herz implantiert“

Mein Mann ist allerdings aus dem Sauerland. Die sind ja eigentlich schon ein bisschen anders, aber ich hab ihm das Kölsche Herz quasi implantiert. Er kam damals zum Studieren nach Köln und hat dann beim Wohnungsamt der Stadt Köln gearbeitet. Wir waren beide für das selbe „Schwerpunktwohngebiet“ zuständig und hatten von Anfang an die gleiche Einstellung zu den Menschen, die in unseren Häusern wohnen: „Met Hätz, Jrips un Jeföhl.“

Irgendwann haben wir gemerkt, dass wir uns ineinander verliebt hatten. Wir hören zusammen Trude Herr, Tommy Engel oder Köster & Hocker. Den Gerd Köster liebe ich ja, der ist aus Longerich, genau wie ich. Der ist so dreckelig, aber sehr treffend mit seiner Sprache. Das ist für andere manchmal grenzwertig, aber ich mag das.

Bei mir ist die Kölsche Mundart auch immer präsent, sogar wenn ich Hochdeutsch rede. Das hört man bei mir einfach raus. Aber das macht nix, schon gar nicht den Menschen, mit denen ich im Job zu tun habe. Ich bin zuständig für den Pohlig-Block der GAG in Zollstock und kümmere mich als Sozialarbeiterin zum Beispiel um die Leute, die wegen Modernisierungsmaßnahmen vorübergehend ihre Wohnung verlassen müssen. Da ist es total wichtig, ihnen das Gefühl zu geben, dass man sie nicht aus ihrem Haus vertreibt. Und das tun wir ja auch nicht. Das sind, wie gesagt, vorübergehende Geschichten, aber trotzdem anstrengend für die Leute. Dafür muss man Verständnis haben, dann haben die auch Verständnis für die Modernisierungsmaßnahme der GAG.

„Einmal im Jahr setz ich mich in die Seilbahn“

Was mich echt nervt, sind diese ewigen U-Bahn-Baustellen in Köln. Ob die jemals fertig werden? Vielleicht hätten sie’s einfach lassen sollen wie früher. Da fuhr die Bahn komplett überirdisch, das war viel schöner. Man sieht beim Fahren was von der Stadt, so wie von der Seilbahn aus, die über die Zoobrücke fährt. Die fand ich schon als Kind toll. Mindestens einmal im Jahr setz ich mich da rein. Das gehört für mich fest zum Jahresablauf.

Foto Patrick Essex
Text Sebastian Züger

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