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Aus vollem Herzen gegen das Vergessen

21.11.2018 | Leben

 „Das Herzhaus – Zwischenhalt“ hieß die Ausstellung, die an das Unrecht erinnerte, das auch in Bickendorf jüdischen Mitbürgern während der Nazi-Herrschaft widerfuhr. Nach dem Abriss wird das so genannte Herzhaus im Stadtteil vom Eigentümer, der GAG Immobilien AG, originalgetreu wiederaufgebaut.

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Gemütlich, im Vintage-Stil, Kaffeeduft in der Luft: Auf den ersten Blick ist das „Bargel“ in Ehrenfeld ein Café wie so viele in Kölns Veedeln. Die Besonderheit offenbart sich erst bei genauerem Hinsehen: Hier hat die Ausstellung „Das Herzhaus – Zwischenhalt“ von Geremia Carrara und Francesca Magistro ihren Platz gefunden.

Schon von außen gut erkennbar sind die Scherenschnitte an den großen Fensterscheiben des Cafés. Geremia Carrara, Filmemacher und einer der Initiatoren der Ausstellung, erklärt dazu: „Es geht um die jüdische Familie Herz, die bis 1941 am Häuschensweg in Köln Bickendorf wohnte. Die Schattenrisse stehen stellvertretend für die Menschen, die damals das Haus bewohnten, ehe sie von den Nazis deportiert wurden. Denn Fotos von Marga, Karl Sally, Mathilde und Albert Herz gibt es nicht mehr.“ Auch von dem jüdischen Schuhhändler Carl Frankenstein, dem vom NS-Regime alles genommen wurde und der seine letzten Lebensmonate im Haus der Familie Herz verbrachte, existiert kaum etwas. Einzig Einträge im Grundbuchamt und einige Dokumente erinnern daran, dass es diese Menschen überhaupt gegeben hat.

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Auf dem Boden vor jeder Silhouette stehen Schuhe. Frauenschuhe, Männerschuhe, Kinderschühchen. Ein Stofftier soll die Lebensrealität der fast Vergessenen greifbar machen. „Dadurch sind sie weiterhin sichtbar unter uns und man verbindet die Geschichte mehr mit dem heutigen Leben hier“, so Carrara.

Geremia Carrara selbst wohnt in der Nähe. Als er davon hörte, dass das Herzhaus einem Wohnprojekt der GAG Immobilien AG weichen sollte, setzte er sich für eine Erinnerungskultur im Quartier ein. Die zunächst gewünschte Sanierung des alten Herzhauses war aufgrund der überalterten Gebäudesubstanz nicht möglich. Aber die GAG bot an, das Gebäude originalgetreu wiederaufzubauen. Eine gute Lösung, findet Carrara.

„Viele wissen gar nicht mehr, dass die Nazigreuel direkt nebenan passierten“

Bis es soweit ist, erinnern die Exponate im Café an das Haus, seine Bewohner und deren Geschichte. „Deshalb haben wir die Ausstellung ‚Zwischenhalt‘ genannt“, erklärt Carrara, der in der italienischen Universitätsstadt Bologna Kunst studiert hat. Für ihn ist es wichtig, dass die Erinnerung an das tragische Schicksal der Familie an den Ort des grausamen Geschehens zurückkehrt. „Viele wissen gar nicht mehr, dass die Nazigreuel direkt nebenan passierten, Nachbarn und deren Kinder betroffen waren und nicht nur die Führungskader Schuld trugen, sondern jeder, der wegschaute oder von dem Leid der Juden profitierte.“

Unterstützt wurden Geremia Carrara und Francesca Magistro bei der Umsetzung der Ausstellung von der Bezirksvertretung Ehrenfeld, der GAG Immobilien AG und vom Festival „Italiana. Kulturbrücke am Rhein“  der Stadt Köln.

Text & Bilder: Jana Mareen Züger

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