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„Es ist ein Riesengeschenk, diesen Beruf zu haben“

18.07.2018 | Menschen

Name:
Jens Krause

Geboren:
1983 auf der Admiralitätsinsel Manus in Papua-Neuguinea

In Köln seit:
2008

Beruf:
Zootierpfleger

Lieblingsort:
Mein Geburtsort. Aber da er zu weit weg ist für regelmäßige Besuche: überall da, wo ich meine Frau und meinen Sohn dabei habe

Wenn Jens Krause seinen Sohn mit zur Arbeit nimmt, hat der Kleine dort eine Menge zu gucken. Noch mag ihm das nicht besonders vorkommen, aber schon bald wird er durch Gespräche mit anderen Kindergartenkindern sicherlich erfahren, wie besonders das ist: Sein Vater ist Tierpfleger im Zoo! „Viele beneiden mich um meinen Beruf“, sagt Jens Krause. Seit zehn Jahren ist er im Kölner Zoo tätig. Anfangs war er Vogelpfleger in der Fasanerie und im Tropenhaus. Heute ist er als Revierleiter zuständig für die Flugschau, die Pinguine, Seelöwen und den Bauernhof. Zu Kopf gestiegen ist ihm der vermeintliche Traumjob aber nicht – dafür hat man als Tierpfleger auch jede Menge Arbeiten zu erledigen, die nicht so attraktiv sind. „Wenn die Leute daran denken würden, dass ich auch das Seelöwenbecken saubermachen muss, wären sie nur noch halb so neidisch“, lacht Krause.

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Sein Arbeitstag beginnt morgens um acht Uhr. Zuerst einmal macht er dann eine Runde und schaut nach seinen Schützlingen: Sitzt jeder der 15 Greifvögel auf seiner Stange? Braucht eines der Tiere etwas? Wenn Probleme auftauchen, wird zur Sicherheit immer gleich die Tierärztin gerufen. Nachdem Krause alle Tiere begrüßt hat, stehen im Laufe des Tages verschiedene Arbeiten an, die er zusammen mit seinem Team erledigt: Gehege müssen saubergemacht werden. Manchmal ist etwas zu reparieren. Highlights, die regelmäßig viele Besucher anziehen, sind die Fütterungen der Pinguine, der Seelöwen und die Flugschau. Sie sind Krause wichtig, weil er hier die Gelegenheit hat, mit den Zoobesuchern zu sprechen.

„Wenn man unseren Beruf richtig verstehen möchte, sind wir nicht nur Pfleger im Zoo, sondern auch Botschafter für die Tiere, die draußen leben“, erklärt er. Dann spricht er zum Beispiel über das Insektensterben – denn das Überleben vieler Vögel in unserem direkten Umfeld hängt davon ab, ob sie ausreichend viele Insekten als Nahrung finden: „Wenn man früher drei Stunden über die Autobahn gefahren ist, war hinterher die Windschutzscheibe voller Tiere; manchmal musste man zwischendurch sogar anhalten, um die Scheibe zu wischen. Heute ist das überhaupt nicht mehr so. Das ist eine Katastrophe, denn auch die Zahl der Singvögel ist dadurch schon dezimiert!“

„Dieser Beruf ist ein Geschenk“

Der 35-Jährige hatte schon als Kind gerne Tiere um sich. Da er als Sohn von Missionaren in Papua Neuguinea aufgewachsen ist, waren auch einige darunter, von denen Kölner Pänz nur träumen können: „Schildkröten, Papageien, einmal hatten wir eine Eule als Haustier. Mein Vater hat auch mal eine junge Möwe mitgebracht, die wir gepflegt haben, bis wir sie wieder fliegen lassen konnten. Hunde waren sowieso unsere ständigen Begleiter“, zählt er auf. Aufgrund dieser Geschichte hat er momentan auch einen besonderen Liebling unter den Greifvögeln, nämlich eine Brahmanen-Weihe, die noch recht neu im Kölner Zoo ist. „Mit solchen Vögeln bin ich aufgewachsen. Köln hat als einziger Zoo so einen Vogel, das ist schon der Hammer für mich! Wenn die bei mir auf dem Handschuh sitzt, fühle ich mich sofort zurückversetzt nach Papua Neuguinea“, lacht er.

Mit zwölf Jahren kehrte Jens Krause dem Inselstaat vor Australien den Rücken, da seine Eltern zurück nach Deutschland gingen. Seine Liebe zu Tieren blieb. Trotzdem machte er nach der Schule erst einmal eine Ausbildung zum Maurer. „Anfangs hatte ich nämlich die Sorge: Wenn ich mein Hobby zum Beruf mache, geht es mir irgendwann auf den Senkel“, gibt er zu. Aber dann war sein Wunsch, etwas mit Tieren zu machen, doch zu stark. Krause sattelte um und machte eine Ausbildung zum Zootierpfleger im niedersächsischen Vogelpark Walsrode. Über diese Entscheidung ist er auch nach über zehn Jahren noch glücklich, denn Tiere findet er einfach faszinierend. „Es ist ein Riesengeschenk, diesen Beruf zu haben“, sagt er.

Fotos: Klaudius Dziuk
Text: Johanna Tüntsch

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