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„Ich komme aus Chihuahua. Wie der Hund.“

19.09.2018 | Allgemein Menschen | 2 Kommentare

Name:
Esmeralda Hernandez

Geboren:
6. Juli 1970

In Köln seit:
2005

Beruf:
Diplom-Kauffrau

Lieblingsort:
Johannes-Gilbert-Park

Ich bin in Chihuahua, dem größten Bundesstaat in Mexiko geboren. Ja, genau! Da wo die kleinen Hunde herkommen. Vielleicht erklärt das meine Leidenschaft für „Fußhupen“. Mein kleiner Rocky ist zwar Bolonka-Rüde und kein Chihuahua, aber das ist ja größenmäßig die gleiche Liga. Mit dem kleinen Racker gehe ich jeden Tag in den Johannes-Gilbert-Park oder ins Nippeser Tälchen. Dort trifft er auch gerne seine Freundin „Schnuppe“ zum Spielen.

Esmeralda_Hernandez_Rocky_01_web

Zu meiner Familie gehören außerdem: mein 14-jähriger Sohn und natürlich mein Mann, wegen dem ich damals nach Deutschland gekommen bin. Dazu komme ich später noch. Erst mal fange ich vorne an.

„Mit Offenheit kommt man weiter“

Also, wie gesagt, bin ich in Chihuahua geboren und aufgewachsen und komme aus einer kinderreichen Familie. Fünf Schwestern, vier Brüder. Ich bin die Jüngste.
Meine Eltern waren immer selbstständig. Mein Vater hatte ein Möbelgeschäft und meine Mutter einen Modeladen. Ich musste schon früh Verantwortung übernehmen – bügeln und kochen und ab dem 13. Lebensjahr einmal in der Woche im Laden meiner Mutter arbeiten: Klamotten verkaufen, kassieren, Mehrwertsteuer ausrechnen. Das war nicht immer ganz einfach, aber meine Eltern haben großen Wert darauf gelegt. Dadurch habe ich früh gelernt, dass man mit Freundlichkeit, Offenheit und Positivität weiter kommt als mit Grimmigkeit und negativen Gedanken. Denn wenn meine schlechtgelaunte Schwester im Geschäft stand, hat kein Kunde was gekauft. Bei mir war der Laden und die Kasse immer voll.

„Andere Kulturen kennenlernen ist meine Leidenschaft“

Für andere Kulturen, Länder und Menschen habe ich mich schon immer interessiert. Mit 18 Jahren habe ich das erste Mal bei einem Austauschprogramm mitgemacht und hatte Besuch von einer Japanerin. Da hab ich – wie sagt man auf Deutsch? Blut geleckt? Genau!
Mit 20 Jahren habe ich für einen Monat in Japan an einem Austausch teilgenommen. Mit 22 Jahren koordinierte ich das ganze Austauschprogramm zwischen Mexiko und Japan in dem Bundesland Sonora, wo ich studierte. Das hat mir großen Spaß gemacht.

Für mich ist es wichtig, dass man das Leben und die Kultur in einem anderen Land wirklich mitbekommt. Als Pauschaltourist ist das nicht möglich. Am besten lernt man ein Land über die Sprache kennen, über Austauschfamilien oder über Freunde und Kollegen. Dann ist auch eine Sprache wie Japanisch gar nicht so schwer wie viele glauben. Deshalb finde ich es gut, wenn schon junge Leute ein bisschen in der Welt herumkommen.

Esme_Rocky_04_web

Meinen Mann habe ich als ich in der Uni in Mexiko war, kennengelernt. Dort traf ich ihn auf einem Studententreffen von AIESEC. Er kam mich sogar in Japan besuchen, wo ich an einem Trainee-Programm teilnahm.

Wir heirateten nach mehreren Jahren und lebten zuerst in Göttingen, wo ich an der Uni studierte. Dann brachte uns die Arbeit nach Köln.

Als ich nach Deutschland kam, war es natürlich ganz anders, als alles, was ich bisher kannte.
Die Menschen sind sehr zurückhaltend. Zum Glück studierten an der Uni in Göttingen auch viele Japaner. Da ich Erfahrung mit der japanischen Kultur hatte, fand ich schnell Anschluss. Das hat mir sehr über meine Studienzeit geholfen.

Ich stelle mir Länder oft als Gesicht vor. Mexiko, zum Beispiel, ist ein lachendes Gesicht für mich. Deutschland hingegen ein oft sehr ernstes. Hier ist alles sehr wichtig und formell und seriös, aber dafür sehr zuverlässig. Egal, ob schlechtes Wetter ist oder nicht: Es wird immer alles seriös angegangen und erledigt. Ich gebe mir Mühe, das auch so hinzukriegen, aber als Mexikanerin habe ich im Winter manchmal überhaupt keine Lust rauszugehen. Da muss ich mich echt zusammenreißen. Und dann hilft mir mein Hund Rocky. Denn der muss immer raus, egal bei welchem Wetter.

Toleranz und Respekt den Menschen gegenüber, egal von wo sie kommen, ist das Wichtigste für mich. Wenn man das verinnerlicht hat, kommt man überall zurecht. Als wir nach Köln gezogen sind, fing ich an, bei den Vereinten Nationen in Bonn zu arbeiten. Meine Kollegen kamen aus vielen verschiedenen Ländern. Sogar aus winzigen Ländern wie den Seychellen. Ich hatte das große Glück, von dieser „UN-Familie“ aufgenommen zu werden.
Heimat ist für mich nicht unbedingt wo man geboren wurde, sondern wo man Zugehörigkeit findet.

Darum ist Deutschland auch mein zweites Heimatland. Wenn ich manchmal etwas vermisse, dann sind es bestimmte Menschen in Mexiko, die ich mag. Ich vermisse Orte, in Mexiko, an denen ich mich wohlgefühlt habe. Und ich fühle mich dort wohl, wo ich mit Menschen reden kann und mich verstanden fühle. Sprachlich und auch Intellektuell. Bin ich in Mexiko, vermisse ich die Leute aus Köln. Bin ich in Köln, vermisse ich die Menschen aus Mexiko. So ist das.

Aber die aztekischen Pyramiden, Tacos und solche Dinge vermisse ich eigentlich nicht unbedingt. Tacos mach ich mir einfach selber, wenn mir danach ist. Ich liebe es, Freunde einzuladen und mit ihnen zu kochen. Das macht Spaß und trägt zum besseren Verständnis füreinander bei – man kommt sich näher.

Eines meiner Lieblingsrezepte ist die Pozole. Ein Gericht, das man wunderbar nach einem Tequila-reichen Abend zum Kater-Frühstück machen kann. Das ist ein „Levanta muertos“ – ein Gericht, das wortwörtlich Tote wieder auferstehen lässt. Ich mache gern die vegetarische Variante. Alles, was man dazu braucht, sind zwei Töpfe, eine spezielle Mais-Sorte aus Südamerika, getrocknete Chili-Schoten und ein paar Kleinigkeiten aus dem Vorratsschrank.

Hier gehts zum Rezept: Pozole.

Alles Weitere erkläre ich hier im Video.

Übrigens gibt es auch in Köln Läden, in denen man lateinamerikanische Spezialitäten kaufen kann. Ich gehe meistens bei „Hola Mundo“ shoppen. Dort bekommt Ihr auch die spezielle Maissorte „Choclo Desgranado“.

 

Fotos: Patrick Essex
Text: Jana Mareen Züger

2 Kommentare

  1. Monika Hoff sagt:

    Toller Text- hat Spass gemacht ihn zu lesen!!
    Herzlich Monika H.

  2. Nadine sagt:

    …und wenn du in Köln bist, vermisst du die Leute aus Göttingen! (..hoffe ich ;-))

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