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„Als ich hier neu war, war das ein Kulturschock für mich“

27.03.2017 | Menschen

Name:
Julia Samhaber

Geboren:
1977 in Wien

In Köln seit:
2003

Beruf:
Musikerin

Lieblingsort:
Schillplatz, Nippeser Tälchen, Agneskirche

Wien ist meine Heimat. Köln ist mein Zuhause – seit 2003. Es gibt also zwei Orte in meinem Leben, die mir vertraut sind. Ich empfinde das als große Bereicherung.

Das Wienerische in der Art und in der Sprache kommt mir allerdings so langsam abhanden. Manche Leute bemerken das gar nicht mehr. Ich bin auch nicht mehr häufig in Wien, nur noch alle ein, zwei Jahre. Wenn ich da bin, ist es schön, aber auch anstrengend. Man muss dann immer ganz viele Leute treffen.

Einer der größten Unterschiede zwischen beiden Städten: Die Wiener lieben ihre Stadt insgeheim auch, verleihen dem aber nicht so einen sichtbaren Ausdruck wie die Kölner. Es wird größtenteils gejammert und sich beschwert. Ich finde diese offene Heimatliebe der Kölner was Schönes, und auch, dass diese eigene kölsche Kultur hier so gepflegt wird. Aber das hat natürlich auch Nachteile: Durch die rosarote Brille sieht man die Probleme nicht so richtig, und davon hat Köln schon einige.

Als ich hier neu war, war das ein heftiger Kulturschock für mich. Wien ist wie ein einziges Museum: supersauber, total durchorganisiert, total ordentlich. Das ist fast schon zuviel des Guten, aber die Stadt lebt halt vom Tourismus – mehr noch als Köln. Wenn Du dann von Wien nach Köln kommst, merkst Du an allen Ecken und Enden die schlechte Organisation: die Mülleimer quellen über, die öffentlichen Verkehrsmittel sind nicht in Schuss, die Straßen sind voller Löcher, überall Baustellen.

Man kann doch seine Stadt lieben und sie trotzdem nicht so verkommen lassen

Viele sagen dann: So sind die Kölner halt, die lieben ihre Stadt auch so! Aber ich finde, dass da Dinge verknüpft werden, die überhaupt nicht zusammengehören: Heimatliebe und Schlampigkeit. Man kann doch seine Stadt lieben und sie trotzdem nicht so verkommen lassen!

Aber das klingt jetzt so negativ. Ich bin ja gerne hier. Ich habe mich vom ersten Tag an wohlgefühlt, und ich konnte beruflich schnell Fuß fassen. Noch in Wien hab ich Jazzgesang studiert, darüber kannte ich ein paar Musiker hier. Ich habe dann das Damen-Ensemble Femmes Fatales gegründet, bei dem ich bis 2015 mitgesungen und die Musik geschrieben habe. Jetzt gibt es ein neues Projekt: Die dürfen das. Bass, Bariton, Tenor und ich als Altsstimme. Im April und Mai haben wir unsere ersten Auftritte. Wir singen selbst geschriebene Songs mit deutschen Texten.

Ich war zum Glück nie festgelegt auf eine bestimmte Richtung, ich hab mich neben Jazz auch immer für klassische Popmusik interessiert, von den Beatles bis heute. Zurzeit bin ich auch Pianistin und Backgroundsängerin bei der Fantasy-Rockband Elfenthal, singe im Konzertchor Köln mit, der gerade eine Bruckner-Messe vorbereitet, und außerdem kann man mich auch alleine buchen: für Betreutes Singen mit Frollein Julia. Das hab ich lange Zeit regelmäßig im Nippeser Heimathirsch gemacht, inzwischen bin ich damit an vielen Orten unterwegs.

Und dann sind da noch meine beiden Chöre, die ich leite: Corolonia am italienischen Kulturinstitut und die Swinging Sixties, das ist ein Seniorenchor aus Niehl. Da machen wir alles von alten Schlagern über Karnevalslieder bis hin zu Volksmusik. Zurzeit haben wir allerdings ein kleines Nachwuchsproblem bei den tiefen Stimmlagen: Wir haben nur noch einen Mann im Chor. Also, Männer – bitte melden!

Zur Website von Julia Samhaber

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Fotos Patrick Essex
Text Sebastian Züger

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