Diese Webseite benutzt Cookies, um bestimmte Funktionen zu ermöglichen und sein Angebot zu verbessern. Indem Sie hier fortfahren, stimmen Sie der Nutzung von Cookies zu. Mehr Informationen hier!.

OK

„Nicht am Rhein wohnen ist wie Schokokuchen ohne Smarties“

06.06.2019 | Menschen

Name:
Johannes Stankowski

Geboren:
18. Mai 1980 in Köln

In Köln seit:
Immer schon

Beruf:
Liedermacher

Lieblingsort:
Die Poller Wiesen

Johannes Stankowski Liedermacher Kindermusik alles wird GAG Immobilien AG Köln Beste

Geboren bin ich in der Südstadt. Dort bin ich auch aufgewachsen. Ich habe mich schon als Jugendlicher fürs Musikmachen interessiert. Meine Südstadtfreunde und ich nannten uns damals ganz cool die Eierplätzchen Power, kurz: EPP. Wir hatten auch noch ein paar gute Freunde beim RLU, dem Rösrath Lofi Underground.

„Da gab’s so einige Heiopeis und popaffine Leute wie mich“

Nach meinem Zivildienst im Obdachlosenheim in der Annostraße wollte ich mal raus aus Köln und die Große Weite Welt sehen. Zuerst bin ich nach Hamburg abgehauen und dort zur School of Music gegangen, einer Art Popmusik-Uni. Da gab’s so einige Heiopeis und popaffine Leute wie mich, also junges Gemüse, das nicht stringent oder diszipliniert genug für ein richtiges Musikstudium war. Der Unterricht und die Workshops kamen da von verschiedenen Produzenten und Musikern, die in der Popwelt bereits erfolgreich waren und uns mal zeigten, wie das alles geht.

„Gitarrenbauen ist mir zu einsam“

2005 habe ich dann in England in der Nähe von Nottingham eine Ausbildung zum Gitarrenbauer gemacht. Das machte mir viel Spaß und ich lernte viele Menschen mit ähnlich großer Liebe zu Instrumenten kennen. Das Arbeiten mit den Händen mochte ich sehr – kannte ich ja auch noch aus meiner Waldorfschul-Zeit. Es war eine feine Sache, aber irgendwie war mir die Berufsaussicht zu isoliert, weil man ja als Gitarrenbauer wirklich viel allein vor sich hin werkelt. Hinzu kommt, dass ich mich handwerklich einfach nicht perfektionistisch genug fühlte, um perspektivisch auf höchstem Niveau klassische Konzertgitarren zu bauen. Aber eine wunderschöne Gitarre hab ich fertig bekommen, und die ist mir auch mein liebstes Instrument geworden.

Parallel zu England habe ich ja auch noch in Berlin gewohnt. Da bin ich dann häufig am Wochenende hin und habe von dort aus im deutschsprachigen Raum Konzerte gespielt. Mit Simon Werle hatte ich zu der Zeit nämlich eine relativ erfolgreiche Sache am Laufen, Werle & Stankowski. Den Simon kannte ich noch aus der Zeit mit EPP und RLU. Der hatte einen MPC-Sampler und konnte da unheimlich gut mit umgehen, das war beeindruckend. Wir machten 2001 gemeinsam einen Soundtrack für einen Film und dann gleich zusammen weiter als Werle und Stankowski. Bis 2009 haben wir zusammen Musik gemacht. Dann ging jeder seine eigenen Wege.

Johannes Stankowski Liedermacher Kindermusik alles wird GAG Immobilien AG Köln Beste

„Ich liebe es, am Wasser zu sein“

Meine Freundin Bille und ich haben 2008 in Berlin unser erstes Kind bekommen, meine Mutter und ihr Vater wohnten in Köln. Zu dem Zeitpunkt waren wir beide vom Party-Life in Berlin auch irgendwie durch. Das Baby war gerade mal zwei Wochen alt, da waren wir zurück in Köln.

Wir haben schnell gemerkt, dass das eine gute Entscheidung war. Die Größe der Stadt ist perfekt. Die innerstädtischen Parks und Grünflächen – Wahnsinn. Das Beste aber ist der Rhein! Ich liebe es, am Wasser zu sein. Ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, in Köln, aber nicht in unmittelbarer Rheinnähe zu wohnen. Das ist doch wie Schokokuchen ohne Smarties!

Es ist völlig egal, auf welcher Seite man wohnt. Auch die Schäl Sick ist super. Flittard, Porz, egal – Hauptsache, man ist schnell am Rhein. Ich fahre oft mit dem Rad zu den Pollerwiesen und schreibe dort meine Texte. Es ist einer der wenigen Orte in Köln, wo man die Sonne wirklich bis zum Untergang sehen kann. Das hat man ja zwischen den ganzen Häusern nicht, wenn man im Café sitzt. Apropos Café: Den besten Kaffee gibt es in der Südstadt bei Massimo in der Bar Italico.

„Köln vereint Arbeit, Urlaub und Lebensqualität.“

Köln vereint Arbeit, Urlaub und Lebensqualität auf höchstem Level. Vor einiger Zeit haben wir die Wohnung in Bayenthal gegen eine zweigeschossige in der Alteburger Straße getauscht. Hier möchte ich eigentlich auch bleiben.Wenn die Sonne scheint, explodiert die ganze Stadt, alle kommen aus ihren Löchern und genießen es. Manche bekommen gar nicht genug davon und feiern die ganze Nacht durch, so wie ich früher. Und dann denke ich schon manchmal, so nachts um zwei Uhr, heimlich bei mir: Jetzt haltet mal den Rand!

Für einen gebürtigen Kölner bin ich eigentlich etwas soziophob. Ich kann nicht auf jeden Smalltalk eingehen, was die Kölner ja sonst gerne machen. Mich kennen zwar viele in der Südstadt, aber ich möchte nicht zum Grüß-Onkel mutieren. Wenn ich irgendwo sitze, wirke ich auf manche Menschen vielleicht abweisend. Das heißt aber nur, dass ich bei mir und in Gedanken bin. Die Leute, die mich kennen, wissen und respektieren das – ein Grund mehr, warum ich mich hier so wohl fühle.

Johannes Stankowski Liedermacher Kindermusik alles wird GAG Immobilien AG Köln Beste

„Auftrag an mich: Finde gute Kindermusik“

Mit Kindern hat man ja nun aber auch Verantwortung und muss Geld verdienen. Deshalb habe ich auch Auftragsarbeiten für die Werbung angenommen. Ich hatte das Glück, dass gleich meine erste Werbung für Olympus richtig erfolgreich war und die Agenturen auf mich aufmerksam wurden.

Während dieser Zeit fiel mir durch meine Kinder auf, dass es so gut wie keine richtig gute Kindermusik in Deutschland gibt. Einzige Ausnahme: Fredrik Vahle. Aber nach 80-mal Hoch- und Runterhören mussten Alternativen her. Auftrag an mich also: Finde gute Kindermusik!

Ich fand aber nichts, das gewitzt und gut produziert war. So entstand in meinem Kopf langsam die Idee, selbst eine Kinderplatte zu machen. Ein Schlaflied hatte ich für meine Kinder schon geschrieben, aber ich traute mich nicht, ohne Produktions-Budget weiter zu machen.

„Wir merkten, dass es Bedarf an wertiger Kindermusik gibt.“

Verrückterweise bekam ich zu genau diesem Zeitpunkt eine E-Mail von einem Fan, der meine damalige Solo-Platte Torres Vol. 01 super fand und sich dafür bedankte. Und zufällig hatte er, Manfred Söntgen, einen Kinderbuch- und Musikverlag den PÄNZ Verlag. Also fingen wir an zusammenzuarbeiten und merkten schnell, dass es wirklich Bedarf an wertiger Kindermusik gibt. Ich kam in meinen Flow. Mit dem Song Alles wird grün hatte ich direkt ein Thema und einen Turnus: die Jahreszeiten. Durch das Buch kam ein geeigneter Vertriebsweg dazu und eine Zuhörerschaft, die nachwächst.

In meiner Kindheit und Waldorfschul-Zeit haben mich die Bücher von Eva-Maria Ott-Heidmann total begeistert, die ist so eine Ikone in der anthroposophischen Szene. Deshalb wollte ich sie unbedingt für die Illustrationen gewinnen. Sie ist inzwischen über 80 Jahre alt und lebt in der Nähe von Berlin auf dem Land. Die Zusammenarbeit war wahnsinnig witzig. Stundenlang setzten wir uns am Telefon auseinander und kabbelten uns. Sie fand meine Musik manchmal zu flott und zu frech. Dafür wollte sie zum Beispiel Zäune um die Hühner malen, ich nicht. Ich wollte freilaufende Hühner! Es gab viele schöne Synergien und wir machten noch Alles wird bunt und Alles wird weiß zusammen.

Johannes Stankowski Liedermacher Kindermusik alles wird GAG Immobilien AG Köln Beste

Mit der Kindermusik war der Grundstein gelegt. Ich hatte keinen Bock mehr auf Werbung. Ich bin ja auch von meinen ethischen Werten geritten, für sowas wie große Burger-Ketten will ich nicht arbeiten. Ich lebe seit 2010 vegan und da mache ich natürlich nix für Fleisch und Käse und so. Aber bei den Agenturen musst du springen, sonst giltst du als schwierig. Durch die Kindermusik kann ich mir das nun aber einigermaßen leisten.

Meine Weltanschauung und die Wertschätzung der Schöpfung bringe ich nur in minimalen Dosen in die Musik mit ein. Nichts törnt mehr ab als jemand, der ständig mit dem Zeigefinger herumfuchtelt. Das hat für mich in der Musik auch nichts zu suchen. Ich möchte lieber den Punkt erwischen, an dem die Hörer, egal ob klein oder groß, ganz ohne pseudopädagogischen und ideologischen Druck selber über dieses oder jenes nachzudenken beginnen.

Manche Leute aus der Waldorf-Ecke fanden die Musik zu flott. Da dachte ich: Entweder ihr macht euch locker oder ich muss woanders hin rudern. Daraus hat sich eine Art künstlerische Zäsur für mich ergeben. Was die grafische Aufarbeitung meiner Lieder angeht, wurde es also eine Jahreszeiten-Trilogie, denn ich schaute mich für den vierten Teil nach weiteren Illustratoren um und fand das Buch Stark wie ein Bär von Katrin Stangl. Das war genau das Richtige für mich. Ihr Style, mit Siebdruck und Scherenschnitt zu arbeiten, hat eine sehr passende Ebene. Trotzdem gibt es noch genug Raum für Interpretation und eigene Gedanken. Auch mit ihrer Kollegin Heike Herold entstand eine sehr wertvolle Zusammenarbeit. Beide waren eigentlich ausgebucht, wollten das Projekt aber trotzdem gerne mitmachen und haben sich die Gestaltung von Buch und CD meiner Tausend schöne Dinge deshalb aufgeteilt.

„Ich bin frei und kann machen, was ich will.“

Ich bin sehr dankbar und auch stolz, dass ich diesen Wechsel gemacht habe. Tausend schöne Dinge ist jetzt nicht mehr so ideologisch. Das finde ich geil. Jetzt bin ich frei und kann machen, was ich will.

Momentan habe ich ein weiteres schönes Projekt. Die Stadt Köln hat mich gefragt, ob ich eine Kinderkonzertreihe auf dem Ebertplatz organisieren möchte. Aber klar! Am Donnerstag, 6. Juli 2019 um 17 Uhr ist die erste Ausgabe von EbertPÄNZ. Ich habe die Muckemacher aus Berlin eingeladen. Die sind absolut fantastisch, ein bisschen wie Manu Chao für Kinder. Echte Musik, voller Liebe, einfache Lyrik und super gangbar für Kinder. Ich moderiere die Veranstaltung und gebe dann ab an die „Muckemacher“. Denen wünsche ich eine Riesenkarriere.

Weitere Termine für die EbertPÄNZ-Reihe stehen auch schon fest: 4.7.,1.8., 5.9. und 3.10. Jeweils um 17 Uhr. Der Eintritt ist frei!

Fotos: Costa Belibasakis
Text und Clip: Jana Mareen Züger

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.