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„Ich bin meinen Eltern dankbar, dass in meinem Ausweis nicht Bergheim steht“

13.03.2017 | Menschen

Name:
Ilka Dischereit

Geboren:
1976 in Köln

In Köln seit:
immer schon

Beruf:
Vertriebsassistentin bei beeline

Lieblingsort:
Der tägliche Wochenmarkt auf dem Wilhelmplatz

Unsere Tochter Livia ist jetzt fünf Jahre alt. Geboren wurde sie im Weyertal, im gleichen Krankenhaus wie ich. Ich hatte nicht so Bock auf Recherche. Außerdem hatten die gerade die Krankenzimmer frisch renoviert und Super-Sandwiches. Also alles in allem: top!

Ich bin meinen Eltern sehr dankbar, dass in meinem Ausweis nicht Bergheim steht. Ich bin nämlich, obwohl ich in Kerpen aufgewachsen bin, ein echt kölsches Mädchen. Es macht ja auch nicht wirklich so einen Unterschied macht, ob man in Porz-Wahn oder in Kerpen aufwächst. Meine Mutter spricht mit ihrer Mutter Kerpener Platt. Das ist sehr nah am Kölschen. Und auch in Kerpen konnte ich nachts heimlich abhauen, um im Wartesaal tanzen zu gehen.

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Mein Mann Piero stammt aus Italien, ist aber gebürtiger Düsseldorfer. Im italienischen Pass unserer Tochter steht als Geburtsort „Colonia“. Das find ich super. Die Italiener haben Köln schließlich gegründet. Vermutlich rührt daher meine Italien-Affinität.

Italiener und Kölner sind sich vom Wesen her ziemlich ähnlich: offenherzig, freundlich und überhaupt sehr gastfreundlich, aber nicht besonders tiefsinnig. Man kann eben nicht alles haben. Zu Studienzeiten hab ich oft in der Kölnmesse gearbeitet. Die Italiener waren immer sehr erleichtert, dass die Deutschen gar nicht so zugeknöpft waren, wie sie dachten. Sowas wie eine kölsche Atmosphäre gibt es offenbar tatsächlich. Die überträgt sich sogar non-verbal.

Mich nervt dieses ständige kölsche Selbstloben

Was mich ein wenig nervt, ist dieses ständige kölsche Selbstloben. Die kölsche Atmosphäre ist schon toll, ja klar, aber unsere Stadt ist auch ganz schön hässlich. Das steht in einem krassen Gegensatz. Auch kriegt man, wenn man mit einem Italiener zusammen ist, durchaus mit, dass es auch hier Ausländerfeindlichkeit gibt. Solange die Leute wissen, dass Piero Italiener ist, ist alles okay. Italiener sind anscheinend die „guten“ Ausländer. Wenn er aber für muslimisch gehalten wird, bekommt er schon auch mal einen Spruch gedrückt. Die viel besungene Toleranz der Kölner ist eher ein Märchen. Das sieht man auch an Entwicklungen wie Bürgerwehren und diesen fürchterlichen „Kölsch Bloot“-Schriftzügen.

Da lob ich mir den Wilhelmplatz in Nippes. Das ist eines der wenigen Viertel, wo sich noch wirklich was mischt. Dieser tägliche Wochenmarkt darf kein Schickimicki-Markt werden wie zum Beispiel der am Rudolfplatz. Der muss unbedingt bleiben, wie er ist!

In Willkommen in Babylonien erzählt Ilka ab sofort darüber, wie es ist, Livias Mutter zu sein.

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Fotos Patrick Essex
Text Sebastian Züger

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