Flora 6: Positiv abgeranzt

18.03.2019 | Kneipen | Ein Kommentar

In dieser Rubrik stellen wir einmal im Monat eine Kölner Kneipe vor. Das Flora 6 in Nippes hat einen erfolgreichen Image-Wandel hinter sich. Statt Absturz rund um die Uhr gibt es heute fünf ausgesuchte Bier-Spezialitäten vom Fass und Wild à la Card – und das immer noch zu Trinker-freundlichen Öffnungszeiten.

 

Adresse:
Florastraße 6, 50733 Köln
Tel.: 0221/34663622

Öffnungszeiten:
Mo-So 16 Uhr bis Ende

Kölsch:
Gaffel vom Fass, 1,50 EUR

Besonderheit:
Verruchte Vergangenheit, gepflegte Gegenwart

 

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Alter Glanz, neu poliert: das Flora 6 in Köln-Nippes

„Warum läuft ’ne Kneipe?“ Die Erforschung dieser Frage haben Jürgen Mader und Jörg Zirden zu ihrer Hauptbeschäftigung gemacht. Über ihre eigentliche Tätigkeit reden die beiden nur so viel: „Wir hatten keine Lust mehr auf Akte auf, Akte zu. Also haben wir uns gefragt: Was können wir noch?“ Schon als Schüler und Student in den 70er und 80er Jahren hat Mader in Schankbetrieben ein paar Mark dazu verdient. Er weiß also, worauf es beim Zapfen ankommt und wie eine Tränke ihr Völkchen findet. Nämlich: „Erstens über die Lage. Zweitens über die Atmosphäre. Und drittens über den Preis.“ In diesem Sinne eröffneten die beiden im Jahr 2009 ihr erstes eigenes Lokal: das Greesberger am Eigelstein.

Der Laden – eine Veedelskneipe im besten Sinne – läuft so gut, dass sich die beiden 2014 an ein weiteres Projekt wagten: Sie übernahmen den ehrwürdigen Riehler Hof in der Stammheimer Straße, ein klassisches Brauhaus. Nach rund eineinhalb Jahren aber kamen sie zu der Erkenntnis: „Gastro mit Küche – das ist nicht so unser Ding.“ Wohl aber: die klassische Kölsch-Kneipe. Und da bot sich ein Objekt an, das schon rund sechs Jahre leer stand, ehe sich Mader und Zirden an seine Wiederbelebung machten: das Flora 6, eine echte Legende unter den Absturzbuden der Stadt. (Hier in einer schönen Reportage im Kölner Stadt-Anzeiger von 2008.)

„Wir haben vieles neu gemacht wie die Sanitäreinrichtungen oder die gesamte Elektrik“, erklärt Mader. „Wir haben aber auch versucht, viel vom alten Charme zu bewahren.“ Alteingesessene werden die Theke wiedererkannt haben, auf der es sich immer noch so schön lümmeln lässt wie ehedem, die aber ein paar Sitzgelegenheiten länger geworden ist. „Es war uns wichtig, dieses positiv Abgeranzte mit rüber zu nehmen“, sagt Mader. „Manche Gastronomen machen den Fehler, alles rauszuschmeißen und die Wände weiß zu tünchen – und tot ist der Laden.“ Zirden spricht von einem „ganz anderen Raumgefühl“, wozu neben der Öffnung der Fenster, die nun Tageslicht hereinlassen (sofern welches scheint), vor allem die Erweiterung im hinteren Bereich beiträgt: Der vormalige Abstellraum gehört jetzt mit dazu.

„Die wollten alle gucken, wie der Schrottladen jetzt aussieht.“

An Weiberfastnacht 2017 ging’s los. „Wir hatten einen Post in einer Nippes-Gruppe auf Facebook – und um 14 Uhr war die Bude brechend voll“, erzählt Mader stolz. „Die wollten alle gucken, wie der Schrottladen jetzt aussieht.“ Dank dieses „fulminanten Auftakts“ (Zirden) erübrigten sich weitere Werbemaßnahmen weitgehend. „Es hatten direkt genügend Leute einen Eindruck von dem Laden.“ Und der war offenbar positiv. „Zu uns kommen Menschen von 18 bis 88“, sagt Mader. „Ein weltoffenes Klientel, bisschen grün-alternativ angehaucht.“ Wie der wohl-gentrifizierte Durchschnitts-Nippeser im Jahr 2019 halt so ist.

 

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Manfred, Stammgast

Zum Stammpublikum zählen Männer wie Manfred, der das Flora 6 schon früher kannte. „Das hast du nur besoffen ertragen, so dreckig war das.“ Den neuen Wirten attestiert er einen guten Geschmack – nicht nur in Bezug auf die ausgesuchten Biersorten, die aus den fünf Hähnen fließen: neben dem obligatorischen Gaffel-Kölsch das Hamburger Kultgebräu Astra, Paulaner Hefeweizen und das tschechische Staropramen in heller und dunkler Ausführung. „Ich finde, die beiden haben das richtig schön designt“, lobt Manfred, ehemals Kaufmann von Beruf, und schaut deshalb einigermaßen regelmäßig rein: „Mal ein-, zweimal in der Woche, mal auch nur einmal im Monat.“

Dann trifft er häufig auf Susi und Ralf. Die beiden schmeißen den Laden vor und hinter der Theke und schenken ihm ihre freundlichen Gesichter. Die hauptamtlichen Wirte Mader und Zirden bleiben lieber im Hintergrund – und sind deshalb in diesem Artikel auch auf keinem Foto zu sehen. „Regie-Betrieb“ nennt das der Fachmann. „Ich hab gerade ’ne Band für den 2.11.2020 gebucht“, erzählt Barmann Ralf fröhlich. Denn außer dem klassischen Pop-/Rock-Mix vom Band gibt’s auch Live-Musik im neuen Flora 6, mal zwei-, mal drei-, mal viermal im Monat. „Ein Typ namens Johnny Spätzünder hat sich auch beworben“, fährt Ralf fort. „Die machen Akustik-Rock und covern alles mögliche von AC/DC bis Jonny Cash.“ Große Ansprüche dürfen die Musiker nicht mitbringen, dafür aber die nötige Auftritts-Technik. Und trotzdem sind für 2019 schon alle Termine dicht.

 

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Susi und Ralf, Barfrau und Barmann

Von draußen wehen ein paar Rauchschwaden herein, der Kneipenraum drinnen ist jetzt, zur Tagesschau-Zeit während der Woche, schon so gut wie voll. Mit der Stimmung steigt die Lautstärke, ein Umstand, der manchem Wirt Schweißperlen auf die Stirn treibt – schließlich könnten Ruhe-bedürftige Nachbarn daran Anstoß nehmen. Nicht so bei Mader und Zirden: „Das Flora 6 hat Bestandsschutz. Solange wir uns an die Regeln halten, haben wir keine Probleme.“ Die Konzession der Stadt Köln gilt für „Alkoholausschank an Ort und Stelle“. Na denn: Prost!

Fotos: Patrick Essex
Text: Sebastian Züger

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Bisher in unsere Serie über Kölsche Kneipen:

Das Refugium in Köln-Zollstock
Die Braustelle in Köln-Ehrenfeld
Neppes Fünkchen’s Kultur in Köln-Nippes
Das Thiebolds Eck in Köln-Innenstadt

Einen Kommentar für “Flora 6: Positiv abgeranzt”

  1. Ducki Duckstein sagt:

    Seit 2018 zur Hausband des Flora 6 gekürt: Phil ze Loud!
    …und stolz drauf!

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