Mein Ziel war Schweden! Es wurde Köln.

18.04.2019 | Menschen | Ein Kommentar

Name:
Guillermo Malfitani

Geboren:
1950 in Buenos Aires

In Köln seit:
1977

Beruf:
Künstler

Lieblingsort:
Lichhof, Altstadt-Süd

Als ich mit meinem Studium an der Kunsthochschule in Buenos Aires, meiner Geburtsstadt, fertig war, wollte ich weg. Die Atmosphäre in der damaligen Militär-Diktatur war für mich schwer erträglich. Viele Künstler, Schriftsteller und Journalisten wurden denunziert, wenn ihre Meinung nicht staatskonform war. Menschen verschwanden oder wurden eingesperrt.

Ich hatte zwar nicht direkt Probleme mit dem Militär, aber ich wollte frei sein. Als Künstler und als Mensch. Außerdem interessierten mich meine kulturellen Wurzeln in Europa. Deshalb machte ich mich 1973 auf den Weg zum alten Kontinent und schaute mir zuerst Spanien an. Sehr schön, aber in vielem Südamerika ähnlich. Ich wollte noch was richtig Fremdes kennen lernen, was total anders war als das, was ich bisher kannte, und entschied mich für Schweden. Allerdings bin ich dann 1976 in Deutschland, 1977 in Köln hängen geblieben. Es war Anfang Oktober. Es war kalt. Und das war schon anders genug für mich.

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Ich kam per Anhalter hierher. Als ich an der Severinsbrücke vorbei kam, hatte ich eine Art Déjà-vu: Von der Seite sah die Brücke wie großes „A“ aus. Von diesem Anblick hatte ich schon mal geträumt. Vielleicht war dieser Traum ein Grund, warum ich geblieben bin.

Die Kölner sind sehr neugierig auf Fremde. Ich wurde von den Menschen offen aufgenommen und habe mich gleich wohl gefühlt. Besonders das viele Grün in Köln hat mir gefallen und dass es groß, aber nicht riesig ist. Meine Frau habe ich auch hier kennen gelernt. Sie ist zwar nicht aus Köln, aber Rheinländerin.

Wir wohnen schon seit 25 Jahren in derselben Wohnung am Volksgarten. Ich genieße das Grün direkt vor der Tür. Einen Lieblingsplatz habe ich auch, einen echten Ruheort: den Lichhof. Er liegt etwas versteckt im südlichen Teil der historischen Altstadt hinter der Basilika St. Maria im Kapitol. Hier suche ich mir einen Platz auf einer der vielen Bänke und entspanne ein bisschen.

Mein Atelier befindet sich im Severinsviertel, aber auch in meiner Wohnung habe ich eine Arbeitsecke. Wenn es mir draußen zu kalt ist, bleibe ich einfach zuhause. Ich arbeite viel mit Collagen, mit alten Fotos, die man eigentlich wegwerfen würde. Gebrauchte Plastikteile und Tuben verarbeite ich ebenfalls in meinen Collagen und Objekten.

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Recycling ist eins meiner Themen – schon viele Jahre lang. Ich komme außerdem immer wieder auf archaische Kulturen zurück. Mich interessiert besonders, wie damals mit den Naturressourcen umgegangen wurde und wie Völker versucht haben, mit der Natur im Gleichgewicht zu bleiben.

Auch politische und soziale Ungerechtigkeiten beschäftigen mich immer wieder, und urbanes Leben. Als ich von Buenos Aires weggegangen bin, habe ich das Bild der Stadt mitgenommen, es blieb in meinem Kopf. Irgendwann experimentierte ich wieder mit Holzstücken, Plastikteilen, Schachteln und Dosen in alten Koffern. Daraus sind meine „Städte im Koffer“ entstanden.

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Wer auf meine Kunst neugierig geworden ist, kann mich gerne in meinem Atelier besuchen und auch noch bis zum 20. April 2019 in der Kulturkirche Ost in Köln-Buchforst. Dort läuft noch die Gemeinschafts-Ausstellung mit der Künstlergruppe Barrio Latino mit der Installation „PolitArche“. Den Abschluss der Ausstellung feiern wir am Samstag, 20. April 2019, mit einer Finissage und Musik. Los geht’s um 19 Uhr. Der Eintritt ist frei – also fühlt Euch herzlich eingeladen! Mehr Infos hier.

 

Fotos: Costa Belibasakis
Text: Jana Mareen Züger

Einen Kommentar für “Mein Ziel war Schweden! Es wurde Köln.”

  1. Renate Schüler sagt:

    Lieber Herr Malfitani, würde Sie gerne mal in Ihrem Atelier besuchen, da ich auch ein Re- und Upcycling-Fan bin 😊 und täglich die Ideen purzeln.

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