Holger Kirsch: “Prinz Karneval zu sein. Darüber geht nichts!”

27.05.2020 | Menschen | Ein Kommentar

Name:
Holger Kirsch

Geboren:
27.Mai 1974 in Porz

In Köln seit:
einer gefühlten Ewigkeit

Beruf:
Architekt

Lieblingsort:
Die Schäl Sick, Rath

Er ist ein Kind der Schäl Sick

„Ich wurde in Porz geboren. Aber wenige Wochen nach meiner Geburt wurde Porz erst eingemeindet. Dann wäre ich auch gebürtiger Kölner gewesen! Meine Seele ist tief mit Köln verbunden. Aber das ist natürlich nicht das Einzige, was mich ausmacht. Ich bin Familienvater, Architekt, Präsidiumsmitglied beim FC Viktoria, ehemaliger Prinz Karneval, Zugleiter des Kölner Rosenmontagszuges und Mitgründer des Vereins Laachende Hätze e.V.

Als jüngstes von zwei Kindern bin ich auf der Schäl Sick in Köln-Rath groß geworden. In meiner Kindheit und Jugend spielte ich gerne Fußball und wurde beim FC Viktoria Köln als Stürmer und Libero eingesetzt. Als Kind der Schäl Sick bin ich bis heute dem Verein treu geblieben, engagiere mich im Vereinspräsidium für soziale Themen und kümmere mich um unser Stadion und unsere Immobilien.

Heute wohne ich mit vier Frauen und unserem Hund Lommi in meiner Rather Heimatgemeinde. Für meine Frau und meine drei Töchter habe ich einen zurückhaltenden Bau mit viel Beton und Glaselementen entworfen.”

GAG Immobilien Köln - 04.04.2019 - Holger Kirsch, aufgenommen in Köln Rath

Er steht für eine klare Formensprache in der Architektur

“Als Architekt stehe ich für klare, zurückhaltende Formen und gerade Linien. Ein Gestaltungsprinzip, das auch bei meinen Kunden Anklang findet. Dass ich Architekt geworden bin, verdanke ich in gewissem Sinne meiner jugendlichen Faulheit. Während meiner Schulzeit mussten wir ein Praktikum absolvieren. Da ich mich nicht ernsthaft darum gekümmert hatte, heuerte ich einfach im Architekturbüro meines Vaters an. Schnell merkte ich eine Faszination für diesen Beruf und seine Dynamik. Mich begeisterte die Tatsache, dass man auf einem Stück Papier mit dem Entwurf beginnt, diesen dann ein bis zwei Jahre später umsetzt und schließlich vor der gebauten Realität steht.

Unser Architekturbüro befindet sich in Köln-Rath in einem alten Pfarrhaus. Zu unseren Schwerpunkten zählt auch der öffentlich geförderte Wohnungsbau, allgemein unter dem Begriff sozialer Wohnungsbau bekannt. Gute Architektur muss nicht teuer sein. Es kommt darauf an, ein schönes Umfeld zu gestalten, in dem sich die Bewohner wohlfühlen. Gelingt dies, so kann zwischen Architektur und dem Menschen eine Verbindung entstehen. Die Bewohner verhalten und bewegen sich darin auch ganz anders.

Die Architektur der Nachkriegszeit spiegelt die Kölner Mentalität.

Das architektonische Übel von Köln liegt für mich in der Nachkriegszeit. Im Wiederaufbau Kölns nach dem 2. Weltkrieg spiegelt sich für mich die Mentalität Kölns wider: Nicht viel darüber nachdenken, schnell, schnell neue Gebäude hochziehen und loslegen. Da hätte man mit ein bisschen Besonnenheit bessere Ergebnisse erreichen können. Die Nachkriegsarchitektur ist jetzt nicht unbedingt von Highlights geprägt.”

GAG Immobilien Köln - 04.04.2019 - Holger Kirsch, aufgenommen in Köln Rath

Er kann sich von seiner Prinzenmütze nicht trennen 

“An Köln gefällt mir die Leichtigkeit. Und da ist der Karneval ein fester Bestandteil. Köln ist bunt, weltoffen und tolerant. Als ich 2015 Prinz Karneval wurde, als Holger I. von Karnevalsveranstaltung zu Karnevalsveranstaltung zog und wochenlang im Hotel wohnte, reagierte meine Familie ebenso tolerant und nachsichtig mit mir. Damals stand unser gesamtes Familienleben Kopf. Meine Mitarbeiter im Architekturbüro haben mich ebenso unterstützt und mir den Rücken freigehalten.

Ich werde sie nie wieder aufziehen.

Meine Prinzenmütze habe ich im Hausflur unübersehbar aufgestellt. Ich werde sie nie wieder aufziehen, aber jeden Tag daran vorbeizugehen, ist einfach schön. Ich streichle auch ganz gerne über das Stadtwappen. Mein restliches Ornat habe ich der Flittarder KG geschenkt. Denn dort liegen meine karnevalistischen Wurzeln.

Wäre ich 2015 nicht Prinz Karneval geworden, gäbe es den Verein Laachende Hätze bestimmt nicht. Aus heutiger Sicht kann ich sagen, dass wir damals als Dreigestirn mit einer naiven Haltung angetreten sind. Wir wollten unseren Spaß haben und uns in der Session feiern lassen. Doch es kam anders. Wir stellten fest, dass es uns die größte Freude bereitet, wenn wir andere erfreuen. Das hat uns sehr verändert und geprägt.

Zusammen mit meinen Dreigestirn-Gefährten und unter der Schirmherrschaft von Pastor Franz Meurer haben wir den Verein Laachende Hätze e.V. gegründet, mit dem wir Flüchtlingskinder und sozial vernachlässigte Kinder im Kölner Stadtgebiet unterstützen. Dass es uns zusammen gelungen ist, in der kurzen Zeitspanne einer Karnevalsregentschaft ein nachhaltiges Projekt entstehen zu lassen, erfüllt uns mit Stolz.”

Als Zugleiter sind ihm ökologische Themen wichtig

“Seit vergangenem Jahr bin ich Zugleiter des Rosenmontagszugs. Ich habe bemerkt, dass mir dabei mein Beruf sehr hilfreich ist. So kann ich auf der einen Seite den künstlerischen Aspekt, der in der Architektur eine große Rolle spielt, mit in die Gestaltung des Zuges einfließen lassen. Auf der anderen Seite ermöglicht mir mein strukturelles Denken eine klare Sicht auf die Planung und Entwicklung des Kölner Rosenmontagszugs. So habe ich mir als neuer Zugleiter auch Ziele und Themenschwerpunkte gesetzt, die den Umweltschutz betreffen. Mit fachmännischer Unterstützung von außerhalb möchte ich sie zukünftig verstärkt angehen und umsetzen.

So galten beispielsweise vor zwei Jahren die Maisstärkebecher als Nonplusultra. Mittlerweile sieht deren Ökobilanz sehr fragwürdig aus. Um dort die geeigneten, nachhaltigen Schritte zu gehen, bedarf es einer professionellen Beratung durch ein Umweltinstitut. So können wir entsprechende Maßnahmen begleitet durchführen. Beim Rosenmontagszug 2020 sind bereits Erneuerungen vorgenommen worden.

Auf meinem eigenen Zugleiterwagen wurde zum Beispiel schon ganz auf die Plastikfolie bei den Strüßjer verzichtet. Wir haben auch damit begonnen, die schönen historischen Traktoren mit Dieselpartikelfiltern umzurüsten. 27 Bagagewagen waren elektrifiziert unterwegs. Wir haben erstmalig in Teilbereichen auch ein Mehrwegbechersystem erprobt, das fundiert weiter auf den Weg gebracht werden soll.

An Rosenmontag war das Wetter stabil und der Zug konnte stattfinden. Es war bitter, dass die Schull- und Veedelszöch abgesagt werden mussten. Aber dann haben wir uns dazu entschlossen, jeweils zwei Leute aus allen Gruppen einzuladen, die in einer ganz bunten durchmischten Gruppe beim Rosenmontagszug mitgehen konnten.

Außerdem gab es noch die Gruppe mit den 86 guten Seelen: Das war ein Herzensprojekt von mir, bei dem aus allen Kölner Vierteln Leute mitgingen, die sich auf irgendeine Art und Weise um ihr Veedel verdient gemacht haben. Dafür konnten sie sich nicht selber bewerben, sondern wurden von den jeweiligen Veedelsbewohnern nominiert.

Da kommt einem schon ein Tränchen.

Von daher bin ich sehr glücklich, wie mein Zugkonzept in der Öffentlichkeit aufgenommen wurde. Ich habe sehr schöne Briefe erhalten. Froh bin ich auch darüber, dass es den Leuten gefallen hat, dass wir politisch noch ein Schippchen drauf geladen haben. Da ich mein Kreativteam um den Kabarettisten Thomas Reis erweitert habe, der ein enormes politisches Wissen hat.

Und ich gebe zu, wenn man dann abends nach Hause kommt und die Titelseite des Kölner Express in der Hand hält, wo drauf steht ‘Sein Zug ins Kölsche Herz: Holgers erster Zoch‘, da kommt einem schon ein Tränchen. Wenn man die Möglichkeit bekommt, den Kölner Karneval maßgeblich mitzugestalten, dann ist das schon etwas Besonderes. Aber trotzdem muss ich sagen, über die Rolle, einmal Prinz Karneval zu sein. Darüber geht nichts!”

Text: Claudia Cosmo
Fotos: Thilo Schmülgen

Einen Kommentar für “Holger Kirsch: “Prinz Karneval zu sein. Darüber geht nichts!””

  1. Walter Mechernich sagt:

    Hallo Holger
    In den letzten Jahren haben sich unsere “Dreigestirne” sehr Verändert – und zwar mit viel Menschlichkeit , Toleranz und den drang anderen zu Helfen! Ich bin Stolz auf Köln und die Kölner und natürlich auf alle Dreigestirne und die Helfer im Hintergrund . Nicht zuletzt auch auf Euch , das Dreigestirn 2015 ….! Deine Aufgabe als Zugleiter erfüllst du mit viel Liebe – Danke dafür . Ich bin ein einfacher Mensch , der hier in Köln (Poll) leben darf und bin echt mächtig Stolz drauf ! Ich wünsche dir immer eine gute Hand als Zugleiter …. und lass uns ALLE gemeinsam Schreckliches mit unserer Fröhlichkeit verdrängen …. ! Bleibt alle Gesund und Fröhlich …. und natürlich “KölleAlaaf” LG Walter M.

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