Diese Webseite benutzt Cookies, um bestimmte Funktionen zu ermöglichen und sein Angebot zu verbessern. Indem Sie hier fortfahren, stimmen Sie der Nutzung von Cookies zu. Mehr Informationen hier!.

OK

Unter dem Fluss fließt die Wärme

20.11.2018 | Leben

Gut versteckt, aber unverzichtbar für zahlreiche Kölner Haushalte: Der Fernwärmetunnel der RheinEnergie, der von Deutz unter dem Rhein entlang zur Innenstadt führt.

Wer in Köln von einem Rheinufer ans andere möchte, nutzt eine der Brücken. Davon gibt es einige – angefangen bei der Leverkusener Brücke im Norden bis zur Rodenkirchener Brücke im Süden. Aber den Strom unterirdisch zu queren – das geht nur durch den Fernwärmetunnel, den die RheinEnergie zwischen 1983 und 1985 gegraben hat. Die Unterführung steht für Besucher offen – allerdings nur nach Absprache. Eine schnelle Alternative zu den Staus auf den Brücken ist sie also nicht.

Die Führung beginnt rechtsrheinisch unter der Hohenzollernbrücke. Neben einer Imbissbude versteckt sich eine unscheinbare Säule, die Spaziergänger üblicherweise übersehen dürften. Durch eine Stahltür geht es auf einer Wendeltreppe hinab. Der Tunnel verläuft waagerecht in einer Tiefe von vier bis sechs Metern unterhalb der Rheinsohle und verbindet so auf Höhe des Rheinkilometers 688,6 das links- mit dem rechtsrheinischen Köln.

Entstanden ist das Bauwerk nicht etwa, weil es Köln an Sehenswürdigkeiten gefehlt hätte, sondern aus pragmatischen Gründen: Die RheinEnergie suchte eine Möglichkeit, Fernwärme ins linksrheinische Köln zu leiten. „Ursprünglich war der Plan, oberirdisch eine Leitung direkt unterhalb der Deutzer Brücke zu verlegen“, erklärt unser Tunnelführer Frank Straube. Für die Realisierung dieses Plans bedurfte es jedoch der Mitwirkung der Deutschen Bahn. Da die auf sich warten ließ, die RheinEnergie aber Lieferverträge zu erfüllen hatte, musste eine schnellere Lösung her. So fiel die Entscheidung für die Rhein-Unterquerung.

Weltweit das erste Projekt dieser Art

Im Rohrvortriebverfahren wurde eine Röhre von 461 Metern Länge und 3,60 Metern Durchmesser gegraben. Damit waren die Kölner Pioniere, sagt Straube: „Es war damals weltweit das erste Mal, dass auf diese Weise ein fließendes Gewässer unterquert wurde.“ Pro Tag kam der Bohrer im Schnitt etwa 2,76 Meter weit voran und holte dabei 2.500 LKW-Ladungen an Erdreich und Kies aus dem Tunnel.

Anders, als man es von den meisten Tunneln kennt, senkt sich der Kölner Rheintunnel nicht allmählich ab, um dann ab seinem Scheitelpunkt wieder in die Höhe zu führen. Stattdessen gibt es an beiden Ufern senkrecht verlaufende Schächte, die waagerecht miteinander verkoppelt sind. Die Verbindung stellen 140 Betonröhren her, die dicht an dicht unter den Rhein geschoben wurden.

Immer wieder mussten die Bohrarbeiten unterbrochen werden, weil das Bohrschild nicht nur auf reines Erdreich stieß: Neben großen Steinen mussten zum Beispiel Überreste der früheren Hohenzollernbrücke entfernt werden, die während des Zweiten Weltkriegs von der Wehrmacht gesprengt worden war. Einige dieser Fundstücke sind im Tunnel zu sehen.

Drei Meter beträgt der Innendurchmesser des Tunnels. Aufgrund seiner Röhrenkonstruktion verfügt er über eine stabile Statik, die dem Druck, der auf ihm lastet, problemlos standhält. Mittig verläuft ein Fußweg neben zwei langen Rohren links und rechts durch den Tunnel, in denen die Fernwärme nach Köln geleitet und auf die Haushalte verteilt wird.

Offen für Führungen

Die Besucher der Führung gelangen unterhalb des Musical Domes zurück ans Tageslicht. Die RheinEnergie bietet Kölner Institutionen kostenlos Besichtigungen des Fernwärmetunnels an. Frank Straube kommt auf jährlich rund 180 Führungen. Einzelpersonen können Termine erfragen und sich den Führungen anschließen. Mehr Informationen dazu gibt’s direkt bei der RheinEnergie.

Fernwärmetunnel Köln RheinEnergie GAG Kölnbeste

Fotos: Klaudius Dziuk
Text: Johanna Tüntsch

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.