Em Höttche: „Ehrlich und direkt“

12.12.2019 | Kneipen

In dieser Rubrik stellen wir einmal im Monat eine Kölner Kneipe vor. Unter den niedrigen Holzdecken des Wirtshauses Em Höttche in Köln-Dellbrück kommt tatsächlich Hütten-Feeling auf – kölsches Hütten-Feeling wohlgemerkt!


Adresse:
Gierather Straße 10, 51069 Köln-Dellbrück
Tel.: 0221/9981745

Öffnungszeiten:
Mi-Sa ab 16 Uhr, So ab 12 Uhr, Mo/Di Ruhetag

Kölsch:
Päffgen vom Fass, 1,70 EUR

Besonderheit:
Päffgen-Kölsch

Pizza-Dienste gibt’s überall. Aber einen Bringdienst für Gänsebraten, schön mit Klößen, Apfelrotkohl, Maronen-Sauce und Bratäpfeln für vier bis fünf hungrige Mäuler? Ins gesamte Kölner Stadtgebiet lässt Dirk Kleber, Wirt und Pächter Em Höttche in Dellbrück, sein knuspriges Federvieh ausfliegen, und das zu wirklich fairen Kursen. „Die Marge ist nicht hoch, aber ich finde das gut“, sagt Dirk. „Deswegen machen wir das.“ Nur an Weihnachten müssen Kölner Gans-Liebhaber ihre Braten selbst in die Röhren schieben. „Da hat das Personal frei. Irgendwann ist auch mal gut.“

 

Em Höttche Köln Dellbrück Kölnbeste GAG Dirk Kleber
Dirk Kleber, Wirt

Seit bald 15 Jahren ist Dirk Kleber Herr im Hoettche, im Sommer 2020 feiert er kleines Jubiläum. Zuvor war er unter anderem Köbes im Brauhaus Päffgen in der Friesenstraße. So erklärt sich auch, weshalb das Höttche als einzige Gastronomie im rechtsrheinischen Köln außer dem Lommerzheim in Köln-Deutz dieses exquisite Kölsch anbieten darf. „Ich bekomm‘ das nur, weil ich dort gearbeitet habe“, erklärt Dirk. „Die Brauerei will regional und exklusiv bleiben.“ Ohne Stallgeruch kein Päffgen. So einfach ist das.

Ohne Stallgeruch kein Päffgen

Das besondere Obergärige ist ein Grund für Rosemarie und Bruno Hoff, regelmäßig den Rhein zu queren, die leckere kölsche Küche ein zweiter. In ihrem Quartier in Pesch im Kölner Norden gebe es weder einen guten Koch noch einen brauchbaren Köbes, sagt Bruno. „Ich bin sehr wählerisch, was sowas angeht. Ich habe einen sehr ausgeprägten Geschmackssinn.“ Seine Frau kennt das Höttche schon seit Kindertagen, damals noch ohne Theken-Anbau und Biergarten, in dem sie bei warmen Temperaturen gerne Platz nimmt: „Besonders abends, wenn die Sonne untergeht.“

 

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Rosemarie und Bruno Hoff, Gäste

Seit 1785 schon kennen die Dellbrücker die Adresse an der Gierather Straße als Schankwirtschaft, über Jahrhunderte und Generationen hinweg geführt von der ehrwürdigen Familie Bach. Mitte der 1990er Jahre wurde das schnuckelige Fachwerkhäuschen umfassend saniert und erweitert. Seitdem finden hier an gut besuchten Tagen – und von denen gibt es reichlich – knapp 200 Besucher Platz: 100 im Gastraum, 30 an der Theke und 60 im Biergarten. Gerade hat hier der selbst ernannte Kleinste Weihnachtsmarkt Kölns eröffnet. Die drei Höttche, pardon, Buden lässt Dirk nach den besinnlichen Tagen einfach stehen: für den Ostermarkt im Frühjahr.

Wie seit ehedem fungiert die Wirtschaft als dörflicher Treffpunkt. Wer in Dellbrück was zu feiern oder zu besprechen hat, tut das Em Höttche, ob Karnevalist oder Kartenspieler, Mitglied der Feuerwehr oder des Männergesangsvereins, Muschelfreund oder Kappes-Connaisseur. „Ich habe hier ein besonderes Team, über die Jahre gewachsen“, sagt Dirk. „So haben wir uns ein treues Stammpublikum aufgebaut.“ Zu dem offenbar auch die Bläck Fööss gehören, die 2016 Em Höttche den Clip zu „Ich ben e Kölschjlas“ drehten.

Die Gäste kommen aus der ganzen Umgebung, aus Köln ebenso wie aus dem angrenzenden Bergischen Land. „Die kommen für’s Päffgen, das Essen und den gut gelaunten Wirt“, meint Dirk selbstironisch. Sich selbst hält er für „nicht immer einfach, aber immer ehrlich und direkt“. Ohnehin sei der klassische Wirt, der sich von früh bis spät hinter der Theke am Bierfass festhält, vom Aussterben bedroht, glaubt Dirk: „Ich mach‘ hier irgendwas alles mit, gehe in den Service, tausche, wenn’s sein muss, eine kaputte Toilette aus und kümmere mich mit der Hilfe meiner Sekretärin ums Büro. Als Wirt muss man heutzutage alles im Blick haben.

Nicht einmal die Küche ist vor Dirk sicher, und das nicht unbedingt nur dann, wenn Not am Mann ist. „Ich habe richtig Kochen gelernt.“ Ob mit oder ohne ihn an den Töpfen: „Bei uns gibt’s keine Tütensuppe. Das ist alles frisch und regional.“

 

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Paco, Köbes

Paco, der Köbes mit dem südamerikanischen Namen und den schottischen Wurzeln, serviert die nächste Runde Kölsch. Die Hütte füllt sich mit den Abendgästen. Der Lauf der Dinge, auch an diesem ganz und gar normalen Donnerstag. Geht das die nächsten 234 Jahre so weiter? Dirks Ansprüche sind bescheiden. Den Cateringservice will er weiter ausbauen, aber ansonsten: „Wir haben genug zu tun.“

Manchmal trauert er der Zeit hinterher, als schräg gegenüber noch die „Bürgerschänke“ geöffnet hatte, die die Wirtin inzwischen aus Altersgründen aufgegeben hat. „Das ist ja nicht nur hier in Dellbrück so, dass das gastronomische Angebot schrumpft“, sagt Dirk. „Mit jeder Kneipe und jedem Wirtshaus, das schließt, geht ein Stück Kultur verloren.“

Wo ist der gastronomische Nachwuchs in Dellbrück? Dirk Kleber würde sich freuen, wenn in der Nachbarschaft ein ähnliches Angebot öffnen würde. „Mit der Bürgerschänke hatten wir einen regen Austausch. Wer bei uns keinen Platz gefunden hat, ist einfach nach Gegenüber gegangen. Heute müssen die Leute unverrichteter Dinge wieder nach Hause gehen.“ Und da blutet jedem Wirt das Herz. Auch wenn er, wie Dirk, nicht von der klassischen Sorte ist.

 

Em-Hoettche-Koeln (2)

Fotos: Patrick Essex
Text: Sebastian Züger

Bisher in unserer Serie über Kölsche Kneipen:

Der Durst im Eigelstein
Das Weimarer Stübchen in Köln-Höhenberg
Das Haus Zeyen in Köln-Deutz
Das Flora 6 in Köln-Nippes
Das Refugium in Köln-Zollstock
Die Braustelle in Köln-Ehrenfeld
Neppes Fünkchen’s Kultur in Köln-Nippes
Das Thiebolds Eck in Köln-Innenstadt

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