„Besonders stolz bin ich auf meine Wollemia Nobilis“

20.07.2017 | Menschen

Name:
Jerome Koebke

Geboren:
1973 in Croix, Frankreich

In Köln seit:
1993

Beruf:
Landschaftsgärtner

Lieblingsort:
Mein Hinterhofgarten in Nippes

Sobald es warm wird, verziehe ich mich, wenn ich von meiner Arbeit bei der Gärtnerei Jürgl komme, erst mal für eine halbe Stunde in meinen Garten. Klingt komisch, da ich im Job ja schon viel mit Pflanzen zu tun habe. Aber Ruhe finde ich dort nicht, die Kunden halten mich auf Trab. Und so sage ich nach Feierabend zu meiner Familie: „Lasst mich erst mal eine halbe Stunde in Ruhe!“ Ich schnappe mir eine Tasse Kaffee und verziehe mich mit Hobo, unserer zehnjährigen Hündin*, und den zwei Katzen Spiros und José-Manuel in den Garten. Dort entspanne ich mich, schaue mir die Blumen und Pflanzen an und beobachte, was sich getan hat. Wie weit ist meine Mexikanische Orangenblume? Was macht der Baumkraftwurz – den mir mir mein Freund Felix zum Valentinstag geschenkt hat.

Jerome Koepke kölnbeste GAG

Unser Garten liegt gegenüber einer alten Schule, die als Bürgerzentrum genutzt wird. Ich genieße es sehr, den Chören und Musikern, die dort proben, zu lauschen. Da bekommt man oft ein Klavier-, Geigen- oder Saxophonkonzert frei Haus, irgendwelche angenehmen Geräusche wabern häufig herüber.

Da unsere Nippeser Oase nur relativ wenig Sonne bekommt, fühlen sich Halbschatten-Gewächse bei uns besonders wohl. Außerdem habe ich die meisten blühenden Blumen in weiß gewählt. So reflektieren sie das Licht besser und die Blüten wirken leuchtender als zum Beispiel rote oder blaue Blumen.

Besonders stolz bin ich auf meine Wollemia Nobilis. Diese Pflanze galt schon als ausgestorben und war nur durch Fossilfunde bekannt. 1994 entdeckte aber ein Australier auf einer Klettertour in einer Schlucht bei Sydney einen ihm nicht bekannten Baum und nahm sich einen Zweig mit. Später stellte sich heraus, dass es vermutlich der erste Ast war, der die die Schlucht seit der letzten Eiszeit verlassen hatte.

Früher wurden Pflanzen illegal bei uns eingeschmuggelt

Ich finde es faszinierend, so eine Art nun im Garten zu haben. Sowas kann ich mir heute bequem über meine Gärtnerei bestellen. Früher wurden viele Pflanzen illegal bei uns eingeschmuggelt. Da gab es eine regelrechte Mafia, die mit Tulpenzwiebel dealte. Oder der Flieder: den hat ein flämischer Diplomat bei uns eingeführt, der ihn von Sultan Süleyman geschenkt bekommen hatte. Manche Geschichten zu den Pflanzen sind für mich fast so kostbar wie meine tägliche halbe Stunde in meinem Garten.

Fotos Patrick Essex
Text
Jana Züger

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* Hobo verdankt ihren Namen übrigens einem One-Hit-Wonder aus dem Jahr 1993: der schwedischen Band Whale und ihrem Song „Hobo Humpin‘ Slobo Babe“.

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