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Networking und Nachhaltigkeit

25.03.2019 | Menschen

Name:
Jessica Knetsch

Geboren:
05.07.1981

In Köln seit:
2010

Beruf:
Café- Inhaberin

Lieblingsort:
Stadtgarten an der Venloer Straße

Die Pippi Langstrumpf aus Nippes hat ihre Villa Kunterbunt im Belgischen Viertel. Jessica Knetsch hat zwar kupferfarbene Haare, aber keinen Affen oder ein Pferd. Dafür aber einen Hund namens Ginger, und ihr Zuhause ist das vegane Café Vevi, das sie liebevoll mit Vintagemöbeln eingerichtet hat. “Gebrauchte Sachen strahlen viel mehr Wärme aus und haben eine Geschichte. Auch wenn ich die nicht kenne. Aber das hat in mir immer ein wahres Gefühl ausgelöst. Alte Sachen zum neuen Leben zu erwecken, macht halt Spaß.”

Im Café Vevi verbringt die Wahlkölnerin viel Zeit, steht morgens schon in der Küche und bereitet vegane Kuchen, Getränke und Speisen vor. Ein eigenes Café zu eröffnen, war ein lang gehegter Wunsch der 38 Jährigen. Über zwei Jahre lang hat sie nach einer passenden Location in Köln gesucht, um mit dem eigenen Café ihre Vorstellungen von nachhaltiger Ernährung und einem bewussten Umgang mit der Umwelt zu verwirklichen. “Ich habe mir meine Welt geschaffen. Das ist halt `ne gute Welt in meinen Augen. Ich bin so wie ich bin. Ich möchte ein Bewusstsein für Mensch, Tier und Umwelt schaffen. Dass die Leute anfangen, umzudenken. In einer Großstadt ist man mit so vielen Dingen konfrontiert. Allein der ganze Müll auf der Strasse.”

koeln beste gag cafe vevi jessica knetsch menschen 2

In Jessicas Café gibt es beispielsweise nur Strohhalme aus Glas. Ihre Take-Away- Kunden lassen sich kleine Speisen, Heißgetränke oder Müslis in mitgebrachte Weck- Gläser oder Becher füllen.

“Es ist schön, wenn man mit seiner Art zu leben, andere Leute mitzieht. Und im Belgischen Viertel treffe ich auf Gleichgesinnte. Da ist mein Schlag Mensch. Die sind alternativer, urban und offen. Das ist mega gut”, sagt die Café- Betreiberin, die von allen nur “Jess” genannt wird.

Das Vevi- Café ist täglich von 9 bis 17 Uhr und am Wochenende bis 18 Uhr geöffnet. Jessica schmeißt den Laden alleine. Nur am Wochenende sind zwei Aushilfen zusätzlich für die Gäste da. Der Laden ist immer voll, denn die Leute fühlen sich zwischen den alten Möbeln aus den 1950er bis 1980er Jahren wohl. Jessicas Lieblingsmöbel sind die Kinosessel und ein kleiner Sessel mit Blumendekor. Die mintgrüne Wandfarbe und die Einrichtungselemente aus Holz sollen an eine Waldlandschaft erinnern, erzählt Jessica, die beim Spazieren gehen oder Rezepte ausprobieren in der Küche so richtig entspannen kann. Das war nicht immer so.

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“Ich muss mitten drin sein.”

Aufgewachsen ist Jessica in Grevenbroich. “Irgendwie habe ich mir immer gedacht: Irgendwas stimmt mit mir nicht. Ich konnte mich da nicht so richtig entfalten. Ich hatte das Gefühl, mich zu sehr anpassen zu müssen. Und dann bin ich nach Köln gekommen. Ich bin halt der absolute Stadtmensch. Das wurde mir klar. Ich muss mitten drin sein. Ich habe mich in Köln so richtig frei gefühlt und musste mich nicht rechtfertigen. Nie hat hier irgendjemand gefragt, warum bist du wie du bist.”

Denn Jessica hat nicht nur eine klare Haltung dem Leben gegenüber, sondern auch einen eigenwilligen Look. Neben den kupferroten Haaren trägt sie Piercings und Tattoos. Das Erste ließ sie sich mit 25 Jahren stechen, als die erste große Liebe vorbei war. “Wenn eine neue Lebensphase eingesetzt hat, dann habe ich das in einem Tattoo festgehalten. Mit Piercings ging es allerdings schon mit 13 Jahren los. Das war so die erste kleine Sucht, die man hatte. Ich glaube, dass das alles darauf zurück zu führen ist, dass ich früher immer so unscheinbar war. So ein kleines Mäuschen, was jedem gefallen wollte. Mit meinem jetzigen Aussehen trage ich das Innere nach Außen.”

Von sich selbst sagt sie, dass sie sich schnell langweilt. Nach ihrer Ausbildung zur Industriekauffrau arbeitete sie eine Weile in dem Beruf und ging dann in die TV- Branche. In ihren Jobs war sie unter anderem für das Kostüm und die Garderobe zuständig. Castings leitete sie auch eine Weile. ”Da habe ich gemerkt, dass das gar nicht mein Ding ist, weil man die Leute da ganz schnell in Schubladen stecken muss. Das konnte ich mit mir nicht vereinbaren. Da wusste ich, dass ich mein eigener Herr werden musste. Weil ich mich irgendwann nicht mehr frei gefühlt habe.”

Das Café Vevi ist nicht nur ein idealer Ort um vegane Energiekugeln aus Cranberries, Sesam, Kokosöl, Cashewkernen und Datteln oder Avocado- Lavendel- oder Schokokuchen zu kosten. Jessica veranstaltet in ihrem Lokal auch kleine Flohmärkte, lädt befreundete Tätowierer ein, ihren Kunden ein Tattoo zu verpassen und veranstaltet im Außenbereich kleine Unplugged- Konzerte.

Wenn man wissen will, wo es in Köln die besten Cocktailbars und den besten Gin zu trinken gibt oder welche Vintageläden interessante Möbel haben, dann weiß Jessica ganz genau Bescheid. Denn Jessica ist eine Networkerin, die sich in Köln zuhause fühlt und ein Teil der jungen Kreativszene ist. “Das, was du ausstrahlst, kommt in der Stadt auch zurück, weil hier so viele Menschen sind. Du kannst hier in deinem eigenen Kreis leben. Es schafft auch eine eigene Community, die für mich wie eine Familie ist.”

Text: Claudia Cosmo
Fotos: Patrick Essex, Daniel Knab

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